Fans klassischer, britischer Krimis dürfen Hurra schreien, denn ARTHAUS / STUDIOCANAL haben eine edle Sammler-Box mit fünf Verfilmungen von Agatha Christie-Romanen veröffentlicht. Vier der Werke sind äußerst bekannte Klassiker rund um die Meisterdetektive Hercule Poirot und Miss Jane Marple, ein Film fällt aber etwas aus der Rolle. Und genau mit diesem Werk möchte ich meine Rezensions-Reihe zur Agatha Christie-Collection starten. Mord nach Maß lief damals nicht in diesen hiesigen Kinos und wurde erst von 1985 von Taurus Video in Deutschland unter dem Originaltitel Endless Night veröffentlicht. Für mich war die Vorbereitung zur Rezension eine Erstsichtung. Ob der Film, in dem sich einige bekannte Gesichter aus der James Bond-Reihe tummeln, wohl mit seinen Konkurrenten in der Sammelbox mithalten kann?

Originaltitel: Endless Night
Regie: Sidney Gilliat
Darsteller: Hywell Bennett, Hayley Mills, Britt Ekland, Per Oscarsson, George Sanders, Lois Maxwell
Artikel von Christian Jürs
Die berühmte Kriminalautorin Agatha Christie war bereits 77 Jahre alt, als ihr Roman Endless Night in Großbritannien erstveröffentlicht wurde. Die Verfilmung des Stoffes passte ihr nicht sonderlich, zumal die Filmemacher dort eine Sexszene mit blankem Busen (pfui!) einfügten. Mich störte dieses Bonus-Feature freilich nicht. Meine Probleme mit Mord nach Maß sind anderer Natur. Doch kommen wir erstmal zum Inhalt.

Michael Rogers (Hywell Bennett) ist ein junger Mann mit Träumen, aber wenig Bargeld in der Tasche. Seine Leidenschaft gilt der Kunst und dem Autofahren. Während sich Michael von Job zu Job, meist als Chauffeur, hangelt, besucht er auf seinen Reisen kostspielige Kunst-Auktionen und bietet auch immer mal wieder mit – nur so zum Spaß. Als sein größter Traum entpuppt sich aber das von ihm durch Zufall entdeckte Grundstück mit dem Namen Gypsy’s Acre – Zigeuneracker, auf dem es angeblich spuken soll. Doch finanziell bleibt der Erwerb des traumhaften Landes reines Wunschdenken für Michael.
Dann aber scheint sich sein Blatt durch eine schicksalhafte Begegnung zu wenden, als er beim Fotografieren seiner Traumlandschaft plötzlich eine junge, äußerst attraktive Amerikanerin (Hayley Mills) kennenlernt, mit der er den restlichen Tag verbringt. Bevor sich die Turteltauben wiedertreffen, findet Michael aufgrund eines Zeitungsberichts heraus, dass es sich bei der Unbekannten um Fenella ‚Ellie‘ Thomsen handelt, eine Tochter aus extrem wohlhabendem Hause.

Natürlich ist die gesamte Familie Ellis gegen eine Beziehung zwischen dem Chauffeur aus ärmlichen Verhältnissen und der Milliardärin. Daher beauftragen sie den Anwalt und Freund der Familie Andrew Lippincott (George Sanders), Michael ein finanzielles Abfinde-Angebot zu machen. Doch Liebende lassen sich nicht aufhalten und so lehnt der junge Mann dankend ab und heiratet Elli kurzerhand, die ihm eine Freude machen will und sein geliebtes Stück Land kauft. Dort lässt sich das frisch vermählte Ehepaar ein traumhaftes, modernes Anwesen vom weltberühmten, aber sterbenskranken Architekten Rudolf Santonix (Per Oscarsson) erbauen. Alles scheint perfekt für das junge Ehepaar, doch dann zieht Ellis beste Freundin und Vertraute Greta (Britt Ekland) bei den beiden ein und drängt sich zwischen das Ehepaar, was der Beziehung mehr und mehr zusetzt – bis es zur Katastrophe kommt.
Mord nach Maß ist keiner der Krimis, für die Agatha Christie bei uns bis heute so beliebt ist. Kein Meisterdetektiv ermittelt und auch ein Verbrechen ist über den Großteil der Laufzeit nicht erkennbar. Stattdessen wird uns die Geschichte aus dem Off von Michael in teils bedeutungsschwangeren Worten erzählt, die über weite Strecken recht unspektakulär die Beziehungsgeschichte unserer Hauptpersonen wiedergibt. Dabei fällt schnell auf, dass Hauptfigur Michael Rogers nicht der sympathischste Zeitgenosse ist, ganz im Gegensatz zu seiner bezaubernden Frau, die zur Charaktereinführung auch mal sinnlich über die Wiese des vermeintlich verfluchten Grundstücks tanzt. Man ahnt schnell, dass ihr im Laufe der Handlung übel mitgespielt werden wird.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, der mehr mit der Romanze, statt mit der Krimihandlung gefüllt wird. Dabei dürfen wir die zumeist unsympathischen Familienmitglieder kennenlernen, zu denen unter anderem die damalige Miss Moneypenny-Darstellerin Lois Maxwell gehört. Nicht die einzige Darstellerin aus dem James Bond-Franchise, denn Britt Ekland sah man damals als naive Agentin Goodnight in Der Mann mit dem goldenen Colt und auch Walter Gotell, der in mehreren Filmen der Reihe auftrat, ist hier zugegen. Einen bleibenden Eindruck hinterließ aber vor allem Schauspieler George Sanders, dessen eigene Geschichte leider tragisch endete. Sanders erlebte die Premiere nämlich nicht mehr, da er Suizid durch Schlaftabletten begann, angeblich aus Langeweile am Leben.
Schaut man auf die Qualität dieses 4K-remasterten Streifens, so bemerkt man schnell, dass hier nur ein stark beschädigtes Master als Vorlage zur Verfügung stand (der Fluch eines alten, unbekannten Films). Das durchaus farbenfrohe Bild ist grobkörning und immer wieder von Verschmutzungen durchtränkt. Im Bonusbereich gibt es eine Einführung von Filmkritiker Jean-Baptiste Thoret und entfallene Szenen.
Insgesamt ist es zwar schön, dass dieser vergessene Streifen in die Collection mit aufgenommen wurde, ich hätte mir aber den thematisch passenderen Ein Unbekannter rechnet ab aus dem Jahr 1974 mit Oliver Reed und Gert Fröbe eher gewünscht.

Weitere Filme in der Collection:
Tod auf dem Nil (Kritik folgt in Kürze)
Mord im Spiegel (Kritik folgt in Kürze)
Das Böse unter der Sonne (Kritik folgt in Kürze)
sowie Poster und ein Booklet mit vielen Abbildungen alter Kinoplakate
Amazon Partner Links:
Agatha Christie Collection (4K UHD & Blu-ray)
Agatha Christie Collection (Blu-ray)