Horrorfans leben derzeit in rosigen Zeiten. Regelmäßig starten im Moment neue Genrefilme, sowohl in den Kinos als auch im Heimkinobereich, egal ob physisch oder per Stream. Viele dieser Werke gehen dabei erstaunlich originelle Wege. INDEED FILM präsentiert uns jetzt einen argentinischen Schocker im Heimkino, der zuvor mit geringer Kopien-Anzahl in den Kinos lief und den vermutlich kaum jemand von Euch bislang auf dem Radar hatte. Die Tatsache, dass man auf den Mediabooks keine FSK-Freigabe findet, sondern das “leichte” Spio/JK-Zertifikat, lässt darauf schließen, dass Zartbesaitete dieses Werk allerdings besser meiden sollten. Doch was kann uns ein Film, in dem ein Dämon Besitz vom Körper eines Mannes einnimmt, eigentlich noch Neues bieten? Immerhin haben wir allein in den letzten Jahren wieder reihenweise Exorzisten in mittelmäßigen Horrorschinken ertragen müssen. Doch hier kann ich Entwarnung geben, denn When Evil Lurks geht ganz eigene, wesentlich originellere, Wege. Ein Schocker, der sich zu sichten lohnt. Warum, verrate ich in dieser Kritik.

Originaltitel: Cuando acecha la maldad
Drehbuch & Regie: Demián Rugna
Darsteller: Ezequiel Rodríguez, Demián Salomón, Silvina Sabater, Luis Ziembrowski
Artikel von Christian Jürs
Horrorfilme mit Besessenen haben Hochkonjunktur. Doch die Anzahl an Filmen, in denen pickelige Opfer grünen Schleim kotzen und mittels der “Kraft Jesu Christi” vom Bösen befreit werden, nimmt mittlerweile bizarre Auswüchse an. Schaut man sich allein die letzten Jahre an, wurden wir mit Titeln wie The Exorcism of God, The Pope´s Exorcist, The Devil´s Light, La Exorcista, The Exorcism und dem unsäglichen Der Exorzist: Bekenntnis geradezu zugeschissen. Letzterer sollte zu einer neuen Trilogie ausgebaut werden, doch das zahlende Publikum war anderer Meinung. Brauchen wir da wirklich mit When Evil Lurks noch einen weiteren Genrevertreter? Die Antwort lautet schlichtweg: Ja! Denn Drehbuchautor und Regisseur Demián Rugna, der bereits mit seinem Streifen Terrified den Kollegen Christopher Feldmann überzeugen konnte, geht dankenswerterweise auf eine andere, durchaus originelle, Art an das Thema heran.

Es ist Nacht als draußen im Wald Schüsse fallen. Die Brüder Pedro (Ezequiel Rodríguez) und Jaime (Demián Salomón), die die Geräusche wahrgenommen haben, machen sich am nächsten Morgen auf die Suche nach Spuren. Es dauert nicht lange und sie finden einen schrecklich verstümmelten Leichnam. Unweit entfernt entdecken sie eine heruntergekommene Hütte, in der die alte María Elena (Isabel Quinteros) mit ihren zwei Söhnen, Uriel (Pablo Galarza / Gonzalo Galarza) und Eduardo (Ricardo Velázquez) haust. Diese erwarteten den zerstückelt aufgefundenen Mann, der Uriel von seinem Leiden erlösen sollte. Denn María Elenas Sohn ist von einem grausamen Dämon besessen und siecht nun schmerzhaft vor sich hin. Doch umbringen ist keine Option, da der böse Geist in ihm damit nicht gebannt wäre, sondern sofort sein nächstes Opfer in seinen Bann ziehen würde, weshalb die Familie einen sogenannten “Reiniger” beauftragte. Doch der ist leider zu Hackfleisch verarbeitet worden.
Da man Uriel nicht einfach töten kann, beschließt der ansässige Bauer und Großgrundbesitzer Ruiz (Luis Ziembrowski), dass er, gemeinsam mit Pedro und Jaime, den dem Tode geweihten Uriel einfach wegschaffen müsse, damit sich andere mit dem Besessenen rumschlagen mögen. Gesagt, getan – und somit hieven die Männer den aufgedunsenen, eiternden Mann auf die Ladefläche eines Pick-ups und düsen davon. Doch leider geht Uriel unterwegs verloren, als er unbemerkt in einen Straßengraben fällt. Daraufhin verbreitet sich das Böse scheinbar unaufhaltsam in der Umgebung.

Regisseur und Autor Demián Rugna erspart uns Priester, die dem Dämon befehlen, im Namen Gottes den besessenen Körper zu verlassen. Die Kirche spielt in seiner Filmwelt keine Rolle, haben sich die Menschen dort doch von dieser losgesagt. Stattdessen geht er einen wesentlich originelleren Weg, in dem die Protagonisten den jeweils Besessenen nicht töten dürfen, da dieser ansonsten weiterwandert. Eine Prämisse, die entfernt an den Denzel Washington-Horror-Thriller Dämon, aber auch an das Dolph Lundgren-Splatterfest Demon Hunter (aka Don´t Kill It), erinnert. Im Tempo jedoch etwas entspannter und mit ziemlich fiesen, kleinen Gewalteinlagen und Überraschungen.
Bei den Gewalteinlagen werden ein paar Grenzen eingerissen, an die sich die meisten Filme halten. Ein Splatter-Schlachtfest ist der Film aber nicht geworden. Ezequiel Rodríguez glänzt als Pedro, der einen tragischen (Anti-)Helden verkörpert, der immer wieder versagt, was anfangs noch durchaus schwarzhumorig, später schockierend, daherkommt. Man leidet wunderbar mit diesem gut geschriebenen und gespielten Charakter mit. Gruselig ist das zwar nicht, aber mit sehenswerten, handgemachten Effekten versehen und auf der Zielgeraden auch noch überaus spannend. Vor allem aber ein Film, der mal wieder so richtig überrascht und auch, wenn ihn mit Sicherheit nicht jeder Zuschauer mögen wird, ist der Film einen Blick absolut wert.

Mir lag zur Rezension das Mediabook mit der Covervariante F vor, also mit 2 Blu-rays und einer DVD. Qualitativ gibt´s natürlich bei einem neueren Film nichts auszusetzen, auch die Synchronisation klingt hochwertig. Bereits auf der Hauptdisc ist neben dem Film einiges an Bonusmaterial zu entdecken. So gibt es dort ein paar Interviews, ein Musikvideo, eine Behind-the-Scenes-Featurette und Trailer. Die beiliegende Bonus-Scheibe ist dann nochmals prall gefüllt mit weiteren Extras, bestehend u.a. aus weiteren Interviews, der Sendung Kill Count by Deadmeat, Storyboards, Soundtack-Titeln u.v.m. Sehr lustig ist auch das kleine Feature The Coffee Table, dessen Inhalt hier aber nicht verraten wird. Im Mittelteil befindet sich zudem ein stabiles, 48-seitiges Booklet, gefüllt mit diversen Bildern, Storyboards, einem Interview mit Regisseur Demián Rugna und Infos zu Cast und Crew, verfasst von Thorsten Hanisch.
When Evil Lurks ist zwar kein Horror-Meilenstein geworden, dafür aber eine fiese Wundertüte aus dem Exorzisten-Horrorfilm-Bereich, der ausnahmsweise mal nicht auf gewohnten Pfaden trampelt. Die physische Veröffentlichung lässt keine Wünsche offen. Bitte mehr davon, Herr Rugna und Indeed Film.
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