Ihr habt Bock auf einen splatterigen Zombiefilm aber Eure Freundin möchte lieber eine Romantic Comedy in den Player legen? Da muss keiner von Euch verzichten, denn wie wir seit der Romanze von Lionel und Paquita wissen, passen beide Genre bestens zusammen. Mit Zombie City: Eine Stadt zum Anbeißen, wie der Zweit-Titel von Boy eats Girl lautet, haben wir hier einen irischen Vertreter dieses Genre-Mashups vorliegen, der mittlerweile zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. LUCKY 7 spendierte dem kleinen Filmchen zum Jubiläum eine Scanavo-Box mit Schuber, Poster und Bierdeckel. Na denn, Prost!

Alternativtitel: Zombie City: Eine Stadt zum Anbeißen
Regie: Stephen Bradley
Darsteller: David Leon, Samantha Mumba, Tadhg Murphy, Mark Huberman, Laurence Kinlan
Artikel von Christian Jürs
Zombies und lustig? Damit hätte der gute, alte George A. Romero damals, als er die Welt mit Die Nacht der lebenden Toten in Angst und Schrecken versetzte, sicher nicht gerechnet. Die deutschen Zensoren, denen sein Nachfolgewerk Zombie – Dawn of the Dead ähnlich sauer aufstieß wie die darauffolgenden Werke eines Lucio Fulci, Andrea Bianchi oder Umberto Lenzi, saß der Schrecken gar so tief, dass sie bis in die Neunziger hinein jeden noch so harmlosen Streifen über die schlurfenden Untoten kürzten und hinterher trotzdem noch indizierten oder gleich ganz verbannten. Selbst harmlosere Comedy-Varianten, wie Return of the living Dead, Die Nacht der Creeps oder Braindead, der zwar zu den blutigsten, aber auch comichaftesten Genre-Vertretern zählt; sie alle blieben damals nicht von den schnittwütigen Filmhassern verschont.

Mit Einzug des neuen Jahrtausends änderte sich die Situation. Filme wie 28 Days later oder Zach Snyders Dawn of the Dead-Remake passierten unzensiert die Zensurbehörden und verwandelten die fleischgierigen Untoten spätestens mit dem Start der Erfolgsserie The Walking Dead in Mainstream-Monster. Fortan häuften sich auch die komödiantischen Auswürfe im Zombiefilm-Genre. Filme wie Zombieland, Shaun of the Dead oder Warm Bodies, der es sogar schaffte, eine FSK 12-Freigabe zu erhalten, eroberten die Kinoleinwände. Ins Kino schaffte es Boy eats Girl hierzulande allerdings nicht, im Gegenteil, laut IMDb spielte die Zombie-RomCom nur lächerliche 130.000$ weltweit an der Kinokasse ein.
Im Zentrum der Handlung stehen die beiden besten Freunde Nathan (David Leon) und Jessica (Samantha Mumba), die gemeinsam durch Dick und Dünn gehen. Nur seine Liebe zu Jessica traute sich Nathan bislang nicht zu gestehen. Sehr zum Ärger seiner beiden Freunde Henry (Laurence Kinlan) und Diggs (Tadhg Murphy), die ihn darauf drängen, ihr endlich seine Gefühle zu gestehen. Also fasst sich Nathan ein Herz und verabredet sich mit seiner Herzdame, um endlich reinen Tisch zu machen. Ihr strenger Vater (Bryan Murphy) vereitelt jedoch den Plan, weshalb sie zu spät am vereinbarten Treffpunkt aufschlägt, den Nathan zu diesem Zeitpunkt längst verlassen hat. Auf dem Heimweg wird sie vom Schul-Casanova Kenneth (Connor Ryan) mit dem Wagen mitgenommen. Durch einen blöden Zufall sieht Nathan die beiden gemeinsam und es sieht für ihn so aus, als würde sie sich oral bei Kenneth für den Taxidienst bedanken (was natürlich nicht der Fall ist).

Daheim betrinkt sich der liebeskranke Teenager und denkt kurzzeitig über einen Suizid nach, weswegen er sich eine Schlinge um den Hals hängt. Gerade, als er sich wieder besinnt, öffnet seine Mutter (Deirdre O´Kane) die Tür und erhängt dadurch unbeabsichtigt ihren Sohn. Glück im Unglück: Die für die Kirche als Putzfrau tätige Frau entdeckte an ihren Arbeitsplatz kurz zuvor eine verborgene Grabkammer, in der ein Buch mit Voodoo-Verschwörungsformeln lag (wem passiert sowas nicht regelmäßig?). Darin ist beschrieben, wie man Tote aus dem Jenseits zurückholen kann. Umgehend vollzieht sie das Ritual, nicht ahnend, dass die Seiten im Buch unvollständig sind und es dadurch zu schrecklichen, untoten Nebenwirkungen kommt.
Am nächsten Morgen erwacht der etwas bleiche Nathan wie gewohnt, ohne sich an den schrecklichen Unfall zu erinnern. Einzig ein in ihm keimender Heißhunger macht ihm ein wenig zu schaffen, zumal seine übliche Nahrung ungewöhnlich sauer und unbekömmlich erscheint. Als ihn abends der eifersüchtige Schul-Bully Samson (Mark Huberman) angreift, da dessen Freundin Cheryl (Sara James) Nathan schöne Augen macht, beißt dieser dem Prügelknaben ein Stück aus der Wange heraus und verwandelt ihn damit in einen blutgierigen Zombie. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf und flugs sind weitere Schüler und Bewohner des Ortes infiziert. Nathan versucht derweil, gemeinsam mit Henry und Diggs, seine Herzensdame Jessica in Sicherheit zu bringen, der er mittlerweile sein Herz öffnete. Doch seine Mutation schreitet stetig voran und es steht zu befürchten, dass er zukünftig eher fremde Herzen öffnen möchte.

Dank seiner knappen Laufzeit von nur 80 Minuten wird Boy eats Girl nicht langweilig, auch wenn es bis zum Zombie-Ausbruch einige Zeit braucht. Tatsächlich ist die Laufzeit hier aber zu niedrig angesetzt, denn die Geschichte rund um das Beschwörungsbuch und das Widerbelebungsritual wird lediglich in wenigen Bildern angerissen und zu keinem Zeitpunkt dem Publikum erklärt. Da wir uns hier auch im Bereich Romantic Comedy bewegen, gibt es natürlich ein Heilmittel, welches allerdings auch recht unglaubwürdig aus dem Hut gezaubert wird. Negativ fällt ebenfalls die etwas grobschlächtige Inszenierung von Regisseur Stephen Bradley auf, die handwerklich eher mangelhaft ist. Glücklicherweise reißen es der sympathische Cast und die handgemachten, recht blutigen, Effekte wieder heraus. Boy eats Girl ist kein Film, der lange im Gedächtnis bleiben wird, aber ein durchaus kurzweiliger Zombie-Snack für zwischendurch.
Die Veröffentlichung aus dem Hause Lucky 7 ist gewohnt liebevoll geraten. Die Hülle wurde in einen stabilen Pappschuber gepackt, die obligatorischen Poster und Bierdeckel, die sich durch die Veröffentlichungen des Verleihers ziehen, fehlen natürlich nicht. Bild- und Tonqualität des ungekürzten Streifens sind ebenfalls gut, im Bonusbereich gibt es ein Making Of, Trailer, Interviews und eine Bildergalerie.
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