Als CONSTANTIN FILM vor ziemlich genau zwei Jahren ankündigte, dass Michael „Bully“ Herbig, gemeinsam mit seinen Weggefährten Christian Tramitz und Rick Kavanian, eine Fortsetzung seines Erfolgsfilmes Der Schuh des Manitu inszenieren würde, waren die Internet-User mit der Gesamtsituation unzufrieden. Die eine Seite orakelte, dass Bully sich niemals trauen würde, den homosexuellen Winnetouch zurückzubringen und Begriffe wie Indianer fielen sowieso der Woke-Zensur zum Opfer. Die andere Seite sah dass zwar ähnlich, war aber eher erbost darüber, dass Bully sich trauen würde, die alten Klischees wieder aufleben zu lassen und dadurch eventuell betroffene Personengruppen zu diskriminieren. Doch es kam alles ganz anders. Das Kanu des Manitu mauserte sich zum erfolgreichsten, deutschen Film 2025 in den Kinos und statt Häme hagelte es erstaunlich viel Lob. LEONINE STUDIOS hat die Western-Posse jetzt im Heimkino veröffentlicht, damit sich auch die Stubenhocker die Western-Komödie nicht entgehen lassen müssen.

Regie: Michael „Bully“ Herbig
Darsteller: Michael Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica Schwarz, Friedrich Mücke, Sky du Mont
Artikel von Christian Jürs
Als Der Schuh des Manitu anno 2001 in den Kinos startete, hätte sich Michael Herbig wohl niemals träumen lassen, dass er mit der Langfassung seines Bullyparade-Sketches stolze zwölf Millionen Zuschauer in die Kinos locken würde. Es wurde der bis heute erfolgreichste, deutsche Film. Auch die Nachfolgewerke (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 und Lissi und der wilde Kaiser ließen die Kassen klingeln. Zuletzt aber war die Luft ein wenig raus. Sein Politthriller Tausend Zeilen mit Elyas M´Barek geriet zum Kassengift und ist auch wirklich ziemlich furchtbar. Ein Hit musste her, denn nach der gefühlt 49. Staffel von LOL: Last One Laughing waren die Leute den eingestreuten, gespielten Lachern Bullys längst überdrüssig. Also wagte er sich an sein spätes Sequel Das Kanu des Manitu. Ein kluger Schachzug, wie die sechs Millionen Zuschauer im deutschsprachigen Bereich belegen.

Die Jahre mögen ins Land gezogen sein, doch Abahachi (Michael Herbig) und Ranger (Christian Tramitz) sind immer noch Blutsbrüder und Freunde fürs Leben. Doch dann wird der Zug von Lokomotivführer Lukas (Waldemar Kobus) ausgeraubt und die Diebe von diesem eindeutig identifiziert: Ranger und Abahachi. Flugs werden beide vom Sheriff Kane (Friedrich Mücke) und seinem trotteligen Deputy Ratford (Rick Kavanian) verhaftet und daraufhin zum Tode verurteilt, obwohl sie natürlich völlig unschuldig sind.
Hinter der Sache steckt eine sechs-, nein, siebenköpfige Gang, angeführt von einer Frau, genannt „Der Boss“ (Jessica Schwarz). Die Bande wurde von einem dubiosen Ölbaron beauftragt, den Apachen das Kanu des Manitu zu entwenden. Hierfür benötigen sie einen von Indianer (Hust!) vom Stamme der Apachen, nämlich Abahachi, den die Gang sodann vom Galgen schießt. Glücklicherweise ist auch ein alter Bekannter vor Ort, der Grieche Dimitri (Rick Kavanian), der gemeinsam mit seiner neuen Restaurant-Gehilfin Mary (Jasmin Schwiers) auch Ranger rettet. Auf der Flucht vor dem Gesetz begeben sich Ranger, Mary, Abahachi und Dimitri auf die Jagd, das Kanu des Manitu zu retten, ehe die Räuberbande in dessen Besitz gerät. Dabei sind ihnen der Sheriff und sein Deputy stets auf der Spur.

Fans von Michael „Bully“ Herbig dürfen aufatmen. Nein, sein Das Kanu des Manitu ist nicht durch und durch woke geworden, auch wenn er sich hier und da über genau dies lustig macht. Selbst den homosexuellen Winnetouch bekommen wir kurz zu Gesicht. Der bringt die Handlung aber kaum weiter, sondern fungiert als nostalgisches Fan-Zugeständnis, von denen es gar zahlreiche gibt. So ertönt auch hier der Song Superperforator, der damals der größte Lacher im Originalfilm war. Das Kanu des Manitu ist im Grunde eine nostalgische Gag-Renaissance, bei der die Fans von damals ständig wohlwollend nicken dürfen. Es fehlen eigentlich nur Hilmi Sözer als Hombre und Marie Bäumer als Uschi, wobei Letztere immerhin kurz erwähnt wird. Sky du Mont kam auf der Zielgeraden auch kurz vorbei und absolvierte seinen letzten Auftritt vor dem Rentenantritt. Schade, er hätte gerne durchgehend dabei sein dürfen, denn Jessica Schwarz bleibt als Ersatz-Bösewichtin leider reichlich blass. Dafür ist Friedrich Mücke als Augenklappe tragender Sheriff, der stets die Himmelsrichtungen verwechselt, durchaus lustig. Mit Rick Kavanian konnte ich leider noch nie etwas anfangen, zumal er seine Figuren immer stark overactend präsentiert. Insbesondere der silbenverwechselnde Dimitri ging mir wieder hart auf den… Ihr wisst schon.
Das Kanu des Manitu bietet Fans des Originals eine nostalgische Rückkehr, die handwerklich von Michael Herbig ordentlich inszeniert wurde. Immer wieder lässt er seine Filmleidenschaft durchblitzen, wenn Klassiker wie Indiana Jones und der letzte Kreuzzug oder Zurück in die Zukunft III zitiert werden. Insgesamt ein launiger Spaß für die ganze Familie, sofern man auch heute noch über Der Schuh des Manitu lachen kann. Wer sich beim Originalfilm schon angewidert wegdreht, der braucht hier gar nicht erst einzuschalten.

Mir lag der Blu-ray-Rohling zur Rezension vor. Bild- und Tonqualität sind selbstverständlich top. Im Bonusbereich gibt es haufenweise Interviews, ein Making of, diverse Clips, eine B-Roll und Trailer. Eine Fassung für Sehbehinderte ist ebenfalls vorhanden.
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