Als man 1975 Clint Eastwood den Erfolgsroman The Eiger Sanction als nächste Regiearbeit vorschlug, war der zwar vom Stoff nicht angetan, schlug aber zu, da dies die große Gelegenheit war, den Drei-Filme-Deal mit Universal Pictures abzuschließen und endgültig zu Warner Bros. zu wechseln. Universal hatte damals die schlechte Angewohnheit, Filme nicht gut genug zu vermarkten, was allerlei Unmut bei einigen Filmemachern auslöste. Den Plot von The Eiger Sanction empfand Eastwood zwar sehr dürftig und in den Figuren nur schwach ausgearbeitet, jedoch bot die Story eine stark visuelle Seite, die Eastwood reizte. Sein Ansatz war, die Bergsteiger-Szenen direkt vor Ort zu drehen, und nicht in der Studiokulisse, wie es damals üblich war – und heute wieder üblich ist. Eine Entscheidung, die für den Film genau die richtige war, denn so entstanden atemberaubende Szenen, die einem bis heute einen Schauer über den Rücken laufen lassen, wenn man denn unter Höhenangst leidet. Clint Eastwood nutzte die Produktion auch zum Vertiefen seiner Low-Key-Bildgestaltung, die später eines der großen visuellen Merkmale seiner Filme werden sollte (das Licht nur aus einer Richtung kommen zu lassen und den Rest im tiefen Schwarz halten) und die Arbeit mit einem kleinen Filmteam, was am Ende zu einer schnellen und flexiblen Produktion führte. „Dies ist vielleicht nicht mein bester Film“ meinte Eastwood in einer seiner Interviews schmunzelnd und spielte damit wohl auf die merkwürdig flach-zerfranste erste Hälfte an, die zwar fantastisch gefilmt wurde, allerdings Motivationen vermissen lässt und ein ganz merkwürdiges 1970er-Frauenbild aufgreift. Im Roman war das wohl vom Autoren ironisch und als Parodie auf James Bond verstanden worden, ein Umstand, den man für die Verfilmung nicht erkannte, da, so Eastwood, „wir keine Ironie ausmachen konnten und uns ganz auf den visuellen Stil konzentrierten.“. HANSESOUND im Vertrieb von LIGHTHOUSE FILM bringen den Klassiker nun im restaurierten Bild heraus.

Originaltitel: The Eiger Sanction

Regie: Clint Eastwood

Darsteller: Clint Eastwood, George Kennedy, Jack Cassidy Reine Schöne, Heidi Brühl, Vonetta McGee, Brenda Venus

Artikel von Kai Kinnert

Ein Auftragskiller (Clint Eastwood) mit einer Vorliebe für Kunstwerke wird von seinem alten Auftraggeber „Dragon“ noch einmal aus dem Ruhestand herausgelockt, um zwei Gangster zu töten. Er weiß jedoch nur vage, um wen es sich handelt. Nachdem er den ersten der beiden ausgeschaltet hat, führt ihn eine Spur in die Alpen, wo er sein zweites Ziel in einer Bergsteigerexpedition zur Eiger-Nordwand vermutet, die von einem alten Freund (George Kennedy) geleitet wird. Während er noch über die Identität seines Ziels grübelt, gerät die Expedition in schlechtes Wetter.

Eine Szene, die definitiv im Gedächtnis hängen bleibt, ist die Szene, in der Eastwood am Ende über den Abgrund baumelt, vor dem Rettungsschacht in 600 Meter Höhe. Man kletterte schon die ganze Zeit an der Eiger Nordwand herum, aber im dramatischen Finale geht für die Bergsteiger noch einmal einiges schief und Eastwood rutscht ab, bis es ihn am letzten Sicherungsseil über einen echten Abgrund baumeln lässt. Um es in den Rettungsschacht zu schaffen, muss Eastwood selber das tragende Seil durchschneiden – und das ohne Trick und doppelten Boden. Die Szene im Film ist ungestellt und war ein gewisses Wagnis, was Eastwood durchaus bewusst war. Im Buch Clint Eastwood – Interviews erzählt er kurz davon: „Wir haben das alles in 600 Meter Höhe über dem ersten Vorsprung gedreht und hatten an der Wand nur eine Leiter für den Abstieg montiert. Ich hing am Seil über den Abgrund und musste mich losschneiden. Das war psychisch extrem belastend. Es widerspricht einfach der eigenen Natur. Dann habe ich es gemacht und in den folgenden drei Tagen habe ich nur vor mich hingestarrt und kaum etwas gesagt.

Es sind dann auch die Bergsteiger-Szenen, die diesen Film zu einem zeitlosen Event machen. Allein die Besteigung des Kamins in Arizona, der Kletterschule, ist schon eine Augenweide auf der Leinwand. Wie George Kennedy und Clint Eastwood sich ganz oben auf die Haarnadel breite Kamin-Spitze setzen, ist schon beeindruckend. Obwohl ich als Zuschauer auf dem Sofa in dieser Szene eigentlich keiner Gefahr ausgesetzt bin, rebelliert es in meinem Körper. Die Höhenangst wabert kalt kriechend durch die Zellen und lässt mich schauern. Erst recht an der Eiger Nordwand. Die Schauspieler sind offensichtlich in echter Höhe unterwegs und klabaustern sich da was mit Steigeisen, Steinschlag und Karabinerhaken zurecht, dass ich kaum hinsehen kann. Stets ist die Tiefe spürbar, stets hängt der Zuschauer mit am Berg und bewundert die Schauspieler, die sich da alle als Nicht-Kletterprofis in reale Gefahr begeben. Wäre ich George Kennedy und müsste im Bergsteiger-Training mit Eastwood auf dieser 1 Meter 50 breiten Bergspitze in 200 Meter Höhe sitzen, ungeschützt im böigen Wind, ich würde mich schreiend und kotzend an Eastwood klammern und um den Hubschrauber betteln, der mich bitte in mein 5-Sterne-Hotel zurückbringt.

Es sind dann auch die Bergsteiger-Szenen und das Training mit George Kennedy (gerade das Lauftraining mit Eastwoods indigenen Spieß) die für große Spannung sorgen und einen enormen Unterhaltungswert haben, der Rest der Story ist eher fragwürdiger Natur und kommt auch nicht so recht in Schwung. Dafür ist die Kameraarbeit großartig und auch die Filmmusik von John Williams passt geschmeidig zur Spionage-Atmosphäre des Films. Die Musik war für den Oscar nominiert, wobei Williams auch mit seiner Musik für Jaws im Rennen war und dort den Zuschlag bekam. „Williams bekam für Jaws den Oscar, weil es eben der Film des Jahres war. Dabei war unser Score wahrscheinlich der bessere.“ kommentierte Eastwood in Interviews.

The Eiger Sanction – Im Auftrag des Drachen ist ein Film der zwei Hälften. Es beginnt strange und irgendwie ungewöhnlich, was noch durch die Tageslicht-Krankheit des Albino-Bosses Dragon unterstrichen wird, der blind und hellhäutig in knackig-additiver Lichtmischung die seltsamste Szene in diesem Film abliefert, flankiert vom allgemeinen Sexismus und Arsch-Geklopfe in den anderen Szenen. Doch dann kommt George Kennedy ins Spiel und der Film findet, dank des Bergsteiger-Trainings, zu seiner eigentlichen Form. Das Training in Form von schweren Geländeläufen und atemberaubenden Kletteraufnahmen an der steilen Wand des Übungsberges sind überzeugendes Cinemascope-Kino, das vom Dreh an den Originalschauplätzen enorm profitiert. Und wenn es später in die Eiger-Nordwand geht, vergisst man glatt, warum Eastwood da eigentlich in der Wand hängt, dann vergisst man die komplette Handlung und fiebert gespannt dem beschwerlichen Aufstieg mit, eben weil das alles ungestellt und authentisch ist. Wer unter Höhenangst leidet und die auch bei Filmen spürt, die in großer Höhe spielen, wird hier seinen wohligen Schauer erleben. Als Agententhriller taugt The Eiger Sanction – Im Auftrag des Drachen nicht so viel, wohl aber als Bergsteigerfilm und als stimmungsvolle und hervorragend gefilmte Eastwood-Grußkarte der 1970er, eingebettet in eine zusammenhangslose Agentengeschichte mit großartigem Score. Der Eastwood-Fan wird, auch dank des guten, klaren Bildes, hier seine ungebremste Freude haben. Alle anderen bekommen einen der wenigen spannenden Bergsteigerfilme zu sehen, die auch wirklich mit Bergsteigen on Location zu tun haben.

Das restaurierte Bild der gesichteten Blu-ray ist klar und gut, der Ton ebenso. Extras gibt es keine, dem Mediabook liegt aber ein 24seitiges Booklet mit interessanten Informationen zum Film bei.

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