Kaum ein anderes Franchise erlitt einen so konsequent qualitativen Abstieg wie die Hellraiser-Reihe. Clive Barkers Erstling iwurde ein Genre-Meilenstein, die erste Fortsetzung ein interessanter Einblick in die Welt der Zenobiten. Die Teile drei und vier gerieten dann deutlich schwächer, inklusive hanebüchener Weltraum-Story mit Effekten aus der Mottenkiste. Die Geldgier der Produzenten führte dazu, dass danach irgendwelche Horrorfilm-Drehbücher wahllos ausgewählt und zwei Seiten mit Pinhead hinzugeschrieben wurden. Fertig war die Vorlage für einen x-beliebigen Ost-Europa-Stinker mit dem zugkräftigen Titel Hellraiser Teil irgendwas auf dem Cover. Auf zehn stetig mieser werdende Filme brachte es die Reihe schließlich, an deren späte Fortsetzungen sich aber kaum jemand noch erinnern kann (oder möchte). Im Jahr 2022 entstand dann, im Gewand eines Reboots, ein neuer Film, der sich endlich wieder dichter an der Vorlage von Kultautor Clive Barker orientierte. Bislang war der Streifen nur im Stream erhältlich, jetzt hat TURBINE MEDIEN den Sammlern unter Euch eine Freude gemacht und auch Hellraiser – Das Schloss zur Hölle auf den physischen Markt gebracht.

Originaltitel: Hellraiser

Regie: David Bruckner

Darsteller: Odessa A’zion, Jamie Clayton, Adam Faison, Drew Starkey, Brandon Flynn, Aoife Hinds

Artikel von Christian Jürs

Die Achtziger waren schon ein geiles Jahrzehnt für Horrorfans. Freddy Krueger, Jason Voorhees, Chucky, Michael Myers und auch Pinhead waren die Schreckensgestalten, die in den Kinos und vor allem den Videotheken begeisterte Genrefans mit ihren Sequels um sich scharrten. Ich war damals dreizehn Jahre jung, als das Qualitäts-Label Highlight Video die Buchbox von Clive Barkers Hellraiser – Das Tor zur Hölle an die Videotheken auslieferte. Für mich als pubertierender Teenager ein beeindruckendes Seherlebnis, auch wenn die eigentlichen Schauwerte damals selbstverständlich der Schere zum Opfer fielen. Die Fortsetzung Hellbound – Hellraiser 2 erwischte es noch wesentlich schlimmer, hier waren ganze Handlungsblöcke nicht mehr nachvollziehbar dank der amoklaufenden Zensurschere. Diese Zeiten haben mittlerweile glücklicherweise ein Ende, auch dank des Einsatzes von Turbine Medien, die mehrere Teile des Franchises unzensiert veröffentlicht haben. In deren Portfolio gesellt sich jetzt auch Hellraiser – Das Schloss zur Hölle, der bislang exklusiv im Stream bei Paramount+ erhältlich war.

Riley (Odessa A’zion) hat im Leben ein paar falsche Richtungen eingeschlagen. Immerhin ist sie seit mehreren Monaten von Alkohol und Drogen weg und wohnt nun als Untermieterin bei ihrem Bruder Matt (Brandon Flynn) und dessen Partner Colin (Adam Faison). Sehr zum Missfallen von Matt ist Riley eine Beziehung mit Trevor (Drew Starkey) eingegangen, den sie bei den anonymen Alkoholikern kennengelernt hat. Matt befürchtet, dass der trockene Alkoholiker seine Schwester erneut auf den Geschmack der lästigen Drogen bringen könnte. Tatsächlich soll sich sein Misstrauen bestätigen, als Trevor seiner Freundin vorschlägt, einen einsamen Warencontainer aufzubrechen, in dem sich zurückgelassene Wertgegenstände befinden sollen. Doch vor Ort finden die beiden lediglich einen Tresor, in dem sie einen eigenartigen Würfel entdecken, der sich als ein Puzzlespiel entpuppt – ein tödliches Puzzlespiel.

Die Enttäuschung über die magere Beute ist groß, doch Riley entschließt sich, den Würfel trotzdem einzustecken und ihren Frust in Alkohol zu ertränken. Als Matt sie in diesem Zustand erwischt, wirft er sie aus dem Haus, woraufhin die junge Frau sich zusätzlich Pillen einwirft und im Delirium aus Versehen das Würfelpuzzle löst. Damit öffnet sie das Tor zur Welt der Zenobiten, die den Besitzer des Würfels in ihre Welt voller Lust und Schmerz mitnehmen wollen. Da sie in der weggetretenen Riley jedoch kein williges Opfer erkennen, entführen sie stattdessen den herbeieilenden Matt in ihre Welt. Gemeinsam mit Colin und Trevor versucht Riley verzweifelt, ihren Bruder zurückzuholen. Dabei geraten sie auf die Spur des eigentlichen Würfelbesitzers; den Millionär Voight (Goran Višnjić), der besessen von der Welt der Zenobiten und ihrer mit Nägeln übersäten Priesterin (Jamie Clayton) ist.

Endlich! Mit dem elften Film der Reihe kehrt das Franchise zu seinen Wurzeln zurück und kann dabei auch handwerklich überzeugen, was man von den letzten, schundigen Machwerken leider nicht mehr behaupten konnte. Seine Vorgänger ignorierend, übernahm hier Jamie Clayton, eine Transfrau, die Rolle des Pinhead. Einst von Doug Bradley zur Kultfigur aufgestiegen, gab der beeindruckt seinen Segen zu Jamie Claytons Performance. Die machte ihren Job hervorragend und kommt der Romanfigur, die bei Clive Barker noch geschlechtslos, aber mit einer hohen Stimme versehen war, erstaunlich nahe. Auch die anderen Schauspieler machen einen guten Job, insbesondere Odessa A’zion (Until Dawn), die ihrer zerrissenen Figur Glaubwürdigkeit verleiht.

Atmosphäre, Effekte, Spannungsbogen – Hellraiser – Das Schloss zur Hölle macht einiges richtig, ist in letzter Konsequenz aber mit seiner Laufzeit von zwei Stunden ein wenig zu lang geraten. Auch kann sich das Reboot nicht vollkommen vom Original lösen, taucht doch an zwei prägnanten Stellen die Originalmusik aus Hellraiser – Das Tor zur Hölle und Hellbound – Hellraiser 2 auf, quasi, um die alten Fans mit Member-Berries zu versorgen. Unterm Strich ist es aber der beste Film der Reihe seit Teil 2.

Turbine Medien hat mal wieder eine Premium-Veröffentlichung rausgehauen. Qualitativ gibt´s natürlich nix zu meckern, insbesondere sieht der Film auf der 4K-Scheibe natürlich geil aus, es gibt auch wieder zusätzlich eine komplette Bonus-Blu-ray obendrauf. Auf der Haupt-Disc befinden sich Trailer und zwei Audiokommentare. Auf der Bonus-Scheibe geht´s dann richtig ab. Dort befindet sich ein knapp einstündiges Interview mit Regisseur David Bruckner, sowie den Drehbuchautoren Ben Collins und Luke Piotrowski, ein halbstündiges Interview mit den Effekte-Leuten Josh Russell und Sierra Spencer, die Featurette Leviathan Tech, sowie diverse Trailer zu diesem und anderen Hellraiser-Filmen. Mir lag das Steelbook vor, weswegen ich nicht in den Genuss des 56-seitigen Booklets von Tobias Hohmann kam, welches sich im Inneren der Mediabooks befindet.

Turbine Shop:

Mediabook – Cover A (4K UHD & 2 Blu-rays)

Mediabook – Cover B (4K UHD & 2 Blu-rays)

Mediabook – Cover C (4K UHD & 2 Blu-rays)

Mediabook – Cover D (4K UHD & 2 Blu-rays)

Steelbook (4K UHD & 2 Blu-rays)

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