GEHEIMTIPP! Dieser spannende Cop-Thriller, basierend auf wahren Begebenheiten, lief weltweit damals unter dem Radar und floppte gnadenlos an der Kinokasse. Auf Video einst abgedunkelt und später lieblos auf DVD verramscht, hat sich PLAION PICTURES jetzt ein Herz gefasst und den von Regie-Legende John Frankenheimer inszenierten und mit Don Johnson treffend besetzten, Streifen um die Jagd nach mörderischen Neonazis endlich physisch ins HD-Zeitalter gerettet. Warum ich den Film Oldschool-Actionfans uneingeschränkt empfehlen kann, erkläre ich in meiner Rezension.

Originaltitel: Dead Bang

Regie: John Frankenheimer

Darsteller: Don Johnson, William Forsythe, Penelope Ann Miller, Frank Military, Bob Balaban, Mickey Jones

Artikel von Christian Jürs

Stehenbleiben, Miami Vice!“ – Ich war noch nicht ganz Teenager, als Michael Manns Kultserie im ARD startete und war sofort Schock-verliebt in diese ungewohnt aufwändig produzierte, relativ harte Action-Krimi-Serie mit Don Johnson und Philip Michael Thomas in den Hauptrollen. Während Letzterer nach Abschluss der Erfolgsserie sein Glück an der Seite des in die Jahre gekommenen Bud Spencer in der Serie Zwei Supertypen in Miami suchte, war Johnson bereits zur aktiven Miami Vice-Zeit nicht untätig und arbeitete sowohl an seiner Musiker-, als auch an seiner Kino-Karriere. Während er musikalische Erfolge (Heartbeat, Tell it like it is) feiern konnte, lief es an der Kinokasse alles andere als rund für den Hollywood-Star. Sowohl Sweethearts Dance – Liebe ist mehr als ein Wort, als auch Harley Davidson and the Marlboro Man, The Hot Spot – Spiel mit dem Feuer und alle anderen Versuche, im Kino anzukommen, entpuppten sich als Kassengift. Erst 1996 konnte er mit der TV-Serie Nash Bridges wieder einen Heimkino-Hit landen. Leider spielte auch Dead Bang – Kurzer Prozess nur 8 Millionen Dollar weltweit ein – bei einem Budget von 14 Millionen Dollar.

Darin verkörpert er Jerry Beck, einen Los Angeles Cop von der Mordkommission, der mit allerlei privaten Problemen wie unbezahlten Rechnungen und einer Unterlassungsklage seiner Ex-Frau, die ihm den Kontakt zu seinen Kindern verwehrt, zu kämpfen hat. Auch sein massiver Alkoholkonsum macht sich nicht gut in seinem Lebenslauf und die Beschwerden über sein aggressives Verhalten mehren sich zudem auch noch. Als in der Nacht zu Heiligabend zunächst ein Drugstore-Besitzer (Tiger Haynes) und kurz darauf ein Streifenpolizist (Mic Rodgers) kaltblütig erschossen werden, führt Beck die Spur zu dem kriminellen Neonazi Robert ´Bobby´ Burns (Frank Military), dem er quer durch die Staaten bis nach Oklahoma folgt, wo er einer großen, rechtsradikalen Organisation auf die Schliche kommt.

John Frankenheimer besann sich bei Dead Bang – Kurzer Prozess auf die Zutaten des guten, alten Copthrillers. Zwar stand ihm nur ein eher kleines Budget zur Verfügung, doch tut dies der Spannung und Action keinen Abbruch. Vor allem das bleihaltige Finale weiß zu gefallen. Doch die handwerklich tadellose Inszenierung, die an Frankenheimers Stil aus French Connection II erinnert und dabei stark an das New Hollywood-Kino erinnert, war anno 1989, dem Jahr von Lethal Weapon 2 – Brennpunkt L.A. und Zurück in die Zukunft 2, beim zahlenden Kinopublikum leider out.

Dabei spielt Johnson seinen Part, der an eine Mischung aus Sunny Crockett, Harry Callahan und Jack Cates (Nick Nolte in Nur 48 Stunden) erinnert, mit Bravour. Er ist cool, wenn er cool sein muss und bietet auch Komik (Stichwort: Kotzen), wenn es in die Handlung passt. Ihm zur Seite stellte man William Forsythe als schmierigen F.B.I. Agenten und Penelope Ann Miller (Carlito´s Way) als Love-Interest, die jedoch kaum Screentime spendiert bekam. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn Dead Bang – Kurzer Prozess bietet 102 Minuten, die wie im Flug vergehen und spektakulär enden.

Liebend gerne hätte ich den Film damals im Kino gesehen. Da Dead Bang – Kurzer Prozess bei uns aber nur eine Woche in den Kinos lief und ein Versuch meines damals fünfzehn-jährigen Ichs kläglich an der Kinokasse scheiterte, als nach meinem Ausweis gefragt wurde, musste ich bis zur VHS-Veröffentlichung aus dem Hause VCL abwarten. Das Videoband lief bei mir rauf und runter, war aber auch eine herbe Enttäuschung, da der Verleiher den Film in einer abgedunkelten Fassung veröffentlichte, welche die platzenden Blutbeutel im Finale, welches unter der Erde stattfindet, kaum sichtbar werden ließ. Im Jahr 2008 brachte Warner Home Video dann eine lieblos erstellte, aber immerhin deutlich hellere, DVD-Variante auf den Markt.

Plaion Pictures sorgte nun für ein Happy End für Filmsammler und spendierte Dead Bang – Kurzer Prozess jetzt ein Mediabook mit Blu-ray und DVD darin. Die Bildqualität ist Top und der Ton (Deutsch und Englisch in DTS-HD Master Audio 2.0 Stereo) ebenso. Im Bonusbereich gibt es aber lediglich Trailer und eine Bildergalerie, sowie das obligatorische Booklet zu bestaunen.

Holt Euch John Frankenheimers Cop-Thriller jetzt nach Hause. Für mich war von ihm lediglich Ronin – Jeder ist käuflich der bessere Film. Da hatte er aber auch deutlich mehr Budget zur Verfügung.

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