Rache wird am besten eiskalt serviert. Eiskalt und ausufernd, so wie man es vom koreanischen Revenge-Movie her kennt. Ab nun Frau oder Mann, in Sachen epischer Rache hat das asiatische Kino schon immer fundiert geliefert. Und auch Regisseur Oh Seung-uk möchte sich mit seinem dritten Film (er scheint nur alle acht Jahre einen Film zu drehen) in die Liste angesehener Rache-Filme einreihen und schickt dafür Jeon Do-yeon ins Rennen, die ihre Wut stoisch nach Innen reflektiert und somit absolute Geduld vom Zuschauer einfordert, denn in Revolver ersetzt das Zucken am Augenlid so manche Schlägerei. Regisseur Oh Seung-uk meinte es etwas zu gut mit der viel gepriesenen Ruhe vor dem Sturm. PLAION PICTURES brachte das Rache-Drama aus Korea nun auf Blu-ray und im Stream heraus.

Originaltitel: Ribolbeo

Regisseur: Oh Seung-uk

Darsteller:   Jeong Jae-yeong, Ji Chang-wook, Lim Ji-yeon, Jeon Do-yeon, Lee Jung-jae

Artikel von Kai Kinnert

Für eine ordentliche Stange Geld und eine große Wohnung nimmt die Polizistin Soo-yeong nach einem Bestechungsskandal unter ihren korrupten Kollegen die Schuld auf sich. Nach zwei Jahren wird sie aus dem Gefängnis entlassen – und stellt fest, dass sie betrogen wurde. Ihre einstigen Kollegen wollen nichts mehr von ihrem Versprechen wissen. Doch Soo-yeong schlägt zurück und beginnt einen erbarmungslosen Kampf um Gerechtigkeit.

Es gibt Filme, für deren Sichtung man durchaus mal ein oder zwei Anläufe braucht. Hier waren es vier. Dieser Rachenthriller wurde für einen koreanischen Film ungewöhnlich langsam inszeniert, so langsam, dass gefühlt schon Stunden ins Land gegangen sind als man auf die Uhr blickt und feststellt: es waren doch erst 30 Minuten. Passiert da gleich mal was? Die Antwort auf die Frage nicht abwarten könnend, stoppe ich den Film und gehe ins Bett. Am nächsten Tag die nächsten 30 Minuten, bis ich nach vier Nächten die 114 Minuten vollendet habe. Revolver – Back for Revenge hat mit Jeon Do-yeon eine supercoole Hauptdarstellerin (Ashfall, Emergency Declaration), deren stoische Rührungslosigkeit erst Begeisterung in mir auslöste, und dann tiefe Müdigkeit. Polizistin Soo-yeong brauchte Geld für den Kauf einer Wohnung und hat sich von ihren korrupten Polizisten-Kollegen mit in den kriminellen Sumpf ziehen lassen. Natürlich hat sie gerne ihre Hand aufgehalten, Wohnungen sind in Seoul unbezahlbar teuer und selten außerdem, da darf man bei der Herkunft des Geldes nicht wählerisch sein. Doch die ganze Nummer geht schief und Soo-yeong geht für die Kollegen in den Knast, denn ihr Strafmaß war am geringsten und es gibt einen Batzen Geld, wenn sie wieder aus dem Knast kommt.

Nach knapp zwei Jahren ist es so weit, Soo-yeong kommt aus dem Knast und ist sichtlich angepisst. Sie passiert am Knast-Tor ein Schild mit der Aufschrift „Willkommen im neuen Leben!“ (Sinngemäß) und bleibt erst einmal genervt und voller Wut am Wegesrand stehen. Ihr Gesicht, ihre Körperhaltung, all´ das ist großartig. Es kommen alsbald zwei Fahrzeuge vorbei und wollen sie abholen, und damit beginnt die Rache Soo-yeongs, wenngleich doch auf eine sehr, sehr, sehr und nochmals sehr langsame Art und Weise, die auch viel damit zu tun hat, andere gegeneinander auszuspielen und Energie über Muskelzuckungen im Gesicht abzuleiten. Das stoische Stehen und „Abwarten“ ist eines der wesentlichen Stilmittel in diesem Film, obgleich ein Teleskopschlagstock und ein Revolver mit zwei Schuss Munition ein weiteres Mittel der Rache für Soo-yeong ist. Um das Töten ihrer ehemaligen Kollegen geht es Soo-yeong nicht, sie möchte nur das Geld, das ihr einst versprochen wurde. Natürlich drückt sich jeder der feinen Kollegen und beteiligten Ganoven um die versprochene Zahlung und so muss Soo-yeong dann doch am Ende zum Schlagstock greifen und die Sache regeln.

Bis die Sache geregelt ist, musste ich viermal stoppen und bin ins Bett gegangen. Meine anfängliche Begeisterung über dieses „Herunterspielen“ von Gefühlen und Aktion empfand ich erst als großartig, im Laufe der Spielzeit jedoch als hinderlich, geradezu „klebrig“. Die Regie passt sich der Regungslosigkeit seiner Hauptdarstellerin an und lässt den Film quasi gänzlich zum Stillstand kommen, oder umgekehrt: die mangelnde Dynamik der Inszenierung lähmte seine Hauptdarstellerin derart, dass man die saugende Passivität für „nach Innen gespielte Wut“ interpretieren konnte.

Revolver – Back for Revenge ist ein Film, der sich Zeit lässt und den Rest, so möchte man sagen, im Dialog auflöst. Erst im letzten Drittel des Filmes erwacht Soo-yeong aus ihrer Regungslosigkeit und wartet endlich mal nicht nur ab, sondern greift zum weiträumig angekündigten Schlagstock und mischt den hysterischen Pool an Ex-Kollegen und hineingezogene Familienangehörige auf, das dann allerding überraschend unspektakulär. Revolver – Back for Revenge möchte ein Film der Gesichter sein, so der Regisseur im Making Of der Blu-ray. Es passiert wahrlich wenig in diesem Film, denn die große Spannung, die packende Dynamik, die spiegelt sich nur im Zucken eines Muskels im Gesicht ab und lässt den Rest „links“ liegen. Mag die Besetzung auch gut gewählt sein, so ersetzt auch bei guten Schauspielern die Mimik nicht gänzlich die Action. Erstrecht, wenn kaum etwas passiert und zu viel von der Wut nach Innen gespielt wird. Schade, denn Jeong Jae-yeong ist ansonsten ein richtig guter Racheengel.

Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, satt und klar, der Ton ist gut. Als Extras gibt es Trailer und ein Making Of.

Amazon Partner Links:

Blu-ray

Prime Video

Zurück zur Startseite