Diese Veröffentlichung war mehr als überfällig. Der Action-Thriller, in dem sich Denzel Washington und John Lithgow ein Psycho-Duell liefern, startete bei uns im Jahr 1992 mit Erwachsenenfreigabe und einer kleinen, aber ärgerlichen, Zensurkürzung in den Kinos. Sämtliche Heimkino-Veröffentlichungen seither waren ebenso zensiert (über die FSK 16-Rumpf-Fassung hülle ich lieber den Mantel des Schweigens) und schafften es trotzdem für eine gewisse Zeit auf die Liste der jugendgefährdenden Filme. Nun hat PLAION PICTURES mal wieder eingegriffen und serviert dem Film, stolze 33 Jahre nach dem deutschen Kinostart, endlich eine unzensierte Veröffentlichung – zudem erstmals auf Blu-ray. Ich habe mir das Spektakel nach langer Zeit mal wieder angeschaut.

Originaltitel: Ricochet
Regie: Russell Mulcahy
Darsteller: Denzel Washington, John Lithgow, Kevin Pollak, Ice T, Mary Ellen Traynor, John Amos
Artikel von Christian Jürs
Die Zutaten für einen echten Blockbuster waren vorhanden. Der junge Denzel Washington, der kurz zuvor den Oscar für seine beeindruckende Performance in Glory erhielt, gab mit Ricochet – Der Aufprall seinen Einstand als Action-Schauspieler. Sein Gegenspieler war der verlässliche John Lithgow, der später in Cliffhanger und Dexter – Staffel 4 bewies, dass er einen famosen Bösewicht abgeben kann. Inszenieren durfte Videoclip-Regisseur Russell Mulcahy, der mit Highlander – Es kann nur einen geben einen Riesen-Hit in der Tasche hatte, kurz vor Drehbeginn aber mit dessen furchtbarem Sequel Highlander 2 – Die Rückkehr eine verdiente Bruchlandung hinlegte. Als Produzent fungierte Action-Experte Joel Silver, der uns Filmreihen wie Lethal Weapon oder Stirb langsam bescherte und das Drehbuch verfassten Fred Dekker (Die Nacht der Creeps), Menno Meyjes (Indiana Jones und der letzte Kreuzzug) und Steven E. de Souza (Nur 48 Stunden). Es konnte eigentlich gar nichts schiefgehen – und trotzdem erinnert sich heute kaum noch jemand an Ricochet – Der Aufprall.

Der Film startet im Jahr 1984. Eines Abends geht der junge Polizist Nick Styles (Denzel Washington) gemeinsam mit seinem Freund und Partner Larry Doyle (Kevin Pollak) auf Streife. Dabei werden sie Zeuge, wie der brutale Verbrecher Earl Talbott Blake (John Lithgow) seine Geschäftspartner bei einem Drogendeal ausschaltet, um sich zu bereichern. Auf der Flucht nimmt er eine Geisel, kann aber von Nick entwaffnet und verhaftet werden.
Sieben Jahre später hat Nick Styles seinen Polizistenjob an den Nagel gehängt, führt eine glückliche Ehe, hat zwei Kinder und hat eine erfolgreiche Laufbahn als Bezirksstaatsanwalt eingeschlagen. Sein alter Kumpel Larry wurde derweil zum Detective befördert. Nicks Leben könnte nicht besser laufen, doch dann bricht der brutale Blake bei einer Bewährungsanhörung auf brutale Art aus dem Gefängnis aus und inszeniert sein vermeintliches Ableben. Doch Blake ist noch am Leben und startet einen perfiden Rachefeldzug, dessen Ziel die komplette Zerstörung des glücklichen Lebens von Nick Styles darstellt. Dabei ist es nicht seine Absicht, den Ex-Cop zu töten. Stattdessen sind es die Karriere und das Familienleben des aufrechten Staatsanwalts, die Blake systematisch zerstören will.

Lang, lang ist´s her, dass ich Ricochet – Der Aufprall gesichtet habe. Die Sichtungspause lag u.a. daran, dass bislang keine unzensierte Version des Action-Thrillers hierzulande erhältlich war, weswegen ich auch keine Ambitionen hegte, mir den Film ins Regal zu stellen. Zwar wurde die alte FSK 18-Version lediglich bei der Gefängnis-Ausbruchs-Szene zensiert, trotzdem hätte ich mich an dieser Stelle immer wieder geärgert (zumal der Schnitt recht auffällig gesetzt wurde). Plaion Pictures, die derzeit viele Streifen, denen bislang nur eine schäbige Veröffentlichung zuteil wurde, in angemessener Form veröffentlichen, haben jetzt auch Ricochet – Der Aufprall unzensiert und in HD ins Programm genommen. Filmfans werden hier mal wieder ernst genommen. Danke dafür.
Handwerklich ist Ricochet – Der Aufprall äußerst sehenswert. Regisseur Highlander – Russell Mulcahy kommt halt aus der Musikvideo-Szene und wusste gekonnt, die Kamera effektiv einzusetzen. Dank einiger toller Kamerafahrten wirkt der Streifen somit größer, als er es eigentlich ist. Lediglich die Basketball-Szene mit Ice T zu Beginn ist etwas verwirrend zerschnitten worden. Zur Handlung fügt sie aber, ebenso wie auch die anderen Auftritte des Rappers im Film, wenig bei – immerhin hat er es auch auf den Soundtrack geschafft. In wenigen Szenen ist außerdem John Amos (Stirb langsam 2) dabei. Kevin Pollak gibt, wie so oft, den sympathischen Sidekick. Ich sehe ihn immer wieder gerne. Denzel Washington spielt gewohnt gut, an seine Auftritte als The Equalizer oder in Training Day kommt dieser Auftritt aber nicht heran. Highlight ist mal wieder John Lithgow als Bösewicht. Sein abstruser Racheplan und sein trotziges Verhalten im Finale, sowie die jetzt gut sichtbare Kontaktlinse (HD sei Dank), schmälern den Gesamteindruck aber ein wenig.

Ricochet – Der Aufprall ist ordentliches Actionkino der frühen Neunziger. Erstaunlich, wie viele Blutbeutel hier platzen durften, der Film ist, trotz der damals auch in Amerika durchgreifenden Zensur, ziemlich hart ausgefallen. Dank der Laufzeit von gut 100 Minuten kommt auch keine Langeweile auf. Regie und Darsteller wirken auch heute noch recht zeitlos (mit kleinen Einschränkungen).
Die Bildqualität der ersten, deutschen HD-Veröffentlichung ist recht ordentlich. Auch der Sound (wahlweise DTS HD 5.1 oder 2.0 Surround) kommt wuchtig rüber. Im Bonusmaterial befinden sich die bildschirmfüllende 1,78:1 Fassung des im Cinemascope gedrehten Films, diverse Trailer und eine Bildergalerie. Da mir lediglich die Rohlinge vorliegen, kann ich zum Booklet leider keine Angaben machen.
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