Der Maus-Konzern hat seinen Zauber verloren. Wo früher familiengerechte Meisterwerke rund um majestätische Löwen, dreistellige Dalmatiner-Familien oder adoptierte Dschungelkinder entstanden, werden heute Sequels oder mäßige Realverfilmungen produziert. Da wundert es wenig, dass der derzeit erfolgreichste (Animations-)Film des Jahres aus China kommt (Ne Zha 2) und Netflix mit K-Pop Demon Hunters den Zeitgeist der heutigen Kids besser einfängt. Der schönste Film der letzten Kinomonate stammt aber aus dem filmtechnisch eher unbekannten Lettland. Dort schuf man die zu Herzen gehende Geschichte einer Katze, die vor einer Flut fliehen muss und sich mit einem Labrador, einem Wasserschwein, sowie einem Sekretär-Vogel und einem Lemuren engagieren muss, um gemeinsam ums Überleben zu kämpfen. Der mit dem Oscar für den besten Animationsfilm ausgezeichnete Streifen erscheint nun, erstmals auch in 4K UHD in physischer Form. CAPELIGHT PICTURES spendierte dem wundervollen Animationsfilm ein tolles Mediabook.

Originaltitel: Straume

Regie: Gints Zilbalodis

Artikel von Christian Jürs

Show, don´t tell lautet eine bekannte Weisheit im Filmbereich. Gerade heutzutage wird in so manchem Streifen die Handlung zu Tode erklärt, damit auch der letzte Smartphone-User während der Streaming-Film läuft eine Runde Candy Crush spielen kann. Für dieses Publikum, welches den Filmemachern den nötigen Respekt und die Aufmerksamkeit schuldig bleibt, ist Flow nicht zu empfehlen. Denn hier wird gar nicht gesprochen. Wie auch, Tiere können nicht sprechen und auch die Katze, der wir 85 Minuten lang folgen, singt nicht ein einziges Mal davon, dass Katzen furchtbar viel Musik brauchen.

Alles beginnt ganz harmonisch. Eine dunkelgraue Katze, die in einem verlassenen Haus am Waldrand zu leben scheint, begibt sich auf ihre tägliche Erkundungstour in der Natur. Während sie gerade ihren Durst an einem Fluss stillt, wird sie von einem Rudel Hunde überrascht, die sie, nachdem sie den Kläffern einen Fisch entwendet, von diesen verfolgt wird. Gerade als sie sich in Sicherheit befindet, bricht eine Sturmflut über die überraschten Tiere herein. Die Katze und einer der Hunde, ein friedlicher Labrador, können sich in letzter Minute auf eine höher gelegene Statue retten. Doch das Wasser steigt stetig und schließlich bietet ein kleines, umhertreibendes Segelboot die einzige Option zur Lebensrettung.

Hund und Katze sind auf dem Boot aber nicht allein, da sich bereits ein Wasserschwein dorthin in Sicherheit gebracht hat. Kurz darauf folgt noch ein Sekretär-Vogel, der aufgrund einer Flügelverletzung nicht mehr fliegen kann und schließlich ein Katta, der zur Gattung der Lemure gehört. Letzterer bringt sein erbeutetes Hab und Gut mit, u.a. einen Spiegel, den er hegt und pflegt. Zunächst sind die Tiere einander skeptisch und vorsichtig gegenüber. Doch die Notsituation verlangt Zusammenhalt und so bildet sich langsam unter den ungleichen Lebewesen eine kleine, freundschaftliche Allianz. Diese droht allerdings zu zerbrechen, als sie die anderen Hunde vom Filmbeginn entdecken, die in einem Glockenturm Schutz gesucht haben. Als sie diese an Bord holen, kommt es zu chaotischen Zuständen, bei denen auch der geliebte Spiegel des Lemuren zu Bruch geht.

Regisseur Gints Zilbalodis schuf bereits im Jahr 2012 einen selbstproduzierten Kurzfilm mit dem Titel Aqua, der im Grunde eine ähnliche Geschichte in nur sieben Minuten erzählt, optisch allerdings noch nicht annähernd so ausgereift. Auf die emotionale Reise, auf die uns Flow mitnimmt, kommt der Shortie aber nicht heran. Es ist schon erstaunlich, wie sehr man mit den tierischen Charakteren, die lediglich echte Tierlaute von sich geben, connecten kann, obwohl kein einziges Wort gesprochen wird. Langeweile kommt hier niemals auf, weder bei großen- noch bei kleinen Zuschauern. Allzu klein sollten die Kids aber nicht sein, dann auch, wenn (fast) alles gut ausgeht, so wird es hier und da doch ziemlich spannend und auch mal traurig.

Es wird zwar nie ausgesprochen (ha, ha), aber wir haben hier einen hübsch animierten Endzeitfilm vorliegen, denn die Menschheit scheint mittlerweile ausgestorben zu sein. Zwar sehen wir ihre Bauten und Errungenschaften, einen menschlichen Protagonisten sucht man aber vergeblich. Vermutlich ist dies auch der Grund, warum die Natur hier so wunderschön ausschaut. Von mir gibt es eine absolute Kaufempfehlung für Flow, insbesondere für diese tolle Mediabook-Auflage aus dem Hause capelight pictures.

Bild- und Tonqualität sind vor allem auf der 4K-Scheibe hervorragend. Bei der ersten, physischen Auflage beklagte ich noch, dass es außer Trailern kein Bonusmaterial gab. Damit gab sich capelight pictures natürlich nicht zufrieden und füllten ihre Veröffentlichung bis zum Rand mit Extras. So findet man auf beiden Discs neben dem Original-Trailer noch die beiden Kurzfilme Priorities und Aqua, die Gints Zilbalodis zuvor inszenierte. Auf der Blu-ray befindet sich außerdem noch eine Trailershow, während die 4K-Scheibe noch zwei, jeweils einstündige Featurettes zur Entstehung bereithält, sowie die komplette Workprint-Fassung / Animatic zu Flow. Das stabile, 48-seitige Booklet spendiert uns diverse Filmbilder und ein Interview mit dem Regisseur. Alles in allem ein Rundum-Sorglos-Paket für Flow-Fans.

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