Als müde und dick bezeichnete der deutsche, stets vom Rotwein beschwipste Feuilleton einst John Wayne zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt seiner Filmkarriere. Der seriöse Journalismus fühlte sich vom Duke nicht abgeholt und diagnostizierte diesem Film eine routinierte Kraftlosigkeit und außerdem hätte man von Regisseur Burt Kennedy witzigeres erwartet. Scheinbar hatte man noch Kennedys Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe von 1969 im Kopf und glatt übersehen, dass Burt Kennedy unmittelbar vor Dreckiges Gold den blutigen Revenge-Western In einem Sattel mit dem Tod drehte, ein Film, der weit weg von Witz und Ironie ist. Und wie bei In einem Sattel mit dem Tod, legte Kennedy auch hier besonderes Augenmerk auf die filmische Eröffnung und lockerte später sogar Waynes Ritt durch die Wüste mit ein paar Trickblenden im Sonnenuntergang auf. Das habe ich in einem Wayne-Western so noch nicht gesehen. Kennedy schrieb und inszenierte hier zwar einen eher kleinen Film mit übersichtlichem Budget, kleinen Sets und einem fülligen John Wayne, ist dabei aber weit weg von einer gelangweilten Inszenierung, die einem müden Hauptdarsteller in der letzten Karriere-Runde bei der Arbeit zusieht. Burt Kennedy war einfach zu erfahren, als dass er seine Filme zäh und ohne Ideen inszenieren würde. Allein die Eröffnung lässt ein Rätseln, ob Kennedy hier nicht ein sehr starkes Spiel mir das Lied vom Tod-Zitat abliefert, denn die Ähnlichkeiten sind frappierend. Mir gefällt der Gedanke, dass Kennedy in der Eröffnung von In einem Sattel mit dem Tod die Western von Sam Peckinpah zitiert haben könnte und in dieser Bahnhofsstation-Eröffnung nun eben Sergio Leone, mit seiner wortlosen dreiminütigen Inszenierung vom Warten auf einen Zug, inklusive staubigen Wüstenwind, quietschende Schildern, vom Winde bewegte Schaukelstühle und einem langen Gleis, dass in der Fern schwindet. Ein Cowboy wartet. Drei weitere werden hinzukommen. PLAION PICTURES bringt den John Wayne-Klassiker nun im Mediabook heraus.

Originaltitel: The Train Robbers

Drehbuch & Regie: Burt Kennedy

Darsteller: John Wayne, Ann-Margret, Rod Taylor, Ben Johnson, Christopher George

Artikel von Kai Kinnert

Der berüchtigte Eisenbahnräuber Lowe wird bei seinem letzten Coup von einer Kugel getroffen und getötet. Nur seine Witwe weiß, wo er die Beute – eine halbe Million Dollar in Gold – versteckt hat. Sie will den Namen ihres toten Gatten reinwaschen und sucht Hilfe bei dem Bürgerkriegsveteranen Lane und seinen Männern, um die Beute zu finden und sie der Bahngesellschaft zurückzugeben. Doch der Job hat einen Haken: Die Komplizen von Lowe sind ebenfalls hinter dem Gold her und bereit, dafür über Leichen zu gehen … Ein verfluchter Goldschatz, ein verschwundener Zug und die Witwe eines Diebes – was kann da schon schiefgehen? Einiges.

Die Eröffnung habe ich mir dreimal angesehen. Für mich ist das filmisch die beste Eröffnung, die Burt Kennedy je in seinen Filmen ablieferte. Der blutige Shoot-Out aus In einem Sattel mit dem Tod ist zwar auch knackig und besonders, zitiert aber eben die blutige Dynamik aus Peckinpahs Arbeit und nicht die filmische Auflösung des Wartens, setzt sein Augenmerk also auf einen ganz anderen Aspekt des Inszenierens. Der Film blendet auf und es passiert erst einmal nichts. Drei Minuten lang wartet ein Cowboy auf den Zug, dann gibt es drei, vier kurze Dialogzeilen und danach wird wieder etwas gewartet. Nach 4 Minuten und 30 Sekunden kommt endlich der Zug, hält, und aus dem letzten Wagon steigt ein Cowboy. John Wayne. Die wartenden Cowboys atmen auf und runzeln die Stirn. John Wayne kommt mit einer Frau an: Ann-Margret (heute 85 Jahre alt und noch immer im Geschäft). Mit dieser völlig entspannten und filmisch inspirierten Eröffnung hatte Kennedy sofort mein Herz erobert. Danach weicht diese Inspiration, wie so oft in seinen Filmen, etwas hinter der Routine zurück, findet aber immer wieder genug Momente der Originalität, um seinen Film zu einer sicheren Bank in der Unterhaltung zu machen. Burt Kennedy war irgendwie so ein Typ wie Peter Hyams: Kein Genie, aber immer solide und inspiriert genug, um selbst routinierte Produktionen sicher nach Hause zu schaukeln.

Eine kleine Westernstadt, die keinen Profit aus der Anbindung ans Bahngleis schlagen konnte, ein in der Wüste verschwundener Zug und eine Bande finsterer Gesellen, die auch das Gold haben wollen – mehr benötigt Kennedy nicht, um daraus einen goutier-baren Western zu drehen, der das geringe Budget dank einiger optischer Einfälle geschickt verschwinden lässt. Und neben der netten Leone-Eröffnung leistete sich Burt Kennedy auch noch einen Dreh On Location, war also wirklich vor Ort und in den Nacht-Szenen wurde auch wirklich nachts gedreht. Das war ziemlich ungewöhnlich, da solche Nachtaufnahmen immer unbequem sind: Das ganze Team muss dann wirklich nachts raus und man muss mehr mit dem Licht arbeiten, die Emulsionen müssen beachtet werde usw. usf. Aber die Wirkung ist einfach besser. Eine abgedunkelte, also künstlich erzeugte Nacht, die bei Tage gedreht wird, sah damals nie gut aus, selbst heute ist dieses nachträgliche Abdunkeln grenzwertig.

Kennedy und sein Team sind also in der Nacht unterwegs gewesen und haben so dieses fantastische, tiefe Schwarz der Umgebung einfangen können, beinahe einsaugend pechschwarz ist es dort. Ein Umstand, der für die spätere Explosion von zwei Gebäuden sehr hilfreich ist und mit einem gewaltigen Rumms die tiefschwarze Nacht mit orangenem Feuerschein erhellt. Wie in den Extras kurz erzählt wird, wurde das Gebäude spontan und improvisiert in die Luft gejagt, einer der Stuntman hatte ein paar echte Stangen Dynamit ins Haus geworfen. Der Explosion nach zu urteilen, müssen das mehr als zwei Stangen gewesen sein. 

Woran sich einst der deutsche Feuilleton wohl störte, war nicht nur der vom Whiskey genährte Bauch John Waynes, sondern wohl auch die Geradlinigkeit des Drehbuchs, dass eigentlich nur erzählt, wie Gruppe A (Wayne) von Gruppe B (Räuber) verfolgt wird – nur um zu sehen, ob Wayne denn endlich auf das versteckte Gold gestoßen ist. Als das dann auch geschieht, kommt es zur großen Schießerei in der Wüste, mit einem Zug, der in den Sandwehen steckt und somit ein irgendwie spannendes und abenteuerliches Szenenbild abgibt. Und wenn zum Ende hin der letzte Schuss gefallen ist, gibt es doch noch einen kleinen Twist, der irgendwie passt und die Sache dann doch nicht so vorhersehbar enden lässt.

Dreckiges Gold hatte mir gefallen. Man merkt zwar, dass hier mit begrenzten Mitteln gearbeitet wurde, aber Regisseur Burt Kennedy ist gut genug, auch daraus unterhaltsame 90 Minuten zu machen. John Wayne macht hier das, was er eigentlich immer macht, aber er macht es ganz gut. Er trägt sogar sein rotes Hemd. Kurzweilig, recht straff inszeniert, mit einiger Action versehen und mit ein paar gelungene filmischen Einfällen garniert, konnte dieser Western gut unterhalten!

Das Bild der gesichteten Blu-ray war sauber, satt und klar, der Ton war gut. Als Extras gibt es eine Featurette über die Stuntmen bei John Wayne und Trailer.

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