2022 war das Jahr der TikTok-Tanzvideos. Nicht nur Jenna Ortega zog als Wednesday viel Aufmerksamkeit auf sich, auch die eher unbekannte Schauspielerin Amie Donald entwickelte sich, tanzend im Killerpuppen-Cosplay, auf TikTok zu einem Klick-Hit. Ein kluger Marketing-Schachzug, der die Kids scharenweise in die Kinos strömen ließ, um den weiblichen Chucky-Klon M3GAN beim Morden zuzuschauen. Drei Jahre später kehrte das gleiche Team vor und hinter der Kamera zurück, um uns ein Sequel zu präsentieren, welches den Vorgänger in allen Belangen übertreffen sollte. Höher, schneller, weiter war die Devise. Doch diesmal ging die Rechnung nicht auf und das Einspielergebnis enttäuschte herb. UNIVERSAL PICTURES legte für die Heimkino-Version, wie bereits beim ersten Teil, eine unzensierte Unrated-Fassung ebenfalls bei. Ob das ausreicht, um die entgangenen Ticket-Einnahmen wieder wettzumachen?

Regie: Gerard Johnstone
Darsteller: Allison Williams, Violet McGraw, Amie Donald, Ivanna Sakhno, Aristotle Athari
Artikel von Christian Jürs
M3gan verfolgte ähnliche Horrorfilm-Motive wie bereits das 2019 entstandene Chucky die Mörderpuppe-Remake zuvor. Ein Spielzeug mit eingebauter KI entwickelt sich zum Serienkiller. Zwar keine neue Idee, dank der fehlenden Ernsthaftigkeit und des im Vorwort benannten TikTok-Hypes, aber eine durchaus gewinnbringende. Dies zu wiederholen war für Regisseur Gerard Johnstone jedoch keine Option. Gemeinsam mit Akela Cooper und James Wan verfasste er deshalb ein Drehbuch, welches nicht umsonst an das erste Sequel eines anderen Klassikers erinnert. Wie einst in Terminator 2 – Tag der Abrechnung mutiert die Titelfigur vom Killer, zum Menschenretter. Wenn Du leben willst, komm mit mir!

Nach dem Tod ihrer Eltern kam die kleine Cady (Violet McGraw) bei ihrer Tante, der erfolgreichen Softwareentwicklerin Gemma (Allison Williams) unter. Um sich die Erziehung des Mädchens zu erleichtern, schenkte sie ihr damals einen Model 3-Generative-Android, kurz M3gan (Amie Donald) genannt. Doch die mit einem KI-Chip versehene Puppe hatte ihre ganz eigenen Vorstellungen von Freundschaft und fing an, alle Personen, die zwischen ihr und Gemma standen, zu eliminieren. Nach einem erbitterten Kampf um Leben und Tod konnte M3gan aber besiegt werden.
Seither sind zwei Jahre ins Land gegangen und Gemma steht ihrem eigenen Job deutlich skeptischer gegenüber und setzt sich, gemeinsam mit ihrem Kollegen Christian (Aristotle Athari), für einen regulierten Umgang mit künstlichen Intelligenzen ein. Gemma hat nebenbei sogar einen Elternratgeber verfasst, damit Kinder nicht leichtfertig mit der neuen Technik spielen. Sehr zum Leidwesen der mittlerweile zur jungen Teenagerin gereiften Cady, der Gemma sogar den Besitz eines Smartphones untersagt.

Währenddessen setzt das US-Militär mit AMELIA (Ivanna Sakhno) einen Kampfroboter zur Infiltration in ein Gebäude an der türkisch-iranischen Grenze ein. Zunächst scheint die Mission ein Erfolg zu werden, doch dann tötet der weibliche Cyborg die eigentlich zu befreiende Geisel. Da AMELIA auf der von Gemma entworfenen M3GAN-KI basiert, ist weder ihres noch das Leben von Cady mehr sicher, da AMELIA jegliche Mitwisser ausradieren möchte. Doch es gibt eine Chance, den übermächtigen Killer-Cyborg AMELIA zu stoppen: M3GAN, die noch immer als Back-Up auf der Festplatte existiert, bietet Gemma ihre Hilfe an. Doch dafür benötigt sie einen neuen, verbesserten Körper. Ob das eine gute Idee ist?
M3GAN traf mit seinem TikTok-Tanz und der eher jugendfreien Killer-Roboter-Geschichte den Nerv der Teenager und funktionierte recht gut als Einstiegs-Horrorfilm. Es ehrt das Team rund um Regisseur Gerard Johnstone, dass man sich entschied, nicht einfach die gleiche Story nochmal zu verfilmen und einen anderen Weg zu gehen. Die Trailer machten mich neugierig, denn die Nummer sah nach einer abgefahrenen Hommage auf James Camerons Terminator 2 – Tag der Abrechnung aus. Und so wechselt die nun liebe M3GAN die Seite und kämpft jetzt für das Gute. Doch was bei Arnold Schwarzenegger ein brillanter Schachzug war, verkommt bei M3GAN 2.0 zu einer seltsam bunten Nummern-Revue, die zwar technisch top ausschaut und auch stetig Fahrt aufnimmt, trotzdem irgendwie seltsam spannungsarm erzählt wird. Da hilft weder der erhöhte Bodycount noch der Wechsel von Horror zu Comedy. Viel zu selten zünden die Gags und Sorge um die Hauptfiguren kommt eigentlich auch nie wirklich auf. M3GAN 2.0 ist ein eigenartiger Film, der mit seinen 2 Stunden Laufzeit zudem eindeutig zu lang wirkt. Schade, denn Potential war vorhanden und der ein oder andere Spruch der KI-Heldin regt zum Schmunzeln an.

Erfreulich ist, dass auch diesmal, wie schon beim Vorgänger, neben der Kinofassung noch die Unrated Fassung mit an Bord ist. Diese Version bietet deutlich mehr Bluteffekte und funktioniert etwas besser, doch auch hier bekommt das deutsche Publikum einen kleinen Dämpfer verpasst. Denn während beim ersten Teil noch beide Fassungen in Deutsch synchronisierter Version vorlagen, sparte man sich die Tonspurangleichung beim zweiten Teil und ließ die Synchronfassung bei der Unrated-Fassung einfach weg. Wie auch bei Night of the living Dead – Die Rückkehr der Untoten eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, die den Fans sauer aufstoßen wird, zumal nur wenige Dialogzeilen hinzugekommen sind. Des weiteren gibt es noch ein Making of und drei weitere Featurettes auf den physischen Datenträgern.
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