Nachdem wir uns in der ersten Rezension zur brandneuen Agatha Christie Collection um ein weitestgehend unbekanntes Krimi-Drama gekümmert haben, ist heute ein echter Klassiker an der Reihe. Mord im Orient Express aus dem Jahr 1974 (nicht zu verwechseln mit der deutlich schwächeren Kenneth Branagh-Variante von 2017) war die einzige Verfilmung, die Agatha Christie zusagte (sie starb 1976). Albert Finneys Interpretation des Kult-Detektivs Hercule Poirot entsprach dabei ihrer Vorstellung der Romanfigur. Regisseur Sidney Lumet inszenierte düstere, stimmungsvolle Krimi-Kost mit Star-Ensemble. ARTHAUS / STUDIOCANAL sammelte hierzu allerlei Bonusmaterial zusammen. Fans haben Grund zur Freude.

Originaltitel: Murder on the Orient Express
Regie: Sidney Lumet
Darsteller: Albert Finney, Lauren Bacall, Ingrid Bergman, Martin Balsam, Jacqueline Bisset, Sean Connery, Michael York, Anthony Perkins, Richard Widmark, Vanessa Redgrave, Jean-Pierre Cassel
Artikel von Christian Jürs
Regisseur Sidney Lumet haben wir wegweisende Klassiker zu verdanken. Sein kammerspielartiges Krimi-Drama Die 12 Geschworenen schrieb ebenso Kinogeschichte wie die mit Al Pacino besetzten Thriller Serpico und Hundstage. Auch seine Interpretation von Mord im Orient Express war wegweisend, schuf er damit doch die Blaupause für alle kommenden Hercule Poirot Filme. Entgegen der populären Miss Marple Krimis mit Margaret Rutherford wird hier nicht gleich zu Beginn der Mord begangen. Stattdessen lernen wir zunächst einmal alle potentiellen Opfer und Verdächtigen kennen. Erst später, wenn man sich mit den Figuren halbwegs vertraut gemacht hat, kommt es zum Mordfall, gefolgt von den Verhören Poirots und der anschließenden Lösungspräsentation vor versammelter Runde. Ich liebe dieses Konzept und die Produzenten John Brabourne und Richard Goodwin scheinbar auch, denn nach dem warmen Geldregen, der ihnen Mord im Orient Express bescherte, produzierten sie noch drei weitere Agatha Christie-Filme, die uns allesamt in dieser Collection begegnen werden.

Es beginnt ungewohnt düster mit der Entführung der kleinen Daisy Armstrong im Jahr 1930 (basierend auf der echten Entführung des Lindbergh-Babies im Jahr 1932). Brutal wird das Mädchen aus ihrem reichen Elternhaus gerissen. Jegliche Bemühungen, das Kind zurückzubekommen, scheitern. Daisy wird tot aufgefunden. Die Tragweite dessen, was die blutige Tat hervorgerufen hat, wird erst im späteren Verlauf erörtert. Stattdessen springt der Film fünf Jahre in die Zukunft.
Nach erfolgreichem Abschluss eines Falles möchte der belgische Detektiv Hercule Poirot (Albert Finney) von Istanbul zurück nach London reisen. Leider muss er feststellen, dass der Orient Express komplett ausgebucht ist. Doch, Glück im Unglück, vor Ort trifft er zufällig auf Signor Bianchi (Martin Balsam), einem guten Freund und zugleich Besitzer der Bahn, der ihm, dank seiner Beziehungen, einen Schlafplatz im Zug verschafft. Am nächsten Tag bietet ihm einer der wohlhabenden Passagiere, ein gewisser Mr. Ratchett (Richard Widmark) einen Job an. Der Geschäftsmann sieht sein Leben bedroht und bittet Poirot um Personenschutz, doch der lehnt dankend ab.

Ein Fehler? Nach einer Nacht voller merkwürdiger Geräusche auf dem Gang des Schlafwagens wird der ominöse Mr. Ratchett tot in seiner Kabine aufgefunden – getötet von zwölf Messerstichen. Eigentlich ein Fall für die Polizei, doch dann bleibt der Zug mitten im ländlichen Jugoslawien im Schnee stecken und so muss Hercule Poirot zeigen, warum er als Meisterdetektiv gehandelt wird. Er verhört sämtliche Anwesende und bemerkt dabei schnell, dass sich die Aussagen mehr und mehr widersprechen. Ob er diesen kniffligen Fall lösen kann?
Natürlich kann er und der Weg bis dahin ist höchst unterhaltsam, zumal die Verdächtigen von einer wahren Starriege dargestellt wird. Sean Connery, Michael York, Lauren Bacall, Anthony Perkins, Jacqueline Bisset, Vanessa Redgrave und die für ihre Rolle mit dem Oscar ausgezeichnete Ingrid Bergman sind nur ein paar der hochkarätigen Darsteller in diesem Ensemble-Krimi, der von Sidney Lumet meisterhaft inszeniert wurde. Entgegen der 2017er Variante von Kenneth Branagh, dem es um die Hintergründe seiner Detektivfigur ging, konzentrierte sich Lumet auf die eigentliche Geschichte, die er meisterhaft in spitzen Dialogen und kleinen Rückblenden aufdröselt – bis zum wirklich überraschenden Finale. Doch auch wenn man, so wie ich, Mord im Orient Express bereits mehrfach gesichtet hat und sehr wohl um den oder die Täter weiss, so bleibt das Katz und Mausspiel doch immer wieder höchst unterhaltsam.

Die Bildqualität der gesichteten 4K-Scheibe ist sehr gut, auch der Ton kann überzeugen. Im Bonusmaterial gibt es einiges zu entdecken. Vom Audiokommentar, über Making of´s, Behind the Scenes Aufnahmen, ein Portrait über Agatha Christie, Interviews, Trailer, bis hin zur Fotogalerie, es gibt so einiges zu entdecken. Der zweite Film innerhalb der Agatha Christie Collection ist vermutlich die beste Verfilmung eines ihrer Bücher und immerhin mein zweitliebster Film aus der Box und überhaupt ein echter Klassiker, der in jedes Sammlerregal gehört. Beide Daumen hoch für diesen Film.

Weitere Filme in der Collection:
sowie Poster und ein Booklet mit vielen Abbildungen alter Kinoplakate
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