Es erstaunte schon ein wenig, als ein Sequel zum übersinnlichen Horror-Thriller The Black Phone angekündigt wurde. Der von Scott Derrickson (Sinister / Doctor Strange) inszenierte Gruselfilm, der auf einer Kurzgeschichte von Joe Hill, dem Sohn von Horror-Legende Stephen King, basiert, schien auserzählt und hätte im Prinzip keine Fortsetzung benötigt – schon gar nicht erneut mit Ethan Hawke in der Antagonisten-Rolle. Doch der Weg, den man in der Fortsetzung einschlug, ist durchaus originell und kann funktionieren. Kann, denn schaut man sich die Kritiker- und Zuschauermeinungen an, so scheiden sich an Black Phone 2 die Geister. UNIVERSAL PICTURES bringen den Schocker jetzt im Vertrieb von PLAION PICTURES ins Heimkino – auch in einer schicken Steelbook-Variante. Ich verrate Euch, wie anders die Fortsetzung geworden ist.

Regie: Scott Derrickson
Darsteller: Madeleine McGraw, Mason Thames, Miguel Mora, Ethan Hawke, Demián Bichir
Artikel von Christian Jürs
Eine kleine Warnung vorab: Ich werde nicht umher kommen, die Ereignisse aus The Black Phone zu spoilern. Keine Sorge, die Inhaltsangabe zur Fortsetzung wird natürlich nur die Grundhandlung erklären, da diese jedoch auf den Ereignissen des Vorgängers aufbaut, gibt es keinen anderen Weg. Nicht, dass einer nachher heult.

Vier Jahre sind vergangen seit Finn (Mason Thames), mit Hilfe der Anrufe der verstorbenen Kinder, aus den Fängen des Grabbers (Ethan Hawke) entkam. Auf der Flucht tötete Finn den Serienmörder, so dass nun ein- für allemal Ruhe für ihn und seine, von Visionen geplagte, Schwester Gwen (Madeleine McGraw) eingekehrt ist. Doch Finn hat die Ereignisse, die sich damals im Keller des Grabbers abspielten, nicht allzu gut verarbeiten können und leidet seither an Angstzuständen und Aggressionsausbrüchen, denen der zum Einzelgänger mutierte Jugendliche nur mit dem heimlichen Genuss von Marihuana gegensteuern kann.
Währenddessen träumt seine medial begabte Schwester immer häufiger vom eingeschneiten, christlichen Feriencamp Alpine Lake in Colorado, wo ebenfalls diverse Kinder ermordet wurden. Als sie eines Tages in einem dieser Träume einen Anruf ihrer verstorbenen Mutter Hope (Anna Lore) erhält, die damals, als die Morde stattfanden, als Aufseherin im besagten Camp arbeitete, will Gwen unbedingt der Sache auf den Grund gehen. Gemeinsam mit ihrem Bruder und Ernesto (Miguel Mora), der bis über alle Ohren in Gwen verknallt ist und einst seinen Bruder an den Grabber verlor, begibt sie sich unter dem Vorwand, dort in den Ferien arbeiten zu wollen, zum winterlichen Bibel-Camp. Aufgrund eines Schneesturms ist der Laden allerdings geschlossen und nur noch eine Notbesetzung vor Ort – und auch der totgeglaubte Grabber scheint dort immer noch herumzuspuken.

War The Black Phone noch ein beinahe handelsüblicher Psychothriller mit einer übersinnlichen Komponente (die Kinder, die aus dem Jenseits anrufen), begibt sich Regisseur und Co-Autor Scott Derrickson diesmal voll auf den Horror-Pfad. Das hat zwar mit der Kurzgeschichte von Stephen King Sprössling Joe Hill so gar nichts mehr gemein, dafür bekommt der Zuschauer eine stimmungsvolle Gruselnummer, irgendwo zwischen dem Feriencamp-Slasher Freitag der 13. und dem Albtraum-Horror aus A Nightmare on Elm Street.
Insbesondere in den, grobkörnig gefilmten Traumsequenzen, die wirken wie Skinamarink, nur mit Handlung und gefilmten Gesichtern, wirken enorm gruselig und verstörend. Ethan Hawke hat diesmal zwar nur sehr wenig Screentime, dafür ist seine Präsenz umso unheimlicher und bedrohlicher geraten. Erneut ist es erstaunlich, wieviel Leben er seiner Figur einhaucht, obwohl er fast durchgehend unter einer Maske versteckt bleibt. Lediglich der Bodycount hätte für meinen Geschmack etwas ausufernder ausfallen können. Doch ich will nicht meckern, was es hier an Gewalt gegen Kinder gibt, ist schon enorm schockierend. Da wundert man sich über die FSK 16 Freigabe durchaus.

Mir lag zur Rezension der Blu-ray-Rohling vor. Qualitativ gibt´s natürlich bei einem aktuellen Film nix zu meckern. Auch im Bonusbereich gibt es etwas Futter. So spendiert man uns einen Audiokommentar, geschnittene Szenen und zwei weitere Featurettes.
An Black Phone 2 werden sich, wie bereits erwähnt, die Geister scheiden. Wer nochmal das Gleiche haben möchte wie beim Erstling, der wird enttäuscht werden. Ich hingegen hatte viel Spaß mit der deutlich gruseligeren, horrorlastigen Fortsetzung.
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