Achtung, Verwechslungsgefahr! The Negotiator lautet der Originaltitel des Geiselnahme-Thrillers Verhandlungssache aus dem Jahr 1998, in dem sich Kevin Spacey und Samuel L. Jackson ein Psychoduell geben. Geiseln gibt´s hier aber keine und der Originaltitel dieses bei uns als The Negotiator betitelten Films lautet schlicht Relay, was übersetzt so viel wie Relais bedeutet. Doch hier haben wir keinen Physik-Kurs über die Steuerung von Stromkreisen, sondern ein Thriller, in dem eine Whistleblowerin ihr altes Leben zurückhaben möchte und daher über einen Relay-Dienst (!), sprich, einen Telefondienst für Menschen mit Hörschädigung, anonymen Kontakt zu einem sogenannten Fixer aufnimmt, der Sorge tragen soll, dass ihr nichts geschieht und die geleakten Daten wieder an den Besitzer zurückgehen. Kein einfaches Unterfangen, wie Ihr in diesem kleinen, aber feinen, Action-Thriller mit Riz Ahmed und Lily James aus dem Hause LEONINE STUDIOS in Kürze im Heimkino feststellen könnt.

Originaltitel: Relay
Regie: David Mackenzie
Darsteller: Riz Ahmed, Lily James, Sam Worthington, Willa Fitzgerald, Pun Bandhu
Artikel von Christian Jürs
Bereits Anfang August, mitten in meinem Sommerurlaub, wurde der Presse der Action-Thriller The Negotiator vorgeführt, der Ende September in unseren Kinos starten sollte. Ich gebe zu, dass ich mich vorab nicht informiert habe, was mich genau erwarten würde. Der Grund für meine Teilnahme an diesem frühen Screening war eher die Tatsache, dass an diesem Tag gleich zwei Filme vorgeführt wurden, weswegen ich meinen Wecker stellte und die frühe Fahrt ins sechzig Kilometer entfernte Hamburg auf mich nahm. Und so begann der Tag leichtfüßig mit der deutschen Komödie Ganzer halber Bruder, dessen Highlight leider die vom Verleiher gesponsorte Fritz Cola war. Hastig eilte ich danach von einem Kino ins andere, in der Hoffnung, dass The Negotiator dann doch noch meinen (Kino-)Tag retten könnte.

Ash (Riz Ahmed) nutzt regelmäßig den eingangs erwähnten Relay-Dienst, eine Einrichtung der US-Telefongesellschaft, den Hör- und Sprachbehinderte Menschen nutzen, um telefonieren zu können. Dabei tippen diese einfach den gewünschten Text ein und übermitteln diesen an die Telefongesellschaft, der vom Sachbearbeiter dann dem Empfänger in Sprachform wiedergeben wird. Doch auch wenn Ash in der ersten halben Stunde von The Negotiator kein einziges Wort über die Lippen bringt, ist er nicht aus gesundheitlichen Gründen auf den Telefondienst angewiesen, wohl aber beruflich.
Denn so kann er nicht nur mit seinen Kunden in Kontakt treten, der Absender der Nachrichten bleibt außerdem anonym und nicht zurückverfolgbar. Dies ist enorm wichtig bei seinem Beruf, denn Ash hilft Whistleblowern, die kalte Füße bekommen haben, die entwendeten Daten dem Absender wieder zurückzugeben und im Gegenzug Sicherheitsgarantien zu erhalten. Ashs aktueller Auftrag ist die Betreuung der Wissenschaftlerin Sarah (Lily James), die für ein Biotech-Unternehmen gearbeitet hat, welches Saatgut veräußern möchte, dass bei den Labortests durchgefallen ist und schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen könnte. Die Testergebnisse, die dies belegen, wurden unter den Tisch gekehrt und schließlich von Sarah entwendet, um das Unternehmen unter Druck zu setzen. Doch nun fühlt sie sich verfolgt und bedroht, weswegen sie Hilfe bei einem sogenannten Fixer (nicht Negotiator!) sucht, mit dem sie über den Relay-Dienst in Kontakt tritt.

Ash, der sie fortan immer wieder überwacht, findet schnell heraus, dass das Unternehmen tatsächlich ein paar Bluthunde, angeführt vom smarten wie kaltblütigen Dawson (Sam Worthington), auf die junge Frau angesetzt hat. Zwischen Ash, der Sarah sicher durch den Alltag zu bugsieren versucht, und Dawsons Mannschaft (u.a. Willa Fitzgerald aus Strange Darling), entbrennt ein gefährliches Katz- und Mausspiel. Als Ash gegen seine Prinzipien verstößt und persönlichen Kontakt zu der jungen Dame aufnimmt, wird die Luft eng und die Verfolger rücken näher.
The Negotiator ist ein eher ruhig angelegter, aber niemals langweiliger, Action-Thriller, in dem Lily James immer wieder in brenzlige Situationen gerät, aus denen sie Filmpartner Riz Ahmed (Sound of Metal) mit der Hilfe von Überwachungskameras heil herausleiten muss. Situationen, wie wir sie aus den Mission: Impossible-Filmen nur allzu gut kennen, von denen im letzten Teil der Reihe aber leider jede Spur fehlte. Es sind Momente, in denen man sich am Kinosessel festkrallen möchte. Hier gibt es gleich mehrere dieser hochspannenden Situationen.

The Negotiator ist raffiniert geschrieben und kommt mit wenigen Dialogen seitens des überzeugenden Hauptdarstellers aus. Ähnlich wie vor Kurzem in The Amateur bleibt die Action eher zahm und jugendfrei, wobei The Negotiator eine deutlich höhere Spannungsschraube anzieht und auf der Zielgeraden sogar noch mit einer kleinen Überraschung punkten kann.
Leonine Studios hat mit The Negotiator qualitativ ins Schwarze getroffen (nur nicht mit dem deutschen Titel). Leider ging der Thriller, der nur mit wenigen Kopien in den Lichtspielhäusern startete, sang- und klanglos unter. Grund genug, sich diesen überraschenden Thriller jetzt im Heimkino anzuschauen. Mir lag der Blu-ray-Rohling vor. Leider ist der Bonus-Bereich mit Trailern mehr als spärlich ausgestattet worden. Dies sollte Euch aber nicht vom Filmgenuss abhalten. The Negotiator ist ein kleiner Geheim-Tipp.
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