Was hat da bloß so lange gedauert? Den Roman Todesmarsch verfasste Stephen King bereits im Jahr 1967. Doch erst nachdem sich Carrie (1974), Shining (1977) und The Stand – Das letzte Gefecht (1978) zu Bestsellern mauserten, wurde auch diese Geschichte veröffentlicht, allerdings unter dem Pseudonym Richard Bachman. Die Verfilmung der dystopischen Geschichte, die maßgeblich andere Werke wie Maze Runner, Battle Royale und Die Tribute von Panem, beeinflusste, wurde von Fans seit Jahren heiß ersehnt. Regisseur Francis Lawrence, der den Großteil der Panem-Reihe ebenfalls inszenierte, übernahm auch hier die Regie. LEONINE STUDIOS haben das Thriller-Drama jetzt im Heimkino veröffentlicht und ich habe mal geschaut, ob der Film wirklich so gut ist, wie allgemein behauptet wird.

Originaltitel: The Long Walk
Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Cooper Hoffman, David Jonsson, Charlie Plummer, Ben Wang, Mark Hamill, Judy Greer
Artikel von Christian Jürs
Die Masse an Stephen King-Verfilmungen ist kaum noch zählbar. Dutzende von ihm verfasste Romane, Kurzgeschichten und vermutlich auch Einkaufszettel wurden mittlerweile auf Film gebannt. Dabei schwankt die Qualität der Streifen von Meisterwerken wie The Shining oder Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, über anschaubare Werke wie Thinner – Der Fluch oder Katzenauge, bis hin zu Rohrkrepierern wie die komplette Kinder des Zorns – Reihe. Im Falle von The Long Walk – Todesmarsch waren die Vorzeichen ausgezeichnet, denn immerhin ist Francis Lawrence ein ordentlicher Handwerker als Regisseur und das Drehbuch wurde zudem von JT Mollner verfasst, der mit Strange Darling zuletzt ein beeindruckendes Werk abgeliefert hatte. Ich war durchaus neugierig auf diese Verfilmung.

Noch ist es eine Dystopie. Die Vereinigten Staaten mauserten sich nach einem “großen Krieg” zu einem autoritären Militärregime. Armut und Leid bestimmen den Alltag der frustrierten Bevölkerung und immer wieder gibt es Aufstände. Um diese im Zaun zu halten und außerdem die Motivation des Volkes ansteigen zu lassen, findet ein jährlicher Todesmarsch statt, an dem fünfzig junge Männer teilnehmen können. Dabei wird so lange marschiert, bis nur noch ein Teilnehmer auf den Beinen ist. Dem Gewinner winken großer Reichtum und die Erfüllung eines Wunsches. Wer hingegen zurückfällt, bekommt zunächst eine Verwarnung. Beim dritten Verstoß greift das begleitende Militär zum Gewehr und erlöst den Teilnehmer vom anstehenden Marsch und seinem Leben.
Einer der Teilnehmer ist Ray Garraty (Cooper Hoffman), der von seiner Mutter (Judy Greer) unter Tränen zu der Veranstaltung gefahren wird. Sie hat wenig Hoffnung, ihren Sohn jemals wieder lebend in die Arme nehmen zu können, während Ray selbstbewusst an den Marsch herangeht. Am Startsammelpunkt lernt er (und auch das Publikum) die anderen Läufer kennen, wobei Ray sich mit dem vom Schicksal arg gebeutelten Peter McVries (David Jonsson), dem sportlichen Billy Stebbins (Garrett Wareing), dem etwas übermütigen Hank Olson (Ben Wang) und dem sanftmütigen Arthur Baker (Tut Nyuot) verbündet. Gemeinsam nennen sie sich die vier Musketiere, auch wenn ihre Freundschaft in nur wenigen Stunden oder Tagen beendet sein wird.

Doch nicht alle sind sich wohlgesonnen. Der schwierige Gary Barkovitch (Charlie Plummer) provoziert beispielsweise seine Konkurrenten, um diese aus dem Rhythmus zu bringen, was ihm auch gelingt, seine Sympathiewerte allerdings bei den anderen Jungs in den Keller sinken lässt. Und so wandern die jungen Männer mehrere hundert Meilen durch das ländliche Amerika, fernab von Zuschauern und unter stetiger Beobachtung durch das Militär, angeführt von einem gnadenlosen Major (Mark Hamill), der nur darauf wartet, dass wieder einer der Mitspieler versagt. Je weiter die Füße die Jungs tragen, desto mehr Teilnehmer scheiden aus, bis nur noch die Willensstärksten unter ihnen um ihr Überleben kämpfen. Nur einer kann gewinnen.
The Long Walk – Todesmarsch punktet mit einer Horde bestens aufgelegter Jungschauspieler, die den Film durchaus sehenswert machen. Insbesondere Licorice Pizza-Hauptdarsteller Cooper Hoffman, der Sohn von Philip Seymour Hoffman und David Jonsson, der bereits in Alien: Romulus seine Kollegen an die Wand spielte, wissen zu überzeugen. Judy Greer hingegen hat zu wenig Screentime, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und Mark Hamill wirkt ein wenig wie die Parodie eines Militäroberhaupts. Seine, hinter einer Sonnenbrille und einem Vollbart versteckte Mimik wirkte leider über weite Strecken eher unfreiwillig komisch und weniger bedrohlich, als erhofft.

Viel schlimmer ist aber die Tatsache, dass die häufigen Todesfälle zwar brutal inszeniert wurden, diese Szenen aber nur für den Moment wirken. Legt ein Soldat sein Gewehr auf den Schädel eines Jugendlichen an, erleben wir seine Freunde verzweifelt, empört und hilflos schreiend, nur um zehn Sekunden später wieder zur Tagesordnung überzugehen und nie wieder ein Wort über den Verlust zu beklagen. Somit staunt man als Zuschauer zwar über die Härte, vergisst aber schnell wieder, was gerade Schreckliches geschehen ist. Die Tode haben keinen Nachhall. Das ist bedauerlich, da hier viel Potenzial auf der Strecke geblieben ist. Trotzdem gehört The Long Walk – Todesmarsch noch immer zu den besseren Stephen King-Verfilmungen, jedoch keinesfalls zu den zeitlosen Klassikern.
Mir lag zur Rezension die DVD-Auflage vor. Diese verfügt über eine gute Bild- und Tonqualität (DVD halt), sowie einem Making Of in fünf Kapiteln (75 Minuten) und Trailern. Ein Wendecover ohne FSK-Logo ist enthalten.
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