Rechtzeitig zur dunklen Jahreszeit kredenzt uns PARAMOUNT PICTURES ein Double-Feature mit Gänsehaut-Garantie. Eigentlich sollte im Oktober 2022 Slasher-King Michael Myers die Kinos dominieren. Es kam jedoch anders, denn ein kleiner, auf einem Kurzfilm basierender, Gruselstreifen sollte dem Kultfranchise den Rang ablaufen. Mit einem Lächeln schoss Smile – Siehst Du es auch? an die Spitze der Kino-Charts und soll gerüchtehalber mal wieder für Panikattacken beim zartbesaiteten Publikum geführt haben. Wie glaubwürdig diese Meldung von damals ist, verrate ich Euch in meiner Kritik zu diesem ersten Teil.

Originaltitel: Smile
Drehbuch & Regie: Parker Finn
Darsteller: Sosie Bacon, Jessie T. Usher, Kyle Gallner, Kal Penn, Caitlin Stasey
Artikel von Christian Jürs
Horrorfilme, denen ein gelungener, gruseliger Kurzfilm zugrunde liegt, enttäuschen oftmals in ihrer aufgeblähten Form. Lights Out war meiner Meinung nach so ein Fall, der in seiner Kurzfassung unfassbar creepy, in Langfilmform aber eher unfassbar öde daherkam. Die Laufzeit von stolzen 115 Minuten, mit der Smile – Siehst Du es auch? aufwartet, ließ bei mir Schlimmes befürchten. Umso überraschter war ich, dass der Schocker vom ersten Moment an wirklich unheimlich und (im positiven Sinne) unangenehm zu schauen ist.

In Laura Hasn´t Slept, dem Kurzfilm von Parker Finn, der vor den Ereignissen von Smile – Siehst Du es auch? spielt, macht die Titelfigur Bekanntschaft mit dem grausig lächelnden Bösen. Dort, wo dieser kleine Film endet, beginnt der Kinofilm. Zunächst lernen wir die neue Hauptfigur, Dr. Rose Cotter (Sosie Bacon), kennen. Sie ist angestellt in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses unter Oberarzt Dr. Morgan Desai (Kal Penn), wo sie außerordentlich gute Arbeit leistet. Immer wieder reißt die aufstrebende Ärztin Überstunden, um sich um ihre Patienten zu kümmern. Eines Tages, als sie mal wieder ihre Dienstzeit um Stunden überzogen hat und sich gerade auf den Heimweg begeben will, wird ein Notfall eingeliefert. Die scheinbar unter psychotischen Wahnvorstellungen leidende Laura Weaver (Caitlin Stasey in ihrer Rolle aus dem Kurzfilm) hat Panikattacken und behauptet, etwas Böses würde ihr auf Schritt und Tritt folgen. Doch es sei keine Person, sondern ein Wesen, welches die Gestalt ihr bekannter Menschen, egal ob lebendig oder tot, annehmen kann. Die Gestalten, die mit einem kalten, unheimlichen Lächeln im Gesicht auftauchen, welches einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt, seien Vorboten schrecklicher Ereignisse, so Laura. Direkt vor den Augen der jungen Ärztin bekommt die junge Patientin kurz darauf eine erneute Panikattacke und bringt sich, mit erwähntem, gruseligem Lächeln auf den Lippen und einer Porzellanscherbe in der Hand, um.
Ein traumatisches Ereignis für Rose, welches sie allerdings beiseitedrängt, bis – ja, bis plötzlich die Menschen um sie herum hier und da ebenfalls dieses böse Lächeln an den Tag bringen und kurz darauf immer wieder etwas Schreckliches passiert. Rose, die mittlerweile beurlaubt ist, findet weder bei ihrem Verlobten Trevor (Jessie T. Usher), noch ihrer Schwester Holly (Gillian Zinser) Rückhalt, als sie ihrem kleinen Neffen ein verpacktes Geburtstagsgeschenk überreicht, in dem der geschockte Junge die tote Katze seiner Tante aus dem Karton fischt. Der panische, verwirrte Eindruck, den die von einem bösen Fluch stammelnde Rose dabei an den Tag legt, ist ebenfalls wenig förderlich, um glaubwürdig zu erscheinen.

Auf sich allein gestellt, beginnt die langsam panisch werdende Rose, Ermittlungen anzustellen und findet ein Muster, welches sich immer wiederholt. So gibt es eine Ereigniskette, bei der die vom Fluch Heimgesuchten zunächst Zeuge des Selbstmords eines Infizierten wurden, ehe sie das gleiche Schicksal ereilte. Am Ende dieser Kette steht nun Rose, die sich aber keinesfalls kampflos aufgeben möchte. Stattdessen wendet sie sich an ihren Ex-Freund Joel (Kyle Gallner), einen Polizisten, der tatsächlich ein Ohr für seine Verflossene hat und herausfindet, dass es eine Ausnahme innerhalb der Opferkette gibt. Robert Talley (Rob Morgan), einst ebenfalls Opfer des Fluchs, ist weiterhin wohlauf, sitzt allerdings wegen Mordes im Gefängnis. Sofort stattet Rose dem Mann einen Besuch ab, doch sein Lösungsvorschlag behagt ihr gar nicht.
Man nehme eine Prise It Follows, füge etwas Candymans Fluch hinzu und rühre alles mit etwas The Ring ordentlich durch, schon hat man ein schmackhaftes Gericht namens Smile – Siehst Du es auch?. So in etwa könnte man den Überraschungshit umschreiben, würde ihm aber nicht gerecht werden. Denn auch, wenn die Story-Elemente nur allzu bekannt sind, vermag es Drehbuchautor und Regisseur Parker Finn doch, hier ordentlich frischen Wind ins Horrorgenre zu pusten. Mit durchdachter Kameraarbeit, einem durchdringenden Score des chilenischen Komponisten Juan Cristobal Tapia de Veer und einer großartigen, unverbrauchten Hauptdarstellerin, aber auch mit hohem Tempo und einigen gruseligen Plot-Twists, gelingt es dem jungen Filmemacher, sein Publikum gekonnt zu erschrecken. Smile – Siehst Du es auch? kommt so verstörend und unangenehm daher, wie es einem Mainstreamhorrorfilm überhaupt möglich ist. Da kann der olle Myers die Maske wieder einpacken.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray des Films im brandneuen Double-Feature vor, wobei es sich um ein Repack der Erstveröffentlichungen handelt. Bild- und Tonqualität sind natürlich top. Im Bonusbereich befindet sich ein Audiokommentar des Regisseurs, entfernte Szenen, ein Making of, eine Featurette zur Filmmusik und der Kurzfilm Laura hasn´t slept, den Ihr hier auch verlinkt finden könnt.
Gruselfans sollten unbedingt zugreifen bei diesem Double-Feature, zumal der zweite Teil noch stärker ist als sein Vorgänger (siehe Kritik).

Zur Kritik von Smile 2 – Siehst Du es auch?
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