Manchmal muss man sich wirklich an den Kopf fassen und fragen, wer hier wohl mal wieder für die deutsche Titelgebung verantwortlich war. Denn bei dieser eher unbekannten Krimi-Komödie handelt es sich um die Verfilmung des immer noch populären Brettspiels Clue, welches hierzulande unter dem Namen Cluedo über die Ladentheke geht. Der Fairness halber sollte man aber erwähnen, dass das Kombinations-Spiel in Deutschland zunächst unter dem Titel „Wer ist Meisterdetektiv?“ vermarktet wurde, was keinen tollen Filmtitel hergegeben hätte. PARAMOUNT PICTURES spendierte uns vor wenigen Wochen nun eine limitierte Steelbook-Edition mit 4K UHD-Scheibe darin, die mittlerweile fast vollständig vergriffen ist. Deshalb hier in aller Eile schnell noch meine nachgeschobene Rezension, die Euch bei der eventuellen Kaufentscheidung dieser wilden Agatha Christie-Parodie behilflich sein könnte.

Originaltitel: Clue
Regie: Jonathan Lynn
Darsteller: Tim Curry, Leslie Ann Warren, Christopher Lloyd, Madeline Kahn, Michael McKean, Martin Mull
Artikel von Christian Jürs
Seit meiner Kindheit bin ich Fan klassischer Whodunit-Verfilmungen. Damals, in den Achtzigern, liefen sowohl die alten Miss Marple-Verfilmungen mit Margaret Rutherford, als auch die hierzulande populäre Edgar Wallace-Reihe rauf und runter im Fernsehen. Perfekte, leicht gruselige Unterhaltung zum Mitraten. Besonders angetan hatte es mir aber die von Neil Simon inszenierte Krimi-Parodie Eine Leiche zum Dessert, in der die damals bekannten TV- und Kino-Kriminologen ordentlich durch den Kakao gezogen wurden, während der Film trotzdem eine gewisse Gruselatmosphäre versprühte. Alle Mörder sind schon da geht einen ähnlichen Weg, kann dem Klassiker, sowohl in Sachen Witz, Spannung und Besetzung aber nicht ganz das Wasser reichen. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn auch mit Stars wie Tim Curry, Christopher Lloyd und Madeline Kahn hatte ich hier durchaus Spaß.

Neuengland im Jahr 1954. Der quirlige Butler Wadsworth (Tim Curry) trifft an seinem Arbeitsplatz, einem alten Landhaus in einsamer Umgebung, abends ein. Umgehend instruiert er das Hausmädchen Yvette (Colleen Camp) und die resolute Köchin (Kellye Nakahara) über ihre Aufgaben, da treffen auch schon die ersten Gäste ein. Es sind genau sechs an der Zahl, die allesamt die Instruktion erhalten haben, ihre wahre Identität zu verbergen und stattdessen unter dem in ihrer Einladung genannten Pseudonym aufzutreten. Und so lernen sich vor Ort die vermeintlichen Mrs. Peacock (Eileen Brennan), Professor Plum (Christopher Lloyd), Mrs. White (Madeline Kahn), Mr. Green (Michael McKean), Miss Scarlett (Lesley Ann Warren) und Colonel Mustard (Martin Mull) kennen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.
Doch dem ist mitnichten so, wie sich beim Eintreffen des Gastgebers Mr. Boddy (Lee Ving) herausstellt. Der ist nämlich ein windiger Hund, der die wahre Identität aller anwesenden Gäste genauestens kennt und jeden von ihnen aus unterschiedlichsten Gründen erpresst. Kaum ist dieses Tatmotiv ausgesprochen, fällt auch schon kurz das Licht aus und Mr. Boddy liegt tot am Boden. Zweifelsohne war einer der anwesenden Gäste der Mörder oder halt die Mörderin. Während sich verständlicherweise alle Personen gegenseitig verdächtigen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als gemeinsam nach Hinweisen zu suchen, wer hinter der Bluttat stecken könnte. Doch es soll nicht bei einem Toten bleiben…

Rohrzange, Strick, Bleirohr, Pistole, Dolch oder Kerzenleuchter, das ist, neben dem Ort des Verbrechens und dem Täter im Spiel Cluedo stets die Frage. Hier tauchen sämtliche Räumlichkeiten, Figuren und auch Tatwaffen in Erscheinung, die wir aus dem Spiele-Klassiker kennen, was zu diversen Aha-Erlebnissen führt. Viel Zeit zum Nachdenken, wer denn nun die Tat(en) begangen hat, bleibt dem Zuschauer aber nicht. Mit einem hohen Erzähltempo und gut aufgelegten Stars vergeht die Laufzeit wie im Fluge. Hier weiß vor allem der erstaunlich quirlige Tim Curry zu begeistern, aber natürlich sind auch Christopher Lloyd, Michael McKean und Leslie Ann Warren in ihrem Element.
Die auf der 4K-Disc aufgespielte Filmfassung entspricht der alten Videofassung, welche sich in einem entscheidenden Element gegenüber der Kinofassung unterscheidet. In den Lichtspielhäusern lief der Film nämlich in drei unterschiedlichen Versionen, die gegen Ende jeweils eine komplett andere Auflösung boten. Ein geniales Gimmick, welches Alle Mörder sind schon da aber trotzdem nicht zum Erfolg verholfen hatte. Auf Video erschien dann eine Version, die gleich alle drei Endvarianten vereint. Diese Fassung ist nun auch auf der vorliegenden 4K-Scheibe aufgespielt, während man auf DVD damals noch gefragt wurde, ob man sich für die Video- oder die Kinofassung mit zufällig gewähltem Ende anschauen möchte. Schade, dass diese Option nun weggefallen ist.

Die Bildqualitätvon Alle Mörder sind schon da ist ordentlich ausgefallen, der Ton in Dolby Digital 2.0 Mono reißt aber keine Bäume aus. Leider ist auch keinerlei Bonusmaterial vorhanden. Was bleibt, ist ein Film, der Fans altmodischer Krimis durchaus solide unterhalten dürfte, dessen besonderes Gimmick hier aber unter den Tisch fällt.
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