Officer Joe Vickers meldet sich zum Dienst! Der fiese Bulle hat seine Lehre beim Maniac Cop Matt Cordell erfolgreich absolviert und geht nun, in bester Jason Voorhees-Manier, mit Messer, Axt und bloßen Händen gegen feiernde College-Studenten vor. Ein echter Mad Cop, wie uns der damalige, deutsche Titel weißmachen wollte. FROM THE VAULT / WMM / CARGO MOVIES spendierten dem damals noch zensierten Direct-to-Video-Horrorfilm eine unzensierte Scanavo Edition. Da mir der Streifen zu Jugendzeiten gut gefiel, habe ich mir den trashigen Horrorschinken mal wieder in den Player gelegt.

Alter deutscher Titel: Mad Cop
Drehbuch & Regie: Wallace Potts
Darsteller: Robert R. Shafer, Palmer Lee Todd, Jeff Qualle, Cindy Guyer, Greg Joujon-Roche
Artikel von Christian Jürs
Der Psycho Cop, den die deutsche Titelschmiede im Hause Ufa Video in Mad Cop aus nicht nachvollziehbaren Gründen umbenannt hatte, kam mit zwei Jahren Verspätung im Oktober 1991 in die Videotheken. Die Pressekassette, die mir der freundliche Videothekar gegen überhöhte Leihgebühr vorab auslieh, trug noch ein FSK 16-Logo und war bereits vorsorglich gekürzt worden. Die FSK vergab für diese Version trotzdem die Höchstfreigabe, was vermutlich auch in unzensierter Form möglich gewesen wäre – man weiß es nicht, damals wurde ja im Horrorbereich so ziemlich alles bei uns zensiert veröffentlicht. Ich hab mich damals trotzdem gefreut, denn nicht nur, dass man mir verbotenerweise ein Händler-Sichtungs-Tape auslieh, ich hätte mit sechzehn Jahren damals nicht mal den Laden betreten dürfen, auch nicht mit dem Mitglieds-Ausweis meiner Eltern. Doch das ist eine andere Geschichte.

Es ist eine Geschichte, die das Leben schrieb. Sechs junge College-Studenten (drei Jungs und drei Mädchen) fahren gemeinsam zu einem abgelegenen Luxus-Ferienhaus mit Swimming Pool, um eine schöne, gemeinsame Zeit zu verbringen. Habe ich im Alter von zwanzig bis dreißig Jahren auch oft gemacht, in Dänemark, wo das Poolwasser stets so voller Chlor war, dass einem die Augen rot anliefen und der Alkohol so teuer angeboten wurde, dass die Kofferräume unserer Autos vorrangig mit erlesenen Spirituosen gefüllt waren – und Gras, haufenweise Gras! Die sechsköpfige Clique in Psycho Cop ist aber deutlich braver veranlagt – und bekommt trotzdem die volle Härte des titelgebenden Gesetzeshüters zu spüren. Von Marihuana ist in ihrem Gepäck keine Spur und das Bier geht ihnen auch bereits am ersten Nachmittag aus. Eine miese Planung und ein unfassbar braves Sextett, von denen niemand je auf die Idee kommt, entspannenden Urlaubs-Sex zu praktizieren – in einem Teen-, bzw. Twen-Slasher. Man fragt sich, ob da Waldorf-Schüler einen Ausflug unternehmen. Wobei, ich war mal mit einer Waldorf-Schülerin zusammen, die essen zwar kein Fleisch, sind aber ansonsten kein Kind von Traurigkeit.
Nackte Tatsachen gibt´s hier also nicht zu bestaunen. Besonders ärgerlich für mein damals sechzehnjähriges ich, wenn man bedenkt, dass hier das spätere Playboy-Model Cindy Guyer mit an Bord ist. Doch die hat den ganzen Film nichts anderes zu tun, als ihre langen, blonden Haare zu kämmen. Kein Witz, sie macht das durchgängig, zumindest, bis ihr der Psycho Cop die Bürste entwendet und in eine tödliche Falle lockt. Hätte sie sich mal anders durchbürsten lassen. Dann wäre da noch eine gewisse Linda West, die in dem Film Sexy Platoon dabei war und hier ebenfalls angezogen bleibt. Auch Schauspielerin Palmer Lee Todd, die im James Spader Thriller Todfreunde noch als “Naked Woman” gelistet wurde, bleibt hier hochverschlossen, was allerdings ihrer Rolle als offensichtliches Final Girl geschuldet ist. Keine Sorge, das ist kein Spoiler, sie hegt bereits bei Ankunft im Ferien-Domizil Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt und zieht die Nummer bis zum Finale durch. Natürlich hat sie recht, doch so penetrant, wie ihr die Skeptikerin im Drehbuch auf den Laib geschrieben wurde, hätte die Spaßbremse vermutlich niemand freiwillig mit in den Urlaub genommen.

Nun werden so manche Leser vermutlich die Augen verdrehen, dass ich auf nackte Haut in einem günstig inszenierten Slasher so sehr bestehe. Doch nackte Tatsachen und blutige Schauwerte gehören einfach dazu, wenn man einen kostengünstigen und inhaltsleeren Slasher dem gierigen Genre-Fan in die Video-Regale sch(m)eißt. Das wussten schon die Macher solcher Schinken wie Sleepaway Camp 2 oder Bloody Pom Poms und schufen dadurch echte Party-Bomben. Leider gibt es bei den Splatter-Effekten von Psycho Cop auch nicht viel Gutes zu vermelden. Die Effekte sehen nicht gut aus und sind zudem noch sehr harmlos, auch in der unzensierten Version, die heutzutage locker mit einem FSK 16 hätten davonkommen können.
Es gibt aber einen Grund, sich Psycho Cop trotzdem anzuschauen: Robert R. Shafer als Officer Joe Vickers. Der bleibt zwar die meiste Zeit im Hintergrund, darf nur zu Beginn ein Pärchen kurz massakrieren und außerdem den Hausmeister (David L. Zeisler) des Ferienhauses, der diese top-modische He-Man-Frisur trägt. Drei Wetter Taft, die Locke hält, bis Vickers den Schädel mit der Gummi-Axt spaltet. Ein kurzes Warm-Up für das Finale, in dem Shafer ordentlich aufdrehen durfte, was beim Zuschauen durchaus Spaß macht, auch wenn er sich im übertriebenen Maße stets von A nach B beamen kann, um immer wieder vor seinen Opfern aufzutauchen, obwohl die dem langsam watschelnden Psychopathen-Cop eigentlich davonlaufen müssten.

Psycho Cop aka Mad Cop ist ein formelhafter und biederer Slasher aus einer Zeit, als es dem Horror-Genre nicht gut ging und man sich an jeden Strohhalm klammerte. Wäre da mehr drin gewesen? Mit Sicherheit! Trotzdem vergehen die 87 Minuten auf unterhaltsame Art und Weise, auch wenn hier die Handbremse noch ordentlich angezogen wurde, auch bei Robert R. Shafer. Der durfte im drei Jahre später entstandenen Sequel Psycho Cop 2 dafür herrlich freidrehen. Das Sequel ist sogar um einiges besser, quillt es doch über vor Blut, Gedärmen und nackten Tatsachen. Schade, dass danach nichts mehr kam. Hoffentlich folgt hier in Kürze ebenfalls eine Scanavo-Edition.
Die Bildqualität von Psycho Cop ist durchaus ordentlich, der Film liegt zudem wahlweise im 4:3 Open Matte- und in 1,78:1-Format vor. Die Tonspuren (Deutsch und Englisch) sind ebenfalls in Ordnung. Außerdem gibt es Trailer, ein neues Video-Interview mit einem gut aufgelegten Robert R. Shafer und ein Wendecover ohne FSK-Logo. Laut OFDb soll auch noch ein Booklet beiliegen, dieses fehlte aber in meinem Exemplar.
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