We need a hero – einen Atomic Hero! So lautete nämlich die deutsche Bezeichnung von Toxie, dem Toxic Avenger, in der Verfilmung aus den achtziger Jahren. Die Horrorsatire aus dem Hause Troma geriet zum zweifelhaften Kult. Während die eine Seite die respektlosen, punkigen Sex- und Gewaltwerke begeistert als bissige Satire abfeierte, sahen andere darin lediglich Schund und den Niedergang der Filmkunst. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Toxie entwickelte sich zur Kultfigur aus Tromaville, die es auf drei Fortsetzungen und eine Zeichentrick-Serie für Kinder (!!!) brachte. Doch nichts davon kam an den Kult des Originalfilms heran. Viele Jahre plante man ein Reboot, welches 2023 schließlich auf Festivals präsentiert wurde. Peter Dinklage übernahm die Titelrolle (wobei, nicht so ganz) und stellte sich den Bösewichten Kevin Bacon und Elijah Wood entgegen. Nach langem Hadern wurde der Streifen nun endlich veröffentlicht. CAPELIGHT PICTURES übernahm hierzulande den Vertrieb und gab sich, insbesondere bei der Mediabook-Variante, besonders viel Mühe.

Regie: Macon Blair
Darsteller: Peter Dinklage, Jacob Trembley, Taylor Paige, Kevin Bacon, Elijah Wood, Luisa Guerreiro
Artikel von Christian Jürs
Als Atomic Hero (1984) damals von UFA Video reichlich verspätet (1987) in den Videotheken aufschlug, war der noch viel zu junge Christian interessiert. Es gingen ein paar Monate ins Land, ehe ich meine Eltern überzeugen konnte, mir das Tape aus der Videothek zu besorgen. Doch was ich sah, überforderte mich auf intellektueller Ebene. Viel Sex, reichlich Albernheiten und schreckliches Schauspiel wurden mir geboten. Von der angepriesenen Gewalt hatte die Freiwillige Selbstkontrolle nichts übriggelassen (und auch etwas Erotik musste weichen), indiziert wurde der Kultfilm aber natürlich trotzdem. Was wollte man mir mit dem Machwerk sagen? Jahre später kam ich dahinter, als ich in den Genuss der unzensierten Version kam. Böse Teenager, die den Titelhelden in ein offenes Fass mit Giftmüll springen lassen, fiese Gangster, die von unserem Helden frittiert oder ausgeweidet werden und allerlei andere Geschmacklosigkeiten wussten mich zu begeistern. Klingt alles sehr krank, ist aber so comichaft überzeichnet und overacted, dass man Atomic Hero zu keiner Zeit ernst nehmen konnte.

Nach dem vierten Teil war die Luft dann raus. Keiner der Filme konnte auch nur ansatzweise an den Erstling heranreichen. Frischer Wind wurde benötigt und man plante eine familienfreundliche Neuauflage, in der auch Arnold Schwarzenegger auftreten sollte. Doch Pustekuchen, daraus wurde nix. Jetzt aber ist er zurück. Unrated, unzensiert und blutig: The Toxic Avenger (2023) wurde von capelight pictures auch auf das deutsche Publikum losgelassen. Allerdings eine Nummer kleiner als gewohnt, denn kein Geringerer als Peter Dinklage übernahm (zumindest teilweise) die Titelrolle.
War es im Originalfilm noch der etwas dümmliche Melvin, der in ein Fass voll toxischer Flüssigkeit fiel und daraufhin zum entstellten Superhelden mutierte, bekommen wir diesmal die Geschichte von Winston Gooze (Peter Dinklage) erzählt. Der alleinerziehende Vater arbeitet als Hausmeister beim Pharmaunternehmen BTH. Seit seine Frau an Krebs verstarb, hat er den Draht zu seinem Teenager-Sohn Wade (Jacob Trembley) verloren. Als er dann auch noch erfährt, dass er ebenfalls schwer erkrankt ist und die nächsten Monate nur überleben kann, wenn er ein kostspieliges Medikament verabreicht bekommt, begibt er sich zu seinem schmierigen und kriminellen Konzernboss Bob Garbinger (Kevin Bacon), der sich gerade auf einer Spendengala befindet und seinen einfachen Angestellten vor versammelter Mannschaft demütigt und fallenlässt.

Doch es kommt noch schlimmer. Abends begibt sich Winston, mit einem in radioaktiver Flüssigkeit getränkten Wischmopp zum Firmentresor und raubt diesen aus. Auf der Flucht beobachtet er, wie eine junge Frau von einer Gang verfolgt und umgebracht werden soll. In letzter Sekunde rettet Winston ihr das Leben, kassiert dafür jedoch selbst eine Kugel im Kopf und stirbt. Die Gang wirft ihn, samt Giftmüll getränktem Wischmopp, ins nahegelegene Gewässer, wo der radioaktive Müll Winston wiederbelebt und mutieren lässt – zum Toxic Avenger (Luisa Guerreiro), dem es nach Rache dürstet.
Das The Toxic Avenger Remake versucht, den Wahnsinn des originalen Troma-Films einzufangen. Hierfür holte man sich Lloyd Kauman (inklusive Cameo) und seine Produktionsfirma Troma Entertainment mit an Bord, um auf Nummer sicher zu gehen. Tatsächlich ist auch das Remake eine durchaus respektlose Mischung aus Satire, Splatter und Gore. Doch an die Geschmacklosigkeiten des wilden Originals, in dem die Bösewichte zur Belustigung Kinder überfahren und eines der weiblichen Bandenmitgliedern genüsslich zu den Unfallfotos masturbiert, kommt The Toxic Avenger 2023 zu keiner Zeit heran. Nackte Haut beispielsweise gibt es nur kurz während eines Konzerts zu sehen. Dafür stimmt der Splatter-Anteil, auch wenn so mancher Effekt leider digitaler Natur ist.

Peter Dinklage spielt ordentlich, zwängte sich jedoch nicht ins Superhelden-Kostüm und überließ diesen Part Luisa Guerreiro, nachdem er seine Bewegungen vorab auf Video aufgezeichnet hatte, die diese nun nachspielen musste. Kevin Bacon als Bösewicht ist natürlich immer eine Bank und Elijah Wood darf wieder so richtig schön creepy agieren. Summa summarum ein netter Aufguss, der aber im Vergleich zum Originalfilm leider deutlich schwächer daherkommt.
Dafür rockt mal wieder die Veröffentlichung aus dem Hause capelight pictures. Mir lag zur Ansicht die Mediabook-Variante vor, die einiges zu bieten hat. In den Extras (auf allen physischen Veröffentlichungen zu finden) werden uns ein Audiokommentar von Regisseur Macon Blair, der Trailer, ein Blick hinter die Kulissen (24 Minuten), die Featurettes Toxic Crew-Saders (26 Minuten) und Meet the Cast (35 Minuten), sowie ein Mitschnitt vom San Diego Comic-Con-Panel und der Werbe-Kurzfilm Toxic Shock mit Scream Queen Tiffany Shepis geboten. Das stylische Mediabook verfügt im Inneren außerdem über ein 64-seitiges Booklet mit allerlei Hintergrundinfos, Bildern und einem kompletten Comic zum Film geboten. Das ist schon sehr geil.
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