Webtoons gibt es jede Menge in Korea – und alle sind mehr oder weniger erfolgreich. So auch das Webtoon Omniscient Reader: The Prophecy, welches allerdings wahrlich sehr erfolgreich gewesen sein soll und nun verfilmt wurde. Ich bekomme allerdings stets eine Gänsehaut unwohler Vorahnungen, wenn mir junges und buntes K-Kino in die Hände fällt, dass mit K-Pop-Stars besetzt wurde und seine Story aus irgendeinem Comic, Webtoon, Popsong oder einer Instant-Nudelsuppentüte bezog. Die Alarmglocken schrillen dann noch lauter, wenn mir der Film in einem Steelbook präsentiert wird, einer Verpackung, die man gerne für filmischen Schlunz nimmt. Die koreanische Blechbüchsenpräsentation Moon war so ein Fall von unfreiwillig komischer K-Pop-Junge-Menschen-Kino mit hanebüchenen Dialogen und Capri Sonnen-Logik, da hat auch kein Blech um die Blu-ray geholfen. Hier war nun also das Schlimmste zu befürchten, da wird der Auftritt von Lee Min-ho (Pachinko) wahrscheinlich auch nichts retten können. So meine Befürchtungen. Meine Laune war also quasi schon im Keller, als ich Omniscient Reader: The Prophecy in den Player legte und den Film startete. Aber, was soll ich sagen? Ich wurde eines Besseren belehrt! CAPELIGHT PICTURES brachte den CGI-Kracher nun im Heimkino heraus.

Originaltitel: Jeonjijeok dokja sijeom
Regie: Kim Byung-woo
Darsteller: Lee Min-ho, Ahn Hyo-seop, Jisoo, Nana, Chae Soo-bin, Park Ho-san
Artikel von Kai Kinnert
Kim Dokja (Ahn Hyo-seop) ist ein durchschnittlicher junger Mann und der einzige Leser eines obskuren Webromans mit dem Titel „Drei Wege, die Apokalypse zu überleben“. Doch nach dem Lesen des letzten Kapitels wird der Roman plötzlich Realität und vor ihm erscheint der allmächtige Held der Erzählung: Yu Junghyeok (Lee Min-ho). Als einziger Mensch, der das Ende kennt, muss Dokja sein Wissen nutzen, um zusammen mit seinen Freunden die Welt zu retten.

Ich bin ein alter, weißer Mann und ich kenne mich nun nicht so sehr mit K-Pop, Webtoons und Rollenspielen aus. Eigentlich gar nicht. Sammelkarten, Pokemon, Dungeons & Dragons, dass ist weit weg von mir. In den 1980ern hatte ich auf dem Commodore 64 The Bard´s Tale ganz durchgespielt, wohl auch ein oder zwei D&D-Spiele von SSI, aber das ist alles 40 Jahre her. Das erwähne ich, weil sich der Film inhaltlich irgendwie sehr aus dem Rollenspiel-Segment bedient, (Sammelkarten, Items & Co) und ich keinerlei Einsicht darüber habe, ob sich ein Drehbuch geschickt oder grotten-dämlich an der Fantasy-Rollenspiel-Szene bedient. Macht es Sinn, was in Omniscient Reader: The Prophecy gemacht wird? Ich glaube nicht. Wurde das Potential der Figuren und der Handlung abgeschöpft? Nein, nicht im Geringsten! Aber es war mir, ehrlich gesagt, auch völlig egal, denn mir hat der Film richtig Spaß gebracht! Das Portfolio des Regisseurs Kim Byung-woo besteht zur Hälfte aus filmischem Murks (The Attack – Enter the Bunker) und die Gefahr war groß, dass auch hier ganz stilsicher ins Klo gegriffen wird. Aber nichts da, irgendwie hatten alle Bock auf den Film und es dauerte auch nur 120 Sekunden, bis ich den Streifen irgendwie geil fand. Ich mag einfach diesen Ansatz in der Story, diese kleinen Elemente, wie dieses Träumen in der Jugend, dazu etwas Stephen King, etwas Battle Royale und das Up-Leveln zu mehr Fähigkeiten inklusive Boss-Kampf. Das Setting gefällt mir einfach und der Film braucht auch nicht lange, um in Schwung zu kommen und das Tempo bis zum Ende hin hochzuhalten. Eine Story wie ein Computerspiel, eigentlich ein Alptraum, funktioniert hier jedoch sehr gut. Eigentlich kämpft man sich nur von A nach B, und das abschnittsweise, wobei jeder Abschnitt dann schwieriger als der vorige wird. Es gibt sozusagen eine Hauptmission mit Nebensträngen, in die man dann geraten kann. Nach Abschluss des Levels gibt es dann Coins, mit denen man sich dann seine Ausrüstung und die Fähigkeiten verbessern kann.

Wenn ich ehrlich bin, konnte ich im Film nun nicht erkennen, dass etwas „schwieriger“ wurde oder sich die Gegner (oder gar die Vorgehensweise der Gegner) ändern würde, aber das macht alles nichts, da die Sache so zugeknallt mit durchaus gelungener CGI und ständigem Action-Content ist, dass mich das überhaupt nicht gestört hatte. Dazu kommt eine gute Besetzung an interessanten und sympathischen Schauspielern, die allesamt unter ihrem Potential bleiben und auch in ihrer Rolle kaum ausgeschöpft werden. Aber auch das hat mich nicht gestört, da immer irgendwas los war und die Effekte überwiegend einen hochwertigen Stil hatten. Hier und da klemmt es auch mal im CGI-Land, aber insgesamt war das eine wild-bunte und gleichzeitig knackig-gelungene CGI-Vollveranstaltung, für die man gerne seine große Glotze in 4K bespielen darf. Ich glaube, der Film wurde komplett auf dem Studioparkplatz und in der Kantine gedreht, da hat nicht einer das Gelände verlassen.
Man vergisst während des Films glatt, dass es eigentlich keine Lösung für Kim Dokjas Problem geben kann, was auch dem Drehbuchautoren aufgefallen ist und so wird der Zuschauer im Abspann zurück in die Story geholt, was die Story dann akzeptabel „abschließt“.

Omniscient Reader: The Prophecy ist junges, buntes Popcorn, gänzlich oberflächig und dennoch absolut kurzweilig. Ich bin mir sicher, dass die Handlung keinen Sinn ergibt, aber das wird alles so kurzweilig gut gelaunt und mit krachend epischen CGI-Effekten verpackt, dass man den Flachsinn dahinter ganz vergisst. Die Gegner variieren nur wenig, die Charaktere bleiben dabei auch noch unter ihren Möglichkeiten, aber es geht immer zur Sache und es gibt interessante Action-Level mit durchaus originellen Ansätzen. Mehr hatte ich nicht gebraucht. Ich fand es super, mir hatte der Film von Anfang bis Ende echt Spaß gemacht! Und jetzt muss ich los, ich investiere ich meine Credits in Stärke und Ausdauer.
Das Bild der gesichteten Blu-ray war sauber, satt und klar, der Ton ebenso. Als Extras gibt es Trailer.
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