Rio Reiser war der König von Deutschland, Jürgen Drews der König von Mallorca und James Cameron sogar der König der Welt. Doch kaum jemand erinnert sich an Frank White, den König von New York. Verkörpert wurde er kongenial von Christopher Walken, der wiederum unterstützt wurde von einem grandiosen Cast, der seine erfolgreichste Phase noch vor sich haben würde. Und so tummeln sich hier Mimen wie Laurence Fishburne, Wesley Snipes, Giancarlo Esposito, Steve Buscemi und David Caruso in den Nebenrollen. Kult-Regisseur Abel Ferrara (Die Frau mit der 45.er Magnum) führte damals Regie und befand sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seines Schaffens. PANDASTORM PICTURES spendierte dieser kleinen Gangsterfilm-Perle jetzt eine Veröffentlichung im Mediabook, die sich zu erwerben lohnt.

Regie: Abel Ferrara

Darsteller: Christopher Walken, Laurence Fishburne (als Larry Fishburne), David Caruso, Wesley Snipes, Victor Argo, Giancarlo Esposito, Steve Buscemi

Artikel von Christian Jürs

Die Älteren unter Euch werden sich erinnern, dass damals, zur VHS-Videothekenzeit, die FSK allergisch auf Schießereien mit platzenden Blutbeuteln reagierte und regelmäßig Schnittauflagen einforderte, um überhaupt eine Freigabe zu erteilen. Da grenzte es an ein Wunder, dass King of New York unzensiert mit FSK 18-Freigabe seinen Weg in die Kinos und Videotheken gefunden hatte, denn hier geht´s ordentlich zur Sache. Die folgende Indizierung war natürlich Ehrensache. Doch diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Heute ist King of New York vollkommen zurecht unzensiert mit 16er Freigabe erhältlich. Denn auch, wenn es hier blutigst zur Sache geht, selbstzweckhaft oder gar gewaltverherrlichend ist die Sache nicht, sondern abschreckend.

Die meisten Gangsterfilme starten mit dem Ein- und Aufstieg der Hauptfigur in der kriminellen Szene, ehe im letzten Akt alles den Bach heruntergeht. Hier liegt der Fall ein wenig anders. Frank White (Christopher Walken) befindet sich auf dem Zenit seines Gangster-Daseins. Der Film beginnt mit seiner Haftentlassung, die er mit seiner untergebenen Gang ausgiebig feiert. Dann aber ist es Zeit für die Arbeit und so schickt er seine Leute, angeführt von seinem besten Mann, dem hitzköpfigen Jimmy Jump (Laurence Fishburne), los, um mit der Konkurrenz aufzuräumen – ein für alle Mal.

Die Absichten Franks hinter den ganzen Gewaltverbrechen ist aber eine äußerst ehrbare. Er würde gerne das Bürgermeisteramt ausführen, um ein Kinderkrankenhaus vor der Schließung zu bewahren. Doch seine Methoden sind kalt und brutal. Dessen ist sich auch Detective Bishop (Victor Argo) bewusst, der verzweifelt mit seinen Kollegen (u.a. Wesley Snipes und David Caruso) versucht, Frank und seine Männer ins Gefängnis zurückzubringen. Doch immer, wenn sich ein Fahndungserfolg einstellt, kauft Frank seine Leute wieder aus dem Gefängnis frei. Die Polizisten sind außer sich und planen einen heimtückischen Hinterhalt, um Frank und seine Männer aus dem Weg zu schaffen.

Regisseur Abel Ferrara begann seine Karriere Anfang der Siebziger als hoffnungsvolles Talent im Independent-Bereich. Bis auf wenige Ausnahmen (u.a. Bodysnatchers – Die Körperfresser) blieb er seinem Kredo treu und verbog sich nicht für die großen Major-Studios. Doch auch wenn der gute Mann bis heute fleißig Filme inszeniert, seine beiden stärksten Werke bleiben für mich der 1992 erschienene Bad Lieutenant mit einem hervorragenden Harvey Keitel und dieses hier vorliegende Gangster-Drama. Die Atmosphäre, die Ferrara, gemeinsam mit seinem Kameramann Bojan Bezelli (The Ring) hier eingefangen hat, ist mal hypnotisch-melancholisch, dann wieder knüppelhart. Man kann sich gar nicht sattsehen an den wunderbaren Bildern.

Hinzu kommt ein geradezu visionärer Cast, der wenige Jahre später nicht mehr bezahlbar gewesen wäre in den Budgetkreisen, in denen sich ein Abel Ferrara bewegt. Neben Christopher Walken wissen hier vor allem Laurence Fishburne (der damals noch Larry hieß) als psychopathischer Killer und David Caruso als knallharter Cop zu überzeugen.

Auch das Mediabook aus dem Hause Pandastorm Pictures konnte mich restlos überzeugen. Die Bildqualität, vor allem auf der 4K-Scheibe, ist wunderbar auf den aktuellen Stand gebracht, der Ton (DTS-HD Audio Master 5.1) kracht ordentlich. Im Bonusbereich gibt es ebenfalls einiges zu entdecken. So gibt es zwei Audiokommentare (Abel Ferrara / Patrick Lohmeier von Bahnhofskino), neuere Interviews mit Abel Ferrara, Christopher Walken und Paul Calderon, eine Dokumentation über Abel Ferrara, die Featurette Das Heilige und das Profane in King of New York und diverse Trailer. Im Inneren gibt es natürlich auch ein 169-seitiges Booklet mit vielen Bildern, Infos und einem Interview.

King of New York dürfte vor allem Zuschauern gefallen, die Carlito´s Way seinem Vorgänger Scarface vorziehen. Ein toller, melancholischer Gangsterfilm, grandios fotografiert und perfekt besetzt.

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