Widmen wir uns heute doch mal wieder der Agatha Christie Collection aus dem Hause ARTHAUS / STUDIOCANAL. Nachdem die Produzenten John Brabourne und Richard Goodwin mit Mord im Orient Express einen großen Kassenerfolg feiern konnten, war es nur eine Frage der Zeit, bis Meisterdetektiv Hercule Poirot nochmal auf die Leinwand zurückkehren sollte. Vier Jahre gingen ins Land, bis es so weit war. Für Albert Finney, der keine Lust mehr auf die Rolle hatte (genaueres dazu in der Kritik), übernahm der großartige Peter Ustinov, dem auch ein Kenneth Branagh nicht das Wasser reichen konnte. Unterstützt von einem gransiosen Star-Ensemble, entstand mit Tod auf dem Nil die meiner Meinung nach beste Roman-Adaption einer Agatha Christie-Verfilmung – bis heute.

Originaltitel: Death on the Nile

Regie: John Guillermin

Darsteller: Peter Ustinov, David Niven, Mia Farrow, Maggie Smith, Angela Lansbury, Lois Chiles

Artikel von Christian Jürs

Das sind Zahlen, von denen können die Filmstudios heute nur noch träumen: Mord im Orient Express spielte, bei einem Budget von 1,5 Millionen Pfund, weltweit mehr als 27 Millionen Dollar ein. Ich habe zwar keinen Plan, wie es Mitte der Siebziger um den Wechselkurs stand, gehe aber von einem massiven Gewinn aus. Albert Finney wurde angefragt, seine Rolle als Hercule Poirot nochmals aufzunehmen, doch der Schauspieler lehnte dankend ab. Hauptgrund hierfür war das unangenehme Make Up, welches er für die Rolle tragen musste. Dieses empfand er bereits beim Dreh im Bahnwaggon als unerträglich warm. Die Aussicht, dieses auch beim Dreh im heißen Ägypten, wo der Hauptteil des Filmens stattfand, tragen zu müssen, erschien ihm als Albtraum. Ein Ersatzmann musste also her.

Diesen fand man in Peter Ustinov, der die Rolle vollkommen anders anging und sich damit in die Herzen der Zuschauer spielte. Denkt man heute an Herrn Ustinov, hat man zunächst unweigerlich Hercule Poirot im Kopf und vor allem diesen Film. Als Regisseur holte man John Guillermin an Bord, der zuvor die beiden Großproduktionen Flammendes Inferno und King Kong inszenierte. Tod auf dem Nil sollte sein Opus Magnum werden. Hinterher kamen von ihm leider nur noch Mistfilme wie der Mega-Flop Sahara, sowie die Trash-Gurken Sheena: Königin des Dschungels und King Kong lebt. Oh weia.

Der Aufbau des Krimis erinnert dabei stark an den Vorgänger Mord im Orient Express, wobei sich Guillermin mit der Einführung seines Opfers und der Verdächtigen deutlich mehr Zeit nimmt. Doch keine Sorge, die stolzen 140 Minuten Laufzeit werden zu keinem Zeitpunkt langweilig, im Gegenteil. Wir lernen also das potentielle und von allen Anwesenden verhasste Opfer Linnet Ridgeway (Lois Chiles) kennen, die dem Zuschauer aber niemals unsympathisch wird, obwohl sie gleich zu Beginn ihrer besten Freundin Jacqueline De Bellefort (Mia Farrow) den Verlobten Simon Doyle (Simon MacCorkindale) ausspannt und vom Fleck weg heiratet. Im Gegenteil, es ist Jacqueline, die uns suspekt wird, da sie fortan wie besessen das junge Glück stalkt.

In Ägypten kommt es, während Linnets und Simons Flitterwochen, schließlich zu einem Mordanschlag, der jedoch missglückt. Da zufälligerweise auch Hercule Poirot anwesend ist, der, ebenso wie unser Pärchen und eine ganze Riege von Verdächtigen, an einer Nilkreuzfahrt auf einem Luxusdampfer teilnimmt, beginnt der Meisterdetektiv, die Passagiere genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihm zur Seite steht ein alter Freund, der britische Colonel Johnny Race (David Niven). Doch beide können nicht verhindern, dass Linnet nachts schließlich gewaltsam das Zeitliche segnet. Poirot setzt fortan alles daran, den oder die Täter zu stellen.

War die erste Filmhälfte bereits äußerst amüsant, blüht der Film nach dem Mord erst so richtig auf, inklusive der obligatorischen Zusammenkunft aller Beteiligten im Finale, in dem Poirot in Rückblenden den Tathergang genauestens aufdröselt und den Fall löst. Dabei stellt sich das Duo Ustinov / Niven als äußerst unterhaltsam heraus. Aber auch der restliche Cast, bestehend aus allerlei Hollywood-Größen in den Rollen der Verdächtigen, ist überwältigend. Bette Davis, Maggie Smith, George Kennedy, Jack Warden, Olivia Hussey und eine äußerst brillante Angela Lansbury sind unter anderem mit dabei.

Meidet das furchtbare, weitestgehend im Studio entstandene Remake aus dem Jahr 2022 und schaut Euch unbedingt diese Verfilmung hier an. Besser kann man einen Krimi aus der Feder Agatha Christies nicht umsetzen. Auch wenn ich, seit Kindheitstagen, die Auflösung bereits kenne, so habe ich doch immer wieder Freude an diesem zeitlosen Krimi-Spaß für die ganze Familie. Tod auf dem Nil anno 1978 ist schlichtweg genial.

Genial ist auch die neue 4K-remasterte Version des Klassikers. Noch nie sah ich den Film in so satten, strahlenden Farben. Das Bild ist gestochen scharf und verfügt nur über sehr geringes Rauschen. Auch das Bonusmaterial kann sich sehen lassen, denn hier wurde so einiges zusammengetragen. Es gibt einen Audiokommentar, ein Video-Essay, diverse Interviews, ein altes Making of, Fotogalerien, eine Behind the Scenes Featurette und den Trailer.

Tod auf dem Nil ist allein schon die Anschaffung der Agatha Christie Collection wert.

Weitere Filme in der Collection:

Mord nach Mass

Mord im Orient Express

Mord im Spiegel

Das Böse unter der Sonne

sowie Poster und ein Booklet mit vielen Abbildungen alter Kinoplakate

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