Wenn alle eingesetzten Elemente in einem Film miteinander funktionieren, dann wird das Ergebnis magisch!“, meint einer der Beteiligten in den Extras. In der Tat, in diesem Film funktioniert alles, dieser Film ist ein Produkt von geradezu magischer Qualität geworden, ein zeitloser Klassiker, der über Jahrzehnte hinweg Einfluss auf die Filmlandschaft haben wird und noch immer hat. Dieser Film ist einer der großen Glücksfälle, wie es sie nur selten gibt, ein Beispiel für die großartige Perfektion Hollywoods, und zwar im positiven Sinne. Auch das ist selten. In diesem, eigentlich mit der schnellen Nadel besetzten Film, passen nicht nur alle technischen Elemente wie ein Uhrenwerk zusammen, sondern auch die Besetzung vor und hinter der Kamera. Und nicht nur das. Die glorreichen Sieben beschreibt auch noch den Anfang der Weltkarriere aufkommender Superstars, die sich hier voller Energie und Testosteron stets in den Mittelpunkt des Interesses der Zuschauer spielen wollen und von John Sturges mit sicherer Hand zu Höchstleistungen motiviert wurden, während Elmer Bernstein einen der bedeutendsten und komplexesten Filmmusiken seiner Karriere schrieb, einen Soundtrack, der neben Ennio Morricones Lied vom Tod zu den bekanntesten Western-Melodien überhaupt gehört. Die glorreichen Sieben ist dazu noch bestens gefilmt und ausgestattet worden, flankiert von einer spannenden Produktionsgeschichte, die in ansprechender Breite in den Extras beschrieben wird. Die glorreichen Sieben mauserte sich zu einem der einflussreichsten Western überhaupt, ohne ihn gäbe es keine Italo-Western von Sergio Leone, hier fand auch Sam Peckinpah seinen Anfang. Der Western steckte damals in einer Krise, die Filme zogen nicht mehr richtig, denn das Publikum hatte genug von der Psychologisierung des Wild-West-Abenteuers und sehnte sich einfach nur nach Entertainment. Und John Sturges lieferte. CAPELIGHT PICTURES brachte den All Time-Klassiker nun als limitiertes Mediabook, auf DVD und als Komplettbox inklusive der drei Fortsetzungen heraus.

Originaltitel: The Magnificent Seven

Regie: John Sturges

Darsteller: Yul Brynner, Steve McQueen, Eli Wallach, Horst Buchholz, Charles Bronson, Robert Vaughn, Brad Dexter, James Coburn, Rosenda Monteros, Vladimir Sokoloff

Artikel von Kai Kinnert

Jedes Jahr wird ein mexikanisches Dorf von Calvera (Eli Wallach) und seinen brutalen Banditen überfallen und um die Ernte beraubt. Um dem Terror ein Ende zu bereiten, beschließen die Bewohner, Männer anzuwerben, die sie gegen die Schurken verteidigen sollen. Als Lohn winkt alles, was die Dorfgemeinde zu bieten hat. Der Abenteurer Chris (Yul Brynner) akzeptiert das Angebot und rekrutiert sechs weitere Einzelkämpfer. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in dessen Verlauf aus den Revolverhelden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eine eingeschworene Truppe wird, die nur noch ein Ziel kennt: das Dorf für immer von Calvera zu befreien.

Haben sie sich nie gefragt, warum die Mexikaner alle so sauber in dem Film aussehen?“ lacht James Coburn in den Extras in die Kamera. „Die Mexikaner kommen von der Feldarbeit und haben kein Stäubchen auf der Kleidung, während wir schwitzen und vom Staub verschmutzt sind“. Schuld an den „sauberen Mexikanern“ ist Robert Aldrich, der 1954 den Film Vera Cruz mit Burt Lancaster in Mexiko drehte und damit ein ganzes Land gegen sich aufbrachte. Der Revolutions-Western Vera Cruz lässt die Mexikaner im Film nämlich nicht so „gut“ aussehen, eher als „unselbstständig“, und sorgte so für ein randalierendes Publikum, das quer durchs Land ganze Kinos vor Wut verwüstete. Seitdem waren die Dreharbeiten von US-Produktionen in Mexiko nicht mehr so beliebt und man hatte schwere Vorbehalte gegen John Sturges. Doch der löste das Problem geschickt, in dem er die Hälfte des Teams und der Schauspieler mit Mexikanern besetzte und einen Zensor am Set zuließ, dessen Einfluss im Film zu sehen ist. So ist der „alte Mann“ auf den Zensor zurückzuführen und auch die blütenweiße Reinheit mexikanischer Landarbeiter. Als Horst Buchholz die Mexikaner später ins Dorf ruft, kommen lauter „saubere“ Bauern von der Feldarbeit in die Szene, die vorher ganz anders geplant war. Laut James Coburn griff hier der Zensor ein: „Mexikanische Bauern sind nicht schmutzig!“ lacht Coburn und klärt so über den seltsamen Umstand auf, dass in diesem Film jeder mexikanische Schauspieler von keinem Stäubchen getrübt wird.

Eine weitere Auffälligkeit in diesem Film ist Steve McQueen, der hier seinen ersten Kinoauftritt hinlegt und dem seine Energie durch alle Poren spritzt. Charles Bronson, James Coburn und Horst Buchholz strotzen vor Energie und Potential, jeder hat Präsenz, aber keiner so sehr wie Steve McQueen, der hier kräftig nach vorne geht und sich viele Schauspielertricks einfallen ließ, um neben Yul Brunner überhaupt wahrgenommen zu werden, was den wiederrum auf die Palme trieb. Wenn Sie sich den Film erneut ansehen, werter Leser, achten Sie mal auf Steve McQueen. Der Mann ist stets in Bewegung, irgendwas geht da immer: mal wird eine Flasche ganz sorgfältig auf einen Zaun gestellt, die Schrot-Munition, die McQueen an seinem Ohr schüttelt, um sie so auf vollständige Ladung hin zu kontrollieren oder die Handgriffe an den Hut, irgendwas macht er immer. Steve McQueen ist stets in Bewegung und füllt alles mit aktiven Details auf. Alles diente dazu, von Yul Brunner abzulenken, der nur seinen Hut abnehmen musste, um das gesamte Interesse der Zuschauer zurückzugewinnen. James Coburn hingegen setzt auf Minimalismus und macht dadurch eine ultracoole Figur, spielt so sogar Bronson runter, da Coburn sich völlig natürlich durch den Western bewegt, groß gewachsen und schlaksig, mit offenem Hemd und lässigem Messerwurf, ist er ein echter Mr. Cool und liefert so den entspannten Gegenentwurf zu Steve McQueen.

Markante Helden brauchen einen markanten Gegenspieler und so kam Eli Wallach ins Spiel, der direkt von der New Yorker Theaterbühne als mexikanischer Bandit aufs Pferd gesetzt wurde. „Ich kann nicht reiten und ich kann auch nicht gut mit dem Colt umgehen. Während Yul Brunner, Bronson und McQueen den ganzen Tag mit den Waffen spielten und alle Tricks, ohne hinzusehen konnten, musste ich immer hinsehen!“ erzählt Eli Wallach in den Extras. „Aber ich hatte meine Bande!“ freute er sich. Während sich die anderen Schauspieler zu kleinen Cliquen zusammenfanden, verbrachte Eli Wallach seine Zeit mit den 35 Mexikanern, die seine Bande im Film darstellten und ihn regelrecht adoptierten. Da er weder Spanisch noch reiten konnte, holte ihn die Bande jeden Morgen vor den Dreharbeiten mit seinem Pferd ab und man ritt erst einmal aus, bevor es dann zu den Dreharbeiten ging. „Sie brachten mir Spanisch und das Reiten bei. Das war eine tolle Zeit. Wir konnten alle Cowboys spielen!

Die glorreichen Sieben ist ein zeitloser Film, ein wahrer Glücksfall des Filmschaffens. Yul Brunner besorgte damals die Rechte an der Story von Akira Kurosawa, der selbst von John Ford inspiriert war, und fand dann mit Walter Mirisch einen unabhängigen Produzenten, der im Western-Genre schon erfahren war und für den nötigen Rahmen einer solventen Produktion neben dem Studiosystem sorgen konnte. Das Drehbuch ist befreit von Popkultur und historischen Hintergründen, was den Film zu jeder Zeit frisch und universell wirken lässt und mit einer ungewohnten Psychologie aufzuwarten weiß. Die glorreichen Sieben hinterfragen ihren Job, wollen eigentlich Farmer sein und irgendwo einen Platz im ruhelosen Leben finden. Die glorreichen Sieben empfinden sich als Verlierer, während die mexikanischen Bauern eigentlich alles das haben, was den glorreichen Sieben als lebenswert erscheint. Dies ist dann auch der Grund, warum sie den Job für 20 Dollar annehmen. „Am Tag? In der Woche?“ fragt einer der glorreichen Sieben. „Nein. Für den ganzen Job.“ erwidert Yul Brynner. Es geht um die Sache an sich. Man arbeitet für die Ehre. „Wir sind Reisende in Blei.“ erklärt Steve McQueen lässig, was eine von vielen recht coolen Dialogzeilen in diesem Film ist, wobei Yul Brunners Fingerzeig in einer anderen Dialogzeile („Wo kommt ihr her? Wo wollt ihr hin?“) mit zur besten Gestik der Filmgeschichte überhaupt gehört.

Die Besonderheit des Films ist nicht nur sein fehlerloses Zusammenspiel aller Ideen und Elemente, sondern auch diese einmalige Ansammlung aufkommender Filmstars, die sich als Schauspieler in konstruktiver Konkurrenz zueinander vor der Kamera tummeln und sich so allerlei einfallen lassen, um das Interesse des Zuschauers auf sich zu lenken. Jeder in dieser Produktion, angefangen vom Hauptdarsteller bis hin zum Komparsen in Eli Wallachs Bande, ist mit riesiger Spielfreude vor der Kamera, so dass es eine Freude ist. John Sturges inszeniert seinen Film mit Liebe zum Detail und einem „vollen Bild“ auf drei Ebenen (Vordergrund, Mitte, Hintergrund), eingefangen in einer tollen, mexikanischen Landschaft, umrahmt von einer Western-Kulisse, wie sie später von Sergio Leone wieder aufgegriffen werden wird. 

Nach der Premiere des Films telefonierten John Sturges und Akira Kurosawa miteinander. „Sie haben einen perfekten Western gedreht.“ meinte Kurosawa am Telefon. „Welcher Film ist denn jetzt besser? Meiner oder ihrer?“ hakte Sturges nach. Kurosawa überlegte schweigend. Dann: „An ihrem Film stimmt einfach alles.

Da hatte er recht. Kaum vorstellbar, dass es noch Western-Fans gibt, die diesen Film nicht gesehen haben. Dann wird es aber höchste Zeit.

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist toll, sauber, satt und frisch, ich bin begeistert. Der Ton ist auch sehr gut. Als Extras gibt es ein 24-seitigen Booklet mit einem Text von Wolfgang Frömberg, Audiokommentar von den Darstellern James Coburn und Eli Wallach, Produzent Walter Mirisch und Regieassistent Robert E. Relyea , Audiokommentar von Filmhistoriker Sir Christopher Frayling , Zwei Originalkinotrailer, Deutscher Kinotrailer (alle Extras deutsch untertitelt) und auf einer Bonus-Blu-ray Guns for Hire: Das Making-of , Elmer Bernsteins Filmmusik, Das Linebook der vergessenen Bilder und Filmhistoriker Sir Christopher Frayling über “Die glorreichen Sieben” (alle Extras deutsch untertitelt).

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