Ich liebe das Kino der Achtziger, immerhin war es das Jahrzehnt, in dem ich den Großteil meiner Kindheit und frühen Jugend verbracht habe. Die Filme aus dieser Zeit verfügen über einen ganz besonderen Flair, welcher bis heute sehr beliebt ist (siehe Stranger Things). Mittlerweile habe ich vermutlich den Großteil der sehenswerten Produktionen dieser Epoche gesehen. Umso mehr war ich erfreut, als EXPLOSIVE MEDIA im Vertrieb von PLAION PICTURES mal wieder einen Streifen hervorkramten, der bislang sang- und klanglos an mir vorüberzog. The Manhattan Project war seinerzeit ein Kino-Flop, der bei uns direkt in die Videotheken zog, wo ich ihn leider Jahrzehnte lang übersah. Jetzt habe ich ihn nachholen können und teile mein Seherlebnis mit Euch.

Originaltitel: The Manhattan Project
Regie: Marshall Brickman
Darsteller: John Lithgow, Christopher Collet, Cynthia Nixon, John Mahoney, RIchard Council
Artikel von Christian Jürs
Regisseur Marshall Brickman hatte kein goldenes Händchen für seine wenigen, von ihm inszenierten Filme. Sie alle waren Kassengift, oder erinnert sich jemand von Euch an Werke wie Lovesick – Der liebeskranke Psychiater oder Simon, der Außerirdische? Eben, ich auch nicht. Ganz anders sieht es da mit einigen von ihm verfassten Drehbüchern aus, von denen einige Werke zu echten Klassikern wurden. Auf seine Kappe gehen nämlich die Woody Allen-Meisterwerke Der Stadtneurotiker und Manhattan, aber auch Clint Eastwoods Jersey Boys.

Paul Stephens (Christopher Collet) ist ein überdurchschnittlich intelligenter Teenager, der mit seiner alleinerziehenden Mutter Elizabeth (Jill Eikenberry) in einem Vorort von New York wohnt. In der Schule ein weitestgehend beliebtes Physik-Genie, steht er kurz vor der Teilnahme an einem Wissenschafts-Wettbewerb. Nebenbei knüpft er zarte Bande mit seiner smarten und liebenswerten Mitschülerin Jenny (Cynthia Nixon). Als der sympathische und alleinstehende Dr. John Mathewson (John Lithgow) in seine Nachbarschaft zieht, wirft dieser ein Auge auf Elizabeth und versucht daher, sich auch mit Paul anzufreunden. Deshalb lädt er ihn in das, in der Nachbarschaft befindliche, streng geheime Labor ein, in dem Mathewson als leitender Forscher tätig ist.
Dort entdeckt Paul allerdings etwas, dass keinesfalls für seine Augen bestimmt war. Dr. Mathewson gelang nämlich die Entwicklung eines äußerst reinen und damit hochradioaktiven, waffenfähigen Plutoniums. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin Jenny bricht Paul in einer Nacht- und Nebelaktion in das Labor ein und entwendet etwas der gefährlichen Substanz. Daheim baut er eine scharfe Atombombe, mit der er auf dem Wissenschafts-Wettbewerb antreten möchte, um die Bevölkerung auf die Gefahren des atomaren Materials hinzuweisen. Dies ruft sowohl das Militär als auch das F.B.I. auf den Plan, und so flüchten Paul und Jenny gemeinsam auf einem Roadtrip vor ihren Verfolgern. Derweil macht sich Dr. Mathewson starke Vorwürfe und versucht, den Jungen wieder zur Vernunft zu bringen, um sein- und das Leben vieler anderer, nicht zu gefährden.

Was das 80´er-Flair betrifft, so wurde ich von The Manhattan Project nicht enttäuscht. Auch schauspielerisch gibt es nichts zu meckern, immerhin dürfen wir hier John Lithgow in einer seiner wenigen sympathischen Rollen erleben (in der Synchronfassung eingesprochen von Clark Griswold-Sprecher Michael Brennecke). Wer sich wundert, woher ihm das Gesicht von Jenny so bekannt vorkommt, dem sei verraten, dass es sich hierbei um Cynthia Nixon, später bekannt geworden als Miranda aus der Sex and the City-Serie und den Filmen, handelt. Obendrauf gibts noch John Mahoney (Frasier) und zuletzt Christopher Collet in der Hauptrolle. Dessen Karriere verlief weniger beeindruckend als bei seinen Kollegen und Kolleginnen. So ist er in den letzten Jahren immer wieder als Synchronsprecher von Anime-Serien eingesetzt worden und immerhin war er das finale Opfer im Kultslasher Sleepaway Camp – Blutiges Feriencamp.
Seine Figur ist leider das Hauptproblem von The Manhattan Project, denn seine Entscheidung, Plutonium zu entwenden, wenn auch für einen seiner Meinung nach guten Zweck, hinterlässt immer wieder Kopfschütteln. Gerade zum Finale hin möchte man den Jungen packen und kräftig durchschütteln, so verantwortungslos handelt er. Klar, er ist ein Teenager, aber Plutonium mit sich herumschleppen ist sonst nur Doc Brown erlaubt. Was die Glaubwürdigkeit betrifft, dass er, ohne Schaden zu nehmen, eine Atombombe im heimischen Jugendzimmer zusammengeklöppelt bekommt, muss man natürlich ebenfalls ein Auge zudrücken, ebenso bei der Unfähigkeit des F.B.I. und des Militärs, ihn aufzuspüren und einzufangen.

Glücklicherweise retten die solide Inszenierung und die sympathischen, guten Darsteller aus dieser Misère heraus, weswegen ich an The Manhattan Project trotzdem viel Spaß hatte. Achtziger halt. Wie bereits vorher auf der von MGM erschienenen DVD-Variante (das sind die mit den hässlichen Fotocovern), ist auch hier die ungekürzte Fassung aufgespielt worden. Unverständlicherweise hatte man zur VHS-Zeit den Streifen um ca. sechs Minuten Handlung erleichtert, wodurch auch Cynthia Nixons Einführung unter den Schneidetisch fiel. Warum? Vermutlich, um den Film auf ein kürzeres VHS-Band spielen zu können. Eine Unart, die damals oftmals den Filmfans ins Gesicht gerotzt wurde. Die fehlenden Momente sind nun im Original mit deutschen Untertiteln eingefügt worden. Wer darauf keinen Wert legt, der kann im Bonusmaterial auch zur alten, deutschen Fassung greifen. Außerdem gibt es mal wieder Trailer und ein Wendecover ohne FSK-Logo. Bild- und Tonqualität sind sehr gut.
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