Seit einigen Wochen nun liegt dieser Anime bereits auf meinem Rezensions-to-do-Stapel und endlich fand ich Zeit und Muße, mich der Veröffentlichung aus dem Hause KSM ANIME, im Vertrieb von PLAION PICTURES, zu widmen. Der Film, der mittlerweile ein viertel Jahrhundert alt ist, basiert auf einer deutlich älteren Manga-Vorlage. Die stammt bereits aus dem Jahr 1949. Damals ließ sich der Zeichner Osamu Tezuka von einem Werbebild zu Fritz Langs Stummfilm-Klassiker Metropolis inspirieren, ohne zu wissen, worum es in dem Film eigentlich geht. Trotzdem verpasste er seinem Werk selbigen Titel (Metoroporisu). Diesen trägt auch der Anime im Original. Er musste aber bei uns, aufgrund eines Einspruchs der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, in Robotic Angel abgeändert werden. Sachen gibt´s.

Originaltitel: Metoroporisu
Regie: Rintarô
Deutsche Sprecher: Sabine Bohlmann, Nico Macoulis, Ekkehardt Belle, Kai Taschner
Artikel von Christian Jürs
Osamu Tezuka gilt als einer der Pioniere des Manga-Comics. Auf seine Kappe geht die legendäre Astro Boy-Reihe, die ihre Erstveröffentlichung zwischen 1952 und 1958 erfuhr. Bei uns nahm sich Carlsen Comics in den frühen 2000er Jahren diesen Comics an, während die erste Anime-TV-Serie hierzu in Japan bereits 1963 erschien. Mehrere Varianten, darunter ein Kinofilm aus dem Jahr 2009, sollten folgen. Die Verfilmung seines Metropolis-Mangas, der, wie eingangs erwähnt, hierzulande in Robotic Angel umgetauft werden musste, entstand im Jahr 2001 unter der Regie von Rintarô (Doomed Megalopolis), der dem Werk einen altmodischen Look verpasste – so, wie es die Vorlage hergab.

Die Handlung findet im dystopischen Ort Metropolis statt. Dort leben Menschen und Roboter miteinander, wobei Letztere deutlich weniger Rechte besitzen, nicht alle Orte betreten dürfen und als einfache Arbeiter ihr Dasein fristen müssen. Über allem herrscht der fiese Duke Red, der dem irren Wissenschaftler Dr. Laughton, der nebenbei illegalen Organhandel betreibt, die Aufgabe erteilt, ein Robotermädchen zu erschaffen, mit deren Hilfe er seine Allmachts-Fantasien ausleben kann. Dabei hat er aber die Rechnung ohne seinen Adoptivsohn Rock gemacht, der Anerkennung bei seinem Vater sucht, indem er Jagd auf das Robotermädchen macht, das auf den Namen Tima hört.
Auf seiner Jagd ermordet er Dr. Laughton und legt sein Labor in Schutt und Asche, doch Tima entkommt aus dem Inferno und trifft auf den Jungen Ken´ichi, der seinem Onkel, dem Detektiv Shunsaku Band, bei Ermittlungen in diesem Fall helfen möchte. Er nimmt Tima unter seine Fittiche und tritt mit ihr die Flucht vor dem brutalen Rock an. Während sie stets in letzter Sekunde dem Tod von der Klinge springen, lernt Tima, was es bedeutet, zu leben. Das unschuldige Mädchen weiß dabei nicht, dass sie ein künstliches Lebewesen ist und hofft tragischerweise so sehr, doch ein Mensch zu sein. Zwar kümmert sich Ken´ichi rührend um das Mädchen, doch irgendwann holt sie das Schicksal ein.

Auch wenn so manche Hintergrundbilder aus Computeranimationen bestehen, so fügen sich diese doch perfekt in den altmodischen Retro-Look des Anime ein. Robotic Angel wirkt zu keinem Zeitpunkt, als wäre er Anfang des 21. Jahrhunderts entstanden, sondern deutlich früher – und das ist keine Kritik, sondern ein ernst gemeintes Lob. Liebevoll animiert, geht diese altmodische Science-Fiction-Geschichte zu Herzen, auch wenn sie in meinen Augen nicht zu den allerbesten seiner Art gehört. Da hat das Studio Ghibli meiner Meinung nach des Öfteren deutlich die Nase vorn. Trotzdem sollten sich Fans altmodischer Animes und tiefgründiger Dystopien keinesfalls abhalten lassen, die Veröffentlichung aus dem Hause KSM Anime ins Regal zu stellen (der Film erschien bereits vor Monaten in einer Mediabook-Auflage, jetzt abgespeckt im Double-Feature).
Bildtechnisch wirkt Robotic Angel (mit Absicht?), als wäre er irgendwann in den 1980ern entstanden. Der Ton im 5.1-Format (Deutsch, Englisch und Japanisch) hingegen klingt zeitgemäß. Als besonderes Schmankerl liegt der Veröffentlichung eine Bonus-DVD bei, auf der ein etwa halbstündiges Making of, sowie Interviews, Animationsvergleiche im Arbeitsprozess und eine Bildergalerie zu finden sind. Auf der Hauptdisc ist zudem der Trailer aufgespielt.
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