Das Ende ist nah! In absehbarer Zeit werden Klimawandel und Überbevölkerung immer mehr ihren Tribut zollen. Im Langfilm-Debüt der Musik-Video und Werbefilm-Regisseurin Fleur Fortuné ist die Welt schon einen Schritt weiter. Die Klima-Katastrophe hat der Erde ihrer Ressourcen geraubt und die Bevölkerung erheblich ausgedünnt. Wenige, gesellschaftlich wichtige Arbeit verrichtende Menschen dürfen aber weiterhin im alltäglichen Luxus schwelgen und sogar Geburten sind möglich. Zwar nicht auf herkömmlichen Weg und auch nur mit Genehmigung von Vater Staat, aber unsere Hauptfiguren, dargestellt von Elizabeth Olsen und Himesh Patel, sind guter Dinge, zu den Begünstigten zu gehören. Hierfür müssen sie sich aber einer einwöchigen Kontrolle unterziehen, die von einer strengen Gutachterin beurteilt wird. Diese wird verkörpert von Ex-Lara Croft Alicia Vikander, die sich mit Frau Olsen ein wahres Schauspiel-Duell liefert. Sehr zur Freude des Publikums, wie Ihr dank CAPELIGHT PICTURES jetzt im Heimkino feststellen dürft.

Regie: Fleur Fortune

Darsteller: Elizabeth Olsen, Alicia Vikander, Himesh Patel, Minnie Driver, Charlotte Ritchie

Artikel von Christian Jürs

Die Natur sollte uns heilig sein. Sollte, denn leider treten wir sie schon immer mit Füßen, obwohl bewiesen ist, dass der menschengemachte Klimawandel auf dem Vormarsch ist und stetig mehr Naturkatastrophen mit sich führen wird. Egal, denn Kreuzfahrten, Silvesterfeuerwerke, neue Smartphones und Verbrenner-Motoren sind leider geil. Eines der begehrtesten Luxusgüter sind aber vor allem Kinder. Ich muss es wissen, ich habe zwei davon und die kosten ein Vermögen. Auch die beiden Hauptfiguren in The Assessment wünschen sich Nachwuchs. Das ist aber gar nicht so einfach.

Die Pflanzenforscherin Mia (Elizabeth Olsen) und ihr Partner, der VR-Designer Aaryan (Himesh Patel), führen eine glückliche Beziehung und vollziehen eine angesehene, für die Gesellschaft wichtige, Arbeit. Da ist es ganz natürlich, dass eines Tages der Kinderwunsch ins Haus steht. Da sie unter einer Kuppel in künstlicher, natürlich wirkender Atmosphäre leben und außerdem gebildet sind, halten sie sich für geeignet, diese Bürde auf sich zu nehmen. Doch Kinder dürfen nicht mehr auf natürlichem Weg gezeugt werden und wer Nachwuchs haben möchte, der muss sich einer einwöchigen Beurteilung unterziehen lassen. Hierfür schickt die Regierung ihnen die strenge Prüferin Virginia (Alicia Vikander) ins Haus, die das Paar beobachten und auf die Probe stellen soll.

Doch was mit einer simplen Reihe von Fragen und Antworten beginnt, steigert sich von Tag zu Tag in ein immer mehr an den Nerven zerrendes Psychospiel. So bleibt Virginia selbst bei intimer Zweisamkeit von Mia und Aaryan zugegen und beurteilt den gerade vollzogenen Blowjob. Aus heiterem Himmel begibt sie sich, ohne Vorwarnung oder weitere Erklärung, plötzlich in den Gemütszustand eines trotzigen Kindes, was vor allem Mia zur Weißglut bringt, da diese außerdem überzeugt ist, dass Virginia ein Auge auf den Herrn des Hauses geworfen hat. Es kommt aber noch viel schlimmer und extremer im Laufe der sieben Tage. Wird das Paar den Test bestehen? Oder geht ihre Beziehung daran kaputt?

Dass Regisseurin Fleur Fortune aus dem Bereich Musikvideo kommt, merkt man schnell. Die Bilder sind stilsicher eingefangen und das Setting wunderbar kalt und trist, so wie das Liebesleben unseres Pärchens im Verlauf ihrer Beurteilung. Vor allem aber ist es ein grandioses Schauspiel-Duell zwischen Elizabeth Olsen und Alicia Vikander, die beide in ihren Rollen absolut überzeugen, auch wenn Frau Vikander hier und da ein wenig zu sehr ins Overacting abdriftet. Sehenswert ist ihr Psycho-Krieg allemal. Außerdem gibt es noch ein kurzes Wiedersehen mit Schauspielerin Minnie Driver (Good Will Hunting), deren Screen-Time zwar sehr begrenzt ist, ihr Auftritt bleibt aber nachhaltig im Gedächtnis verankert.

The Assessment ist beklemmend und spannend. Ein dystopischer Mindfuck in schönen Bildern, der allerdings, dass sollte man erwähnen, auf reiner Dialog-Ebene stattfindet. Lediglich auf der Zielgeraden schwächelt der Streifen einwenig, wenn er, nachdem die Beurteilung bereits abgeschlossen ist, noch zwanzig Minuten weiterläuft. Hier wurde mir dann zu viel erklärt, was vorher im Ungewissen blieb. Notwendig wäre es nicht gewesen.

Mir lag zur Rezension die Mediabook-Variante vor. Diese besticht, vor allem in 4K UHD, mit perfekter Bild- und Tonqualität. Im Bonusbereich gibt es ein Behind the Scenes und den Kinotrailer. Das Mediabook verfügt außerdem über ein 24-seitiges Booklet, verfasst von Kathrin Horster-Rapp. Hier wird nochmal näher auf die Hintergründe der Story eingegangen.

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