Holy Shit! Der Film wurde schon 2021 gedreht und befand sich danach ganze vier Jahre im Nachdreh und in der Post-Production. Es gab scheinbar an Lim Dae-hees Regiedebüt viel zu Basteln, was erklären würde, warum es der erste und der letzte Film des Regisseurs wurde. Seit Holy Night: Demon Hunters ist Lim Dae-hee nicht mehr im Geschäft, Don Lee hingegen schon. CAPELIGHT PICTURES bringt diesen Dämonen-Klopper gar nicht erst als physisches Medium heraus, und dass, obwohl man heutzutage jeden Mist als Mediabook verpackt und für 35,– Euro mit vier Cover-Varianten der Melkkuh „Sammlermarkt“ zum Fraß vorwirft. Man verweigerte dem Film zwar eine Veröffentlichung auf einem physischen Datenträger, verpasste ihm jedoch eine anständige Synchronisation mit Don Lees vertrauter Sprecher-Stimme. Diese filmische Mentalprüfung erscheint jetzt per Video on Demand.

Originaltitel: Georokhan: Demun heonteoseu

Regie: Lim Dae-hee

Darsteller: Don Lee (Ma Dong-seok), Seo Hyun, Mitch Craig, David Lee, Jung Ji-so, Cha Woo-jin,  Kyung Soo-jin

Artikel von Kai Kinnert

Seoul wird von einem satanistischen Verbrechernetzwerk ins Chaos gestürzt, immer mehr Menschen werden von dunklen Mächten beherrscht. Als letzte Hoffnung wendet sich die Polizei an „Holy Night“, ein Trio von Dämonenjägern: Ba Woo (Don Lee), der Boss und ein Kämpfer mit übermenschlicher Stärke, die Exorzistin Sharon (Seo Hyun), die das Böse spüren und austreiben kann, und ihr junger Assistent Kim-kun (David Lee). Doch ihr Einsatz erreicht eine neue Dimension, als die Psychiaterin Jung-won (Kyung Soo-jin) sie um Hilfe bittet: Ihre Schwester Eun-seo (Jung Ji-so) ist von einer entsetzlichen Macht besessen, die stärker ist als alles, was Holy Night je bekämpft hat. Zwischen der Rettung einer Seele und dem Schicksal der ganzen Stadt muss das Trio seine Grenzen weit überschreiten – oder Seoul endgültig der Herrschaft des Teufels überlassen.

Holy Night: Demon Hunters ist ein Film des Augenblicks. Man braucht ein paar Minuten, um das zu begreifen. Und solange man das nicht begreift, zweifelt man an sich selber: Ist der Film eine Fortsetzung? Habe ich was verpasst? Ergeben die Szenen wirklich Sinn? Gab es ein Drehbuch? Und dann schnallt man: Hier passt nichts zusammen, hier ergibt keine Szene einen tieferen Sinn, hier ist alles dem Moment geschuldet und der Web Toon-Oberfläche, von der sich der Film wohl ableitet. Es gibt scheinbar ein Web Toon zur Holy Night-Crew, was irgendwie nach einer Entschuldigung klingt, und zu einem Drehbuch führte, dass man auch als Vorlage für ein Handyspiel nehmen könnte. Don Lee ist der prügelnde Berserker, Seo Hyun die Magierin und David Lee der mit den Gadgets, ansonsten gibt es irgendwelches Beschwörungsgefasel in Dauerschleife („Widerlicher Dämon – nenne mir deinen Namen! wird schonmal minutenlang als einzige Dialogzeile wiederholt), etwas Dämonen-Gerülpse und ein paar sinistre Gesellen, die von Don Lee fett aufs Maul kriegen. Seoul wird von einem Satanisten Netzwerk ins Verderben gestürzt, was jetzt sehr groß klingt, aber irgendwie nur zu Anfang klein in Form von Handyvideos und kurzen Nachrichtenschnipseln gezeigt wird. Danach verlagert sich die Handlung fast komplett in ein großes Haus, wo man dann reichlich Gelegenheit für das Anschreien (Exorzismus) von Dämonen bekommt und Don Lee den Rest der Gurkentruppe in die Kulisse hämmern darf. Das spult der Film dann auch einigermaßen unoriginell und stets nach dem gleichen Schema ab. Die Schwester der Psychiaterin ist von einem Hauptdämon besessen und man verbringt nun gut 60 Minuten damit, den Hauptdämon durch Anschreien auszutreiben und immer wieder auf seine billigen Tricks hereinzufallen, was Don Lee dann Gelegenheit gibt, dämonische Stuntmen zu verprügeln. Wahrscheinlich sind es auch die immer gleichen 12 Leute, die da in verschiedenen Kostümen den schwarzen Dämonenpups aus der Rummsbirne gehämmert bekommen.

Das Gekloppe von Don Lee ist dann auch der technische und dynamische Höhepunkt des Films, wobei die Nummer mit anderen Filmen auswechselbar ist. Don Lee hämmert in jedem seiner Filme die Leute auf die mehr oder weniger gleiche Art und Weise in die Kulisse, nur marginal durch die Kameraarbeit variiert. Da aber in seinen anderen Filmen das Drumherum deutlich durchdachter, charmanter und origineller als in Holy Night: Demon Hunters ist, macht die ewige Wiederholung des Prügelns einfach mehr Spaß. Und seine One-Liner sind in den Roundup-Filmen einfach besser. Obwohl Don Lee bei Holy Night: Demon Hunters selber produzierte und an der Story mitschrieb (kaum vorstellbar), verpasste er es, seiner Figur Witz, Dynamik und Dialog ins Drehbuch zu schreiben. Womöglich gab es da schon tiefe Schwierigkeiten mit Regie und Produktion, die einfach nicht das Budget für das Vorhaben hatte und scheinbar irgendwie von kreativen Diskrepanzen gezeichnet war.

In Holy Night: Demon Hunters funktioniert einzig und allein das Gekloppe von Don Lee. Wie immer gibt es einen Raum, den er betritt, oder einen Gang, durch den er sich prügeln muss, flankiert von einem kleinen Spruch auf den Lippen. Das hat man zwar alles schon in sämtlichen Don-Lee-Filmen ein Dutzend Mal gesehen, unterhält aber stets aufs Neue. Und es gibt hier den richtigen Mörder-Punch, ein Element, dass Don Lee später mit in die Roundup-Filme übernahm: den finalen Punch, der den Gegner 15 Meter weit fliegen lässt und im Boden versenkt. Der Rest des Films ist tatsächlich ein hanebüchener Unsinn, der aus enervierendem Exorzismus und schwachsinnigen Dialogen besteht. Am Ende war ich froh, dass der Quatsch endlich durch war. Folglich ist die Erkenntnis des Abends: Don Lees Anwesenheit allein rettet keinen Film. Schade, ich hatte es so gehofft.

Das Bild des gesichteten Streams war sauber, satt und klar, der Ton gut. Die Synchronisation ist ebenfalls hochwertig.

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