Wenn man heutzutage ins Kino geht, ist man hinterher nicht nur finanziell bedeutend ärmer, die Veranstaltung fällt zumeist auch recht steril und unpersönlich aus – Kinoketten sei dank. Nein, ich will hier nicht anfangen mit dem üblichen “Früher war alles besser” – Gefasel älterer Menschen, denn zumindest technisch (3D, Imax, 4DX, Dolby Atmos…) ist der Besuch eines Lichtspielhauses heutzutage eine deutliche Qualitätssteigerung gegenüber den damaligen Kinobesuchen (Zigarettenqualm, Mono-Sound, Filmrisse, aufgeplatzte und ungemütliche Sitze…). Doch die Magie, die diese alten, verwanzten, oftmals kleinen Kinos versprühten, von der ist heute kaum noch etwas übrig. Dies beginnt nicht erst mit dem Popcorn, der im großen Müllsack aufbewahrt wird statt frisch aus dem Topf zu ploppen, es ist bereits die Gestaltung der Kinoplakate, welche damals von echten Künstlern designed wurden. Heute sitzt irgendein Photoshop-Paule im Home-Office und generiert mit drei Klicks meist hässliche Kreationen. Ich aber rede von damals, als Kinos noch Aushangfotos in den Schaukästen präsentierten, die einem bei der Film-Wahl behilflich waren. Aus dem Hause CREEPY IMAGES gibt es seit Längerem Heftchen, in denen eben diese Plakate und Fotografien aus vergangenen Tagen zusammengesammelt wurden – natürlich aus dem Horrorbereich, wie der Magazin-Name schon sagt. Da die meisten dieser Hefte bereits vergriffen sind, gibt es jetzt Sammelbände mit den alten Ausgaben darin. Ich stelle Euch einmal so einen Band vor.

Autor: Thorsten Benzel und andere
210 Seiten – farbig
Artikel von Christian Jürs
Neben all´ den Filmen, zu denen Ihr hier regelmäßig unsere geistigen Ergüsse nachlesen könnt, erhalte ich auch hin- und wieder Bücher zu Rezensionszwecken. So wie zuletzt den Roman Mord in Geektown von Peter Osteried. Auch Autor Thorsten Benzel versorgt uns regelmäßig mit seinen Sachbüchern, zuletzt mit dem quietschgelben Giallo Movie Posters – Volume 2: 1970 – 1971. Jetzt hat er mir überraschend den neuesten Creepy Images Sammelband zugesandt und ich habe ihm eine kleine Rezension versprochen. Bitte sehr, lieber Thorsten!

Auf gut 200 Seiten präsentiert man uns in diesem Sammelband Abbildungen alter Kinoplakate und Aushangfotos legendärer Klassiker des Horror-Genres, sowie diverse Hintergrund-Informationen. Den Einstand aus Creepy Images Volume 4 macht dann auch gleich ein Streifen, bei dem ohne Bier gar nichts mehr geht (laut Mama, Papa, Zombie!): Paura Nella Città dei Morti Viventi, hierzulande besser bekannt als Ein Zombie hing am Glockenseil von Lucio Fulci (laut Deutschem Trailer heisst der Mann aber Lutschi-O Fulki – lol). Interessant hierbei ist, dass auch Szenenfotos abgedruckt wurden, die seitens der FSK nicht zum Aushang freigegeben wurden (Stichwort: Standbohrmaschine). Interessanterweise ist ein Bild unter den Aushangfotos aus einer Szene, die hierzulande nicht auf dem Bavaria-Tape zu finden war und die später mit mieser Neusynchro veröffentlicht wurde. Das Aushangfoto legt zumindest nahe, dass zur Kinoauswertung möglicherweise eine komplette Übersetzung erstellt wurde, die aber offenbar verschollen ist.
Im Anschluss gibt es den französischen Foto- und Plakate-Fund zu Joe D´Amatos Buio Omega, der in Frankreich als Blue Holocaust veröffentlicht wurde. Gefolgt von einem kleinen italienischem Thriller-Special, welches Lust auf die Giallo Movie Posters-Bücher macht. Danach bleiben wir in Europa mit dem 1974 entstandenen Vampyres und Die Rückkehr der reitenden Leichen (zu beiden Filmen gibt es hier enorm viele Bilder zu bestaunen). Ausgabe vier endet dann mit dem legendären The Plague of the Zombies aka Nächte des Grauens.

In der folgenden Ausgabe (Creepy Images Volume 5) gibt´s dann Zünftiges von Jean Rollin, nämlich den legendären Foltermühle der gefangenen Frauen, auch bekannt als Pestizide – Grapes of Death oder Zombis geschändete Frauen (ich möchte ein “E” kaufen!). Natürlich inklusive wunderschöner Aushangfotos mit noch schöneren, nackten Damen (lechz). Danach folgt dann der noch wesentlich legendärere Zombie – Dawn of the Dead, zu dem ich nun wirklich nichts mehr schreiben muss, oder?
Danach folgt ein etwas längerer Artikel mit dem Titel The Rebirth of Terror – German horror memorabilia from the 60s, verfasst von Andreas Schiefler, in dem er auf das Phänomen Horrorfilm der damaligen Zeit ausführlich – und reich bebildert – eingeht. Den Abschluss dieser Ausgabe machen drei europäische Klassiker, die ich allesamt ganz tief in meinem Herzen trage, nämlich Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen, in dem Jack Taylor mit feschem Pullover über das Gruselschiff stapft. Der danach folgende La Noche de Walpurgis aka Nacht der Vampire ist einer der schönsten Paul Naschy / Waldemar Daninsky – Heuler, inszeniert von Leon Klimovsky und mit wunderschönen Vampirinnen, die in Walle-Walle-Kleidern durch die Gegend tänzeln. Einfach schön! Den Abschluss bildet Sergio Martinos sehenswerter Giallo Die Farben der Nacht mit Edwige Fenech und George Hilton.

Womit wir bei Creepy Images Volume 6 und somit dem Finale dieser Compilation angekommen sind. Diese Ausgabe startet mit Mario Bavas legendärer Freitag der 13.-Blaupause Im Blutrausch des Satans, gefolgt von Antonio Marheritis unterschätztem Menschenfresser-Virus-Film Asphaltkannibalen mit John Saxon und einem völlig durchgeknallten Giovanni Lombardo Radice (aka John Morghen) in den Hauptrollen.
Noch mehr Menschenfresser und zudem eine nackerte Laura Gemser bietet dann der Schocker Nackt unter Kannibalen. Danach richtet der New York Ripper ein zünftiges Blutbad mit Rasierklinge und Klappmesser an. Es folgen nochmal Sergio Martino und Edwige Fenech in Il tuo vizio è una stanza chiusa e solo io ne ho la chiave, von dem ich noch niemals gehört habe und das finale Blutgericht der reitenden Leichen schließt den Bilderband schließlich ab.

Abschließend kann ich als Fazit vermelden, dass sich Creepy Images für Retro-Horrorfans generell lohnt, zumindest, wenn man in Erinnerungen einer schöneren Kino-Kultur schwelgen möchte. Ich habe dieses Taschenbuch durchzustöbern jedenfalls sehr genossen.
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