Manche Filme hinterlassen mich ratlos. Was soll man schreiben zu einem Film, der nicht das ist, was er auf den ersten Blick scheint? Bula – Eine tödliche Leidenschaft ist so ein Fall. Die vollmundige Ankündigung, hier den heißesten Asia-Horror-Thriller aller Zeiten vorliegen zu haben, wie uns das Presse-Zitat auf dem Cover verspricht, hatte ich sowieso nicht geglaubt. Dabei muss man neidlos gestehen, dass Hauptdarstellerin Ayanna Misola durchaus ihre Reize hat und außerdem auch ordentlich schauspielern kann. Doch das philippinische Kino scheint da andere Maßstäbe zu setzen, die dem westlichen Auge – und auch Ohr – ungewohnt vorkommen kann. Und damit herzlich Willkommen zu meiner Kritik dieser Veröffentlichung aus dem Hause BUSCH MEDIA GROUP, die ich mir jetzt versuche von der Seele zu schreiben.

Originaltitel: Bula

Regie: Bobby Bonifacio Jr.

Darsteller: Ayanna Misola, Gab Lagman, Rob Guinto, Mon Confiado, Ana Abad Santos

Artikel von Christian Jürs

Zunächst mal muss ich mich entschuldigen, denn diese Rezension gehört zu den längst überfälligen Besprechungen, die in den nächsten Wochen auf Euch einprasseln werden. Hintergrund ist zum einen, dass mein Full-Time-Job in der Vorweihnachtszeit extrem auslastend war, die obligatorische Herbst-Grippe mich erwischte und außerdem die Tatsache, dass die Kids mittlerweile zu Teenagern herangewachsen sind, die nicht mehr um 20 Uhr im Bettchen sein müssen. Alt genug, um den ein- oder anderen Horror- und Gewaltschinken gemeinsam zu genießen. Doch wenn´s um knisternde Erotik geht, dann wäre eine gemeinsame Sichtung für alle Parteien irgendwie unangenehm. Auch meine Frau war jetzt nicht wirklich motiviert, den Thriller mit der schaumbedeckten Schönheit auf dem Cover nach Feierabend zu goutieren. Also musste ich auf die Gelegenheit einer nächtlichen Sichtung, wenn alle anderen bereits schlafen, ausweichen.

Die schaumige, nackte Schönheit auf dem Frontcover heißt Meldie (Ayanna Misola). Die arbeitet (angezogen) in einem wunderbaren Waschsalon und lebt in ihrer Freizeit in einer Traumwelt. Daher nimmt sie sich auch regelmäßig die Klamotten einiger Kundinnen mit und stülpt sich diese über, um das Rollenspiel eines anderen, erfüllteren Lebens nachzuempfinden. Daheim wartet ein Mann auf sie, allerdings scheinbar nicht freiwillig, denn seine nach oben verdrehten Augen und der hilflos schlaffe Körper sprechen eine andere Sprache – die des Overactings. Wobei, ganz schlaff ist sein Körper nicht und so bedient sich Meldie regelmäßig bei ihm und spielt Hoppe, Hoppe, Reiter für Erwachsene.

Doch Meldie leiht sich nicht nur Kleidung aus der Wäscherei und hält sich nicht nur einen unfreiwilligen, besinnungslosen Liebessklaven, sie geht für ihren Traum von wahrer Liebe auch noch einen gewaltigen Schritt weiter. Denn Meldie ist eine Serienmörderin, die alles und jeden, der oder die ihr auf der Jagd nach dem großen Glück in die Quere kommt, aus dem Weg räumt. Als sie den jungen Polizisten Jacob (Gab Lagman) kennen- und lieben lernt, scheint ihr Glück in greifbarer Nähe zu sein. Doch so einfach ist es nicht und so muss sie weiterhin mörderische Taten ausführen, während Jacob ihr langsam, aber sicher auf die Schliche zu kommen droht.

Das klingt auf dem Papier nach einem herkömmlichen Erotik-Thriller, wie man ihn bereits in den Neunzigern zuhauf aus den USA in den heimischen Videotheken finden konnte. Doch Bula – Eine tödliche Leidenschaft ist nun mal kein amerikanischer Film, sondern kommt aus den Philippinen – und dort scheint man gänzlich andere Sehgewohnheiten zu haben. So sind die eingestreuten Erotikszenen eher lächerlicher Natur, wenn man zum Beispiel dem etwas albernen Herumgereite auf dem betäubten, overactenden Geschlechtspartner herumreitet und dabei quiekt und quietscht oder aber der Mund zur Fellatio eindeutig zu hoch angesetzt wird (oder wachsen Pimmel jetzt aus dem Bauchnabel?). Auch polizeiliche Ermittlungsmethoden scheinen auf den Philippinen etwas aus der Zeit gefallen sein, denn eigentlich dürfte Meldie ihre DNA so ziemlich an jedem Tatort hinterlassen haben. Trotzdem gerät sie nicht in Verdacht, stattdessen wird auch mal eine unschuldige Person verhaftet.

Die Krönung des Ungewöhnlichen ist aber die Musikuntermalung von Bula – Eine tödliche Leidenschaft. Ständig wird das Geschehen von Schlager- und Pop-Musik aus der Region unterlegt, meist komplett ausgespielt und es werden uns Texte (dankenswerterweise untertitelt) um die Ohren gehauen, die aus einem Andrew Lloyd Webber-Musical hätten stammen können – Lebe Deinen Traum, trallala – sowas ertönt auch mal während einer Sex- oder Mordszene. Man muss es gesehen, bzw. gehört haben, um es zu glauben.

Neben all´ den Kopfschüttel-Momenten muss ich aber auch eingestehen, dass Ayanna Misola schauspielerisch eine recht gute Figur macht. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, ihr einen besseren Film zu wünschen. Die Busch Media Group scheint dies auch erkannt zu haben, denn dort veröffentlicht man im Februar den nächsten Streifen mit ihr: Haunting Albina. Ich bin gespannt, ob der Film mich mehr überzeugen kann.

Bild- und Tonqualität der mir vorliegenden Blu-ray sind sehr gut, die Synchronisation ist ebenfalls gelungen. Im Bonusbereich gibt es Trailer und natürlich gibt es wieder ein Wendecover ohne FSK-Logo.

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