Findet man auf dem Cover eines Horrorfilms Hinweise wie “Von den Machern von…” ist meistens Vorsicht geboten. So auch hier, denn The Other wurde von keinem Final Destination-Regisseur inszeniert, sondern vom eher unbekannten Paul Etheredge, der auch das Drehbuch verfasste. Gemeinsam haben die ersten Final Destination-Streifen und The Other stattdessen den Produzenten Jeffrey Reddick. Auch die IMDb-Bewertung von nur 4,8 Punkten (zum Zeitpunkt des Erstellens dieser Review) machte mir wenig Hoffnung auf einen gelungenen Horrorfilm-Abend mit The Other, den uns die BUSCH MEDIA GROUP hier kredenzte. Umso erstaunter war ich, dass ich mich trotzdem durchaus solide unterhalten fühlte und den Streifen, zumindest Horrorfans, durchaus empfehlen kann. Lest selbst…

Regie: Paul Etheredge
Darsteller: Olivia Macklin, Dylan McTee, Avangeline Friedlander, Lily D. Moore, Shawnee Smith
Artikel von Christian Jürs
2025 war ein gutes Jahr für Horrorfilme. Final Destination ging in eine neue, unterhaltsame Runde, Together – Unzertrennlich entpuppte sich als gelungener Body-Horror-Streifen, Bring her back und Weapons – Die Stunde des Verschwindens waren echte Überraschungs-Hits – nur das Legacy-Sequel von Ich weiss, was Du letzten Sommer getan hast geriet zur Ober-Gurke, spielte aber trotzdem eine Menge Geld ein. Ja, selbst im Heimkino-Bereich gab es die ein oder andere Überraschung, wie etwa der äußerst unterhaltsame Heart Eyes – Der Pärchen-Killer. An all´ diese Filme kommt The Other zwar nicht ansatzweise heran, unterhaltsam – und auch überraschend – geriet der Film trotzdem.

Robin (Olivia Macklin) und Daniel (Dylan McTee) wünschen sich nichts sehnlicher als ein eigenes Kind. Doch mit der Fruchtbarkeit ist das so eine Sache und daher entschliessen sich die beiden, ein Mädchen zu adoptieren. Ihre Wahl fällt auf die kleine Kathelia (Avangeline Friedlander), ein stummes Mädchen, welches schon häufiger vermittelt wurde, jedoch immer wieder ins Heim zurückgegeben wurde. Doch Robin und Daniel sind guter Dinge, dass sie der Kleinen ein gutes Zuhause geben werden und nach und nach eine Bindung zur schüchternen Kathelia aufbauen können.
Zunächst scheint dies auch zu funktionieren und Kathelia freundet sich mit Fiona (Lily D. Moore), der mit dem Down-Syndrom geborenen Tochter der etwas abgedrehten Nachbarin Lizzie (Shawnee Smith), an. Fiona scheint eine besondere Gabe zu haben und bemerkt, dass etwas Böses Kathelia umgibt, was aber ihrer Freundschaft keinen Abbruch tut. Doch Robin und Daniel bemerken selbst merkwürdige Dinge im Umfeld ihres Adoptivkindes. So verderben immer wieder Lebensmittel in ihrer Nähe und auch der Swimming Pool füllt sich plötzlich mit merkwürdigen Quallen. Eines Abends überkommt es Robin und sie verführt ihren Mann in ebendiesem Pool, was nicht folgenlos bleibt.

Horrorfilme mit gruseligen Kindern gibt es Dutzende. Es ist doch immer dieselbe Leier: Glückliches Paar holt sich eigenartiges Kind ins Haus und schon häufen sich die gruseligen Ereignisse. So weit folgt auch The Other dieser Prämisse, doch dann macht der Film eine unerwartete 180-Grad-Wende, die ich nicht spoilern möchte. Nein, dies ist bestimmt kein Meilenstein der Filmkunst und auch kein Horrorfilm, der Geschichte schreiben wird. Wer aber zu den Horror-Vielguckern gehört und die eingangs erwähnten Werke dieses Jahr schon gesehen hat, dem kann ich The Other durchaus empfehlen. Die Schauspieler sind gut, das Grauen baut sich konsequent auf und auch die Effekte können sich sehen lassen. Shawnee Smith darf wieder einen ziemlich abgefuckten Charakter mimen (eine Rolle, auf die sie seit den Saw-Filmen wohl abonniert ist) und die Laufzeit von 98 Minuten lässt den Film erstaunlich flott über die Bühne gehen.
The Other ist so ein Film, dem man damals, in der guten, alten Videothekenzeit, durchaus eine Chance gegeben hätte und als einen von zwei oder drei Filmen ausgeliehen hätte für einen kurzweiligen Feierabend. Nix, was sich lange im Gedächtnis einbrennt, aber auch nix, über das man sich hinterher geärgert hätte. IMDb 4,8? No way!

Mir lag zu Rezensionszwecken die Blu-ray-Variante vor. Diese verfügt über ein Wendecover ohne FSK-Logo und hat Trailer im Gepäck. Die Synchronisation geht in Ordnung, auch wenn hier Luft nach oben ist.
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