Obwohl 1981 einige große Horror-Klassiker in den USA erschienen (Freitag, der 13. Teil 2, Tanz der Teufel, American Werewolf, Wolfen, Das Tier, Brennende Rache usw. usf.) wandte sich John Irvin (Hunde des Krieges) lieber dem gediegenen Gruselfilm zu, der sich über weite Strecken einfach nicht dem neuen Trend der deftigen Effekte anschließen mochte und sich stattdessen auf eine fast literarische Atmosphäre konzentrierte. Peter Straub hatte einen komplexen Gruselroman geschrieben, der von John Irvin allerdings nicht so verfilmt werden konnte wie es geplant war und nun von Lawrence Cohen (Carrie, Es) auf die Essenz des Romans herunter kondensiert wurde: Vier alte Männer werden von einer vergangenen Schuld heimgesucht. Ursprünglich sollte das Böse dann auch den gesamten Ort befallen, ähnlich wie in einer Stephen King-Geschichte (womit man mit Lawrence Cohen auch den richtigen Drehbuchautoren hatte), was sich dann aber am Ende ob der verschiedenen Produktionsprobleme nicht realisieren lies. Das Ergebnis war am Ende ein sorgfältig inszenierter kleiner Gruselfilm, der das Beste aus seinem Kompromiss machen konnte. HANSESOUND im Vertrieb von LIGHTHOUSE FILM brachte den Klassiker nun restauriert u.a. als limitiertes Mediabook heraus.

Originaltitel: Ghost Story
Alternativtitel: Rache aus dem Reich der Toten
Regie: John Irvin
Darsteller: Craig Wasson, Alice Krige, Fred Astaire, John Houseman, Melvyn Douglas, Douglas Fairbanks Jr.
Artikel von Kai Kinnert
Vier ältere Herren (Fred Astaire, John Houseman, Melvyn Douglas, Douglas Fairbanks jr.) bilden seit 50 Jahren die sogenannte Chowder Society, treffen sich regelmäßig für Runden am Kamin und erzählen sich gegenseitig Gruselgeschichten. Tatsächlich teilen sie seit einem halben Jahrhundert ein tragisches Geheimnis, mit dem sie Schuld auf sich geladen haben. Als einer ihrer Söhne stirbt und dessen Bruder Don (Craig Wasson) zur Beerdigung anreist, geraten die Dinge in Bewegung. Offenbar ist da jemand, der es auf die vier abgesehen hat, jemand der aus dem Jenseits zurückgekehrt ist und nun auf Rache lauert.

Nach den ersten Filmminuten musste ich erst einmal nachschauen, wann John Irvin den Film gedreht hatte. 1962? Ach ne, 1981! Musik und die Art der Bildgestaltung wenden sich eindeutig an ein gesetzteres Publikum und man bekommt alsbald das Gefühl einen Film zu sehen, der aus der Zeit gefallen ist. Wenn sich das traditionell jüngere Horrorfilm-Publikum damals an der Kinokasse zwischen Tanz der Teufel oder Ghost Story entscheiden musste, dann hatte es sich wahrscheinlich nicht für Fred Astaire entschieden, sondern für den aufkommenden Brachial-Klassiker Tanz der Teufel von Sam Raimi. Dass Ghost Story dennoch nicht unterging und durchaus einen Blick wert ist, liegt an der sorgfältigen und atmosphärisch geschlossenen Inszenierung des Regisseurs, der zwar nicht an der Neuerfindung des Genres interessiert war, wohl aber an der Erzählung einer klassischen Gruselgeschichte mit stärker herausgearbeiteten Charakteren. Garniert wurde das Ganze an entsprechenden Stellen mit ein paar expliziten Effekt-Sekunden, die sich zwar nicht mit Tanz der Teufel messen können, wohl aber mit einem gewissen Spaß am Effekt inszeniert wurden und sich wirksam in den Spannungsbogen der Story einfügen. Sei es der Sturz aus dem Fenster, wenn ein Körper ungebremst auf den Steinboden aufschlägt, Frauen mit verwestem Gesicht im Bett liegen oder einer Wasserleiche recht ausführlich die Gesichtshaut vom schleimigen Schädelklumpen rutscht und die trüben Matsch-Augen zerfließen: Hier findet der Film durchaus Anschluss an die zeitgleich erschienen Horrorfilme und überrascht mit diesen kleinen Ausreißern.

Der dem Mediabook beiliegende Text von Christoph N. Kellerbach berichtet ausführlich über die Entstehungsgeschichte des Films, der von seiner ursprünglichen Idee bis zum fertigen Endergebnis einiges an Kompromissen einstecken musste und vom Regisseur sogar um weitere Horroreffekte gekürzt wurde, da die den Erzählfluss aufhielten und für die Figuren unnötig waren. Soviel Eier muss man erstmal haben, im Grunde das wieder rauszuschneiden, was ein Horrorpublikum eigentlich ins Kino zieht und sich somit rein auf eine erzählerische Idee zu beschränken. Ob das bei der altertümlichen Besetzung ein so wirklich guter Plan war, mag dem Geschmack des Publikums unterliegen, für mich war die Besetzung zu alt und im Schauspiel zu sehr im Old Hollywood verwurzelt, als dass ich mich, entgegen der ansonsten gediegenen Inszenierung, gegruselt hätte. Der Film beginnt einfach mit „schlechtem Schauspiel“, bzw. einer klassischen Overacting-Attitüde der alteingesessenen Besetzung: Wer von Schuld verfolgt wird, schläft schlecht. Und wer ob seiner Schuld schlecht schläft, liegt scheinbar immer schwitzend, zappelnd und brabbelnd im Schlafanzug auf dem Rücken, kurz vor dem Aufwachen, und fuchtelt mit den Armen, dabei von der besorgten Ehefrau beobachtet. So schlecht zappelnd schläft die Truppe nun schon seit Jahrzehnten (!) und trifft sich daraufhin regelmäßig am Kamin, um sich mit Gruselgeschichten von einer vergangenen Schuld zu therapieren. Das funktioniert natürlich nicht, denn die Schuld kommt in die Kleinstadt zurück und schnappt sich als Metamorph des reinen „Bösen“ die Täter von damals. Das Erwachen der Protagonisten zu Beginn des Films ist in der Art der Dramaturgie und in der Exposition etwas zu simpel heruntergebrochen worden – man kann sich das Schmunzeln ob Fred Astairs Gezappel im Bett nicht verkneifen. Da man sich aber beim Rest des Films deutlich mehr Mühe gab, fängt John Irvin die schauspielerische Schwäche seiner Besetzung alsbald wieder ein und schafft es sogar, die Story als geschlossen wirksames Konzept, um seine Protagonisten zu legen und so das Beste aus der Inszenierung zu holen. Ausstattung, Lichtsetzung, Kamera und Schnitt sind durchdacht und solide umgesetzt worden, wobei die kleinen Spezialeffekte im Film effektiv eingesetzt werden. Für so einen „kleinen“ Gruselfilm war die insgesamte Arbeit an den Spezialeffekten recht gelungen, wobei die klassischen Blue/Greenscreen-Effekte schlichtweg zu verzeihen sind. Das hat man damals eben so gemacht.

Ghost Story ist ein kleiner, solide inszenierter Gruselfilm mit einer altbackenen Besetzung, der sich an kein junges Publikum wendet, dafür aber mit einer konzentrierten Story und einer funktionierenden Grundidee alle Eckpunkte des Films zusammenhält. Als Zuschauer gruselt man sich nun nicht, man bleibt aber ob der wohlfeil temperierten Atmosphäre bei der Stange. Fans des gepflegten Grusels dürfen bei diesem Klassiker gerne einen Blick wagen!
Das Bild der gesichteten Blu-ray war sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt es Trailer, Biografien und Filmografien, sowie einen ausführlichen Text von Christoph N. Kellerbach im Mediabook.
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