Fast 40 Jahre nach dem ersten “Rosenkrieg” bekämpfen sich erneut zwei Eheleute mit kreativen Gemeinheiten, diesmal unter dem Titel “Die Rosenschlacht”. Die von Searchlight Pictures produzierte, satirische Beziehungskomödie kann man jetzt im Vertrieb von LEONINE STUDIOS in verbessertem High Definition-Bild und Ton auf DVD oder Blu-Ray mit einigen Featurettes und Behind the Scenes -Material im Heimkino genießen – oder halt ohne Bonusmaterial per VoD. Ob “Die Rosenschlacht” dem “Rosenkrieg” das Wasser reichen kann?

Originaltitel: The Roses

Regie: Jay Roach

Darsteller: Benedict Cumberbatch, Olivia Colman, Kate McKinnon, Andy Samberg

Artikel von Anna Sola

Mit seinem Remake von Danny DeVitos Der Rosenkrieg hat Jay Roach (Austin Powers; Meine Braut, ihr Vater und ich) sich gehörig übernommen. Seine Version will nicht nur bissige Satire, sondern gleichzeitig auch noch familienfreundliche Dramedy und Culture-Clash-Comedy sein. Dabei nennt der Film wie das Original auch den Ursprungsroman von Warren Adler als Quelle – allerdings ist der Autor, der bei DeVitos Film noch am Drehbuch mitschrieb, mittlerweile verstorben. Übrig geblieben ist ein Film, der vielversprechend beginnt, sich dann aber in verschiedene Baustellen zerfasert. Schon der deutsche Titel scheint zu suggerieren, dass es zum “Krieg” nicht ganz gereicht hat. Schade eigentlich, denn die Besetzung kann sich sehen lassen.

Der Film beginnt mit einer Paartherapiesitzung, in der die Therapeutin Theo Rose (Benedict Cumberbatch) und Ivy Rose (Olivia Colman) nach einer Kaskade äußerst kreativer gegenseitiger Beleidigungen attestiert, dass es keine Hoffnung mehr für ihre Ehe gebe, was die beiden eher amüsiert. Sprung zurück auf den Tag, an dem der von seinen Kollegen genervte Architekt Theo sich in der Küche eines Restaurants verstecken will, wo er die ebenfalls von ihrem Chef frustrierte Köchin Ivy kennenlernt. Der Funke springt sofort über und die beiden beschließen, in Kalifornien einen Neustart zu wagen. Sprung 10 Jahre in die Zukunft: Theo ist ein erfolgreicher Architekt, ein von ihm entworfenes Museum in Mendocino steht kurz vor der Eröffnung. Nach 10 Jahren Hausfrauendasein hat Ivy mit Theos Unterstützung endlich ein eigenes Restaurant eröffnet. Die Familie wirkt glücklich; die Unterstützung, die sie einander im Alltag zusichern: vorbildlich. Dann aber zerstört ein und derselbe Sturm mit einem Schlag Theos Werk und seinen Ruf, während eine vor eben diesem Sturm Zuflucht suchende Restaurantkritikerin Ivys Karriere durchstarten lässt. Fortan bleibt der frustrierte Theo zuhause und schaut missgünstig zu, wie seine Frau immer erfolgreicher wird und (Überraschung!) sich keineswegs zurück an den heimischen Herd sehnt. Frustriert macht er sich daran, Ivys laxen Erziehungsstil zu diskreditieren und die Kinder mit harten Sporteinheiten zu disziplinieren, was zu einer Farce verkommt. Während Theo den Läusekamm schwingt, schlürft Ivy Champagner im Privatjet. Die beiden entfernen sich immer mehr voneinander, und die “Rosenschlacht” beginnt…

Bis hierher ist der Film noch sehr unterhaltsam, aber dann werden die Schwächen im Vergleich zum Original immer offensichtlicher. Benedict Cumberbatch und Olivia Colman bei ihren Wortgefechten zuzuhören, ist wirklich eine Freude. Leidenschaft oder gar Sexappeal versprühen die beiden aber höchstens noch in der Kennenlern-Szene, was leider dazu führt, dass sie auch beim Streiten nicht wirklich Leidenschaft zeigen – kein Vergleich zu Michael Douglas und Kathleen Turner! In diesem Film wird zwar ständig von heißem Sex geredet, den die Roses angeblich haben, gezeigt wird davon jedoch nichts, wohl auch, um ein jugendfreundliches FSK-Rating zu bekommen. Stattdessen erweitert Roach die Handlung um “Briten in den USA” Gags, die hier irgendwie nicht richtig zünden. Da hilft es auch nicht, dass die klischeehaft amerikanischen Freunde des Pärchens (Andy Samberg und Kate McKinnon) die Roses auf Schießbahnen einladen und ihnen eine Waffe schenken. Die beiden ehemaligen Saturday Night Live – Stars sollten wohl bei allen Streitigkeiten der Roses ein gewisses Maß von Comic Relief garantieren, bei dem vor allem Fans von etwas derberem Humor auf ihre Kosten kommen, das funktioniert allerdings nur bedingt. Noch schlimmer ist ein weiteres Pärchen, das im Verlauf der Dinner-Szene demonstriert, dass man nicht jeden Beziehungstrend ausprobieren sollte. Highlight der Nebendarsteller ist wie so oft Allison Janney, die als Anwältin einige schmutzige Tricks auf Lager hat.

Apropos Briten in den USA: (vermutlich) aus Kostengründen wurde der Film komplett in England gedreht, tut aber (vermutlich) aus Marketinggründen so, als würde er in den USA spielen. Weder ist dies relevant oder hilfreich für die Handlung (gerade in Hinblick auf die schon erwähnten überflüssigen Culture-Clash-Gags), noch ist es glaubhaft. Von den grausamen CGI-Effekten und Hintergründen, die einem den Blick aufs Meer an der kalifornischen Küste suggerieren sollen, bis hin zu den kleinen (und vor allem schmalen) englischen Landstraßen, die Theo mit seinem SUV entlangbraust: kein Mensch glaubt, dass die Familie sich tatsächlich in den USA aufhält. Wirklich charmant als Kulisse ist Ivys mit einem Augenzwinkern benanntes Restaurant “We’ve Got Crabs”, gedreht wurde in dem real existierenden Restaurant “The Winking Prawn” in Salcombe, Devon. Auch das Design von Theos Traumhaus macht viel her – mehr davon und weniger billige Spezialeffekte hätten dem Film gutgetan. Da hilft auch kein KI-Assistent namens HAL.

Der Begriff Rosenkrieg geht auf die Auseinandersetzungen der beiden rivalisierenden englischen Adelshäuser von York und Lancaster im 15. Jahrhundert zurück. Aber spätestens seit 1989 wird “Rosenkrieg” im Deutschen mittlerweile als Synonym für sich in Scheidung befindende Eheleute verwendet. Ob Die Rosenschlacht solch einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird, sei mal dahingestellt. Trotzdem hat der Film gerade in der ersten Hälfte wirklich witzige Szenen und tolle Dialoge. Schauspieler vom Kaliber eines Benedict Cumberbatch und Olivia Colman hätten aber ein durchgehend grandioses Drehbuch verdient. Sie machen das Beste draus – nicht mehr und nicht weniger.

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