Muskelmann Dave Bautista kündigte nach seinem Ausstieg aus dem MCU an, fortan seinen Fokus auf anspruchsvolle Rollen zu legen, um als Schauspieler wahrgenommen zu werden. Mit seinem Auftritt im Drama The Last Showgirl neben Pamela Anderson war dann auch ein erster Schritt in die richtige Richtung vollbracht. Doch das Action- und Science-Fiction-Genre lässt ihn scheinbar immer noch nicht so recht los. Und so konnte man den Hünen vor wenigen Monaten in der Paul W.S. Anderson-Gurke In the Lost Lands an der Seite von Stoneface Milla Jovovich sehen. Im Falle von Afterburn, den LEONINE STUDIOS nach kurzem Kinoeinsatz jetzt im Heimkino veröffentlicht, stehen ihm Olga Kurylenko und Samuel L. Jackson zur Seite. Das klingt doch erstmal vielversprechend – oder eher doch nicht?

Regie: J.J. Perry

Darsteller: Dave Bautista, Olga Kurylenko, Samuel L. Jackson, Daniel Bernhardt, Kristofer Hivju

Artikel von Christian Jürs

Die Bedingungen für einen gelungenen Endzeit-Actionfilm hat Afterburn allesamt im Gepäck. 60 Millionen-Dollar-Budget und besetzt mit den Action-erfahrenen Schauspielern Dave Bautista, Olga Kurylenko, Samuel L. Jackson und Daniel Bernhardt, was kann da schon schiefgehen? Besonders Daniel Bernhardt weckte hohe Erwartungen in mir, denn bis heute ist der Star aus Bloodsport 2 – 4 immer wieder als Stuntman oder Nebendarsteller in Actionbomben wie Atomic Blonde, den John Wick-Filmen oder Nobody und dessen Fortsetzung zu sehen. Also, Daniel, Dave, Olga und Samuel – lasst es mal ordentlich krachen.

Afterburn macht in den ersten Filmminuten bereits keine Gefangenen. Anstatt uns lange die vermutlich kostspielige Endzeit-Prämisse, hervorgerufen durch eine gewaltige Sonneneruption, zu zeigen, fasst Hauptfigur Jake (Dave Bautista) uns in nur wenigen Sekunden die komplette Ausgangslage der folgenden 105 Minuten kompakt zusammen. Das klingt dann ungefähr so: Einst war Jake ein erfolgreicher Archäologe, Soldat und überhaupt der größte Profi in allem, dann aber hat die Katastrophe den Großteil der Erde zerstört. Jetzt sieht dort alles aus wie in Albert Puyns Slinger (the movie, formally known as Cyborg), nur ohne den am Kreuz hängenden Jean-Claude Van Damme. Den braucht es ja auch nicht, denn in der Welt von Afterburn, die durchgehend ausschaut, als bestünde sie ausschließlich aus verlassenen Fabrikgeländen und Hinterhöfen, ist Jake der beste Mann für die schmutzigsten Aufträge.

Davon hat auch der neue, selbsternannte, König August von England (Samuel L. Jackson) Kenntnis, der es sich offenbar zur Aufgabe gemacht hat, Kunst und Kultur für die Nachwelt zu erhalten. Und so schickt er Jake auf eine Himmelfahrts-Aktion ins zerstörte Frankreich, wo sich noch immer die Mona Lisa in einem geheimen Tresor versteckt befinden soll. Zwar hat Jake eigentlich eine Auszeit nehmen wollen, doch August verspricht dem Abenteurer, dass er ihm mit Erfüllung der Aufgabe seinen Lebenstraum erfüllen würde: Eine Segelyacht, mit der Jake in den Sonnenuntergang schippern und den ganzen Dreck hinter sich lassen kann. Achtung, Spoiler: Diese bekommen wir später übrigens zu einem späteren Zeitpunkt zu Gesicht. Ein Moment, der ausschaut wie eine handelsübliche Becks-Werbung, inklusive Flaschenbier mit Etikett, welches in der Apokalypse entweder schal ist (sechs Jahre sind seit der Katastrophe vergangen) oder immer noch sorgsam nach Reinheitsgebot hergestellt wird. Ein wenig Ordnung in der anarchischen Endzeit muss halt sein.

Vor Ort soll Jake ein Freiheitskämpfer als Kontakt behilflich sein, der/die sich als Drea (Olga Kurylenko) entpuppt, die mit Langhaar-Perücke und Rambo-Stirnband ausschaut, als käme sie direkt aus einem italienischen Endzeitfilm von Enzo G. Castellari. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg zum verschollenen Kunstwerk, der allerdings gespickt von Gefahren und Fallen ist, da ein fieser Warlord (Kristofer Hivju) ebenfalls Interesse an der Mona Lisa bekundet hat. Mit diesem ist nicht gut Kirschen essen, ermordet er doch zur privaten Belustigung Gefangene, die ihm im Schachspiel unterlegen sind. Doch auch seine eigenen Leute sind vor seiner Strenge nicht sicher, erschießt er doch jeden, der es wagt, zu versagen oder gar Widerworte zu geben. Da wäre ein Betriebsrat wohl mal angebracht im Hause Warlord GmbH, um die Rechte der Untergebenen zu wahren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt für Drea und Jake.

Die Pressemitteilung dieser Comicverfilmung versprach „Packende, wendungsreiche Action mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und einer hochkarätigen Besetzung“ – doch leider hat sich Regisseur J.J. Perry (Dayshift / The Killer´s Game) gründlich überschätzt. Die „ordentliche Portion Selbstironie“ entpuppt sich als Ansammlung schwacher, 08/15-One-Liner und klischeegetränkter Charaktere, die in abgewrackten Hinterhöfen ein paar müde Action-Nummern und Witzchen abziehen, von denen der Großteil unfreiwillig komisch wirkt. Dave Bautista und Olga Kurylenko spielen lustlos ihre Parts herunter und Samuel L. Jackson macht für den Paycheck mittlerweile sowieso alles. Ganz furchtbar peinlich sind auch die Bösewichter, insbesondere Warlord Kristofer Hivju, der so bedrohlich wirkt wie Hägar der Schreckliche (und tatsächlich auch ein wenig so ausschaut).

Wer wenigstens auf gut choreographierte Hand-to-Hand-Combats hofft, dem kann ich ebenfalls den Wind aus den Segeln nehmen. So werden an einer Stelle beispielsweise ein gutes Dutzend Parkour-Künstler auf unsere Hauptfiguren gehetzt, die sich mit Saltis und anderen gewagten Sprüngen auf unsere Helden zubewegen. Doch statt einer darauf eine ausufernde Martial Arts Nummer folgen zu lassen, werden alle bei Eintreffen durch eine schlechte CGI-Explosion dahingerafft. Ein Dave Bautista ist zwar stark, aber nicht sonderlich agil. Auch der eingangs erwähnte Daniel Bernhardt, der als fieser Handlanger des Warlords fungiert, darf außer böse dreinblicken so gar nichts machen. Im Finale hebt er kurz das Bein für zwei Tritte, ehe der Kampf gegen Stiernacken Dave Bautista, der körperlich in dieser Szene einfach mal nichts macht, nach nur wenigen Sekunden auch schon wieder vorbei ist. Da fragt man sich, ob Regisseur und Stuntman J.J. Perry sein Handwerk verlernt hat und wie dieses, leider strunzdumme, Drehbuch überhaupt durchgewunken werden konnte. Hat da wirklich jemand gemeint, dass liest sich wie ein Hit, da hauen wir mal 60 Mille für raus?

Wäre das Action-Gülle-Studio der Cannon Group nicht Ende der Achtziger nach zahlreichen Flops untergegangen, Afterburn wäre dort mit Sicherheit genauso von Menahem Golan und Yoram Globus produziert worden, wie er jetzt im Kino aufschlägt. Superman IV – Die Welt am Abgrund und Quatermain II – Auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt haben ernsthafte Konkurrenz bekommen. Das muss man auch erstmal schaffen. Im Kino hatte Afterburn, der weltweit lediglich 1,3 Millionen Dollar wieder einspielte und damit ein fulminanter Flop wurde, absolut nichts verloren. Auf dem Heimkinomarkt wird der Film zwar vermutlich sein Publikum finden, doch auch hier werden viele von Euch eine herbe Enttäuschung verspüren.

Mir lag zur Rezension von Afterburn die DVD in Rohlingform vor. Im Bonusbereich gibt es Interviews mit Cast & Crew, eine kleine Featurette zum Dreh und Trailer.

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