Eigentlich wäre an dieser Stelle die Kritik zu Tod auf dem Nil fällig gewesen, doch da ich Mord im Spiegel zuletzt als Kind im Fernsehen gesehen hatte und meine Erinnerung deutlich verblasst war, packte mich die Neugierde und ich zog den einzigen Miss Marple-Film nach der Ära Margaret Rutherford vor. Konnte die damals eigentlich noch viel zu junge Angela Lansbury (54) ihre Fußstapfen füllen? Immerhin führte der James Bond-erfahrene Guy Hamilton das Regiezepter – und auf dessen Konto ging mit Goldfinger eines der Highlights der Agentenreihe. ARTHAUS / STUDIOCANAL präsentiert auch diesen starbesetzten Film in aufwändiger Restauration innerhalb der Agatha Christie-Collection.

Originaltitel: The Mirror Crack’d
Regie: Guy Hamilton
Darsteller: Angela Lansbury, Elizabeth Taylor, Rock Hudson, Edward Fox, Tony Curtis, Geraldine Chaplin
Artikel von Christian Jürs
Was für ein Cast, den die Produzenten John Brabourne und Richard Goodwin auch diesmal wieder verpflichten konnten, um der Agatha Christie Verfilmung Mord im Spiegel den richtigen Glamour zu geben. i-Tüpfelchen hierbei ist zweifelsohne die Besetzung des Traumpaares Rock Hudson und Elizabeth Taylor, die einst in Giganten Filmgeschichte schrieben. Dabei wollte man die damals 48-jährige, etwas fülliger gewordene Schauspielerin erst gar nicht engagieren. Dank ihres Freundes und Fürsprechers Rock Hudson bekam sie dann doch noch den Zuschlag.

Im kleinen, englischen Dorf St. Mary Mead, der Heimat der schrulligen Krimi-Liebhaberin und Hobby-Detektivin Miss Marple (Angela Lansbury), ist es vorbei mit der Ruhe, als ein amerikanisches Filmteam eintrifft, um dort das Leben der Maria Stuart zu verfilmen. Die Inszenierung übernimmt der berühmte Regisseur Jason Rudd (Rock Hudson), die Titelrolle seine Ehefrau Marina Gregg-Rudd (Elizabeth Taylor). Die war einst ein Stern am Hollywood-Himmel, doch diese Zeit ist längst vorbei.
Bei einem Empfang im Herrenhaus des Ortes kommt es zur Konfrontation, als Filmproduzent Martin N. Fenn (Tony Curtis) die arrogante Schauspielerin Lola Brewster (Kim Novak) mitbringt, die ebenfalls im Film besetzt und zugleich spinnefeind mit Marina ist. Die reagiert auf die Anwesenheit ihrer Konkurrentin wenig erfreut. Als plötzlich Heather Babcock (Maureen Bennett), ein Fan von Marina, vergiftet zusammenbricht, ist schnell klar, dass das Gift, welches die junge Frau zu sich nahm, eigentlich für Marina bestimmt war.

Die Ermittlungen im Mordfall übernimmt Inspektor Craddock (Edward Fox), der praktischerweise der Neffe von Miss Marple ist. Die würde liebend gerne selber ermitteln, muss aber, aufgrund eines verstauchten Knöchels, das Haus hüten. Und so macht sich Craddock auf, alle anwesenden auf der Party, vom einfachen Dienstmädchen (Wendy Morgan) bis hin zu Jason Rudds Assistentin Ella (Geraldine Chaplin), unter die Lupe zu nehmen und zu verhören. Anschließend berichtet er brav seiner Tante die Untersuchungsergebnisse. Als es wenig später zu einem weiteren Mord kommt, fügt sich das Puzzle für Jane Marple langsam, aber sicher zusammen.
Die Zutaten, die hier zusammengemischt werden, sind für sich genommen äußerst schmackhaft, doch Mord im Spiegel kann weder mit Mord im Orient Express noch mit Das Böse unter der Sonne und schon gar nicht mit Tod auf dem Nil mithalten. Zu wenig Miss Marple bekommen wir geboten, was schade ist, denn Angela Lansbury gab sich sichtlich Mühe, Margaret Rutherford vergessen zu machen (was ihr natürlich nicht gelingt). Auch die Besetzung kann sich sehen lassen und Guy Hamilton war ein versierter Regisseur, der sein Handwerk verstand. Doch leider kommt die Auflösung ziemlich plötzlich und kurz gehalten daher, sodass Mord im Spiegel letztlich zwar unterhaltsam, aber halt nicht mehr geworden ist. Ein netter Krimi-Snack für zwischendurch mit außerordentlicher Besetzung. Ach ja, wer genau hinschaut, der kann den blutjungen Pierce Brosnan kurz entdecken.

Die aufwändig restaurierte Bildqualität von Mord im Spiegel ist beeindruckend. Der Mono-Ton ist klar und deutlich. Im Bonusbereich gibt es diesmal einen Audiokommentar, Interviews, eine Featurette über Miss Marple, Behind the Scenes-Material, Fotogalerien und Storyboards, sowie TV-Spots und Trailer zu entdecken.

Weitere Filme in der Collection:
sowie Poster und ein Booklet mit vielen Abbildungen alter Kinoplakate
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