Mit der Verfilmung dieser nicht ganz so populären Hercule Poirot-Geschichte endet die Agatha Christie Collection aus dem Hause ARTHAUS / STUDIOCANAL. Erneut schlüpfte Peter Ustinov in die Rolle des eigenwilligen Meisterdetektivs und bekam abermals einen sehenswerten Cast an seine Seite, der ebenfalls ein paar Rückkehrer beinhaltet. Auch auf dem Regieposten nahm ein alter Bekannter Platz. Doch diesmal verzettelten sich die Produzenten John Brabourne und Richard Goodwin – der Krimi floppte an der Kinokasse. Schade eigentlich, denn Das Böse unter der Sonne gehört zu den besseren Agatha Christie-Verfilmungen. Lest mehr dazu in meiner Kritik.

Originaltitel: Evil Under the Sun

Regie: Guy Hamilton

Darsteller: Peter Ustinov, James Mason, Colin Blakely, Jane Birkin, Maggie Smith, Roddy McDowall, Diana Rigg, Denis Quilley, Nicholas Clay

Artikel von Christian Jürs

Was viele von Euch vermutlich nicht wussten: Stolze sechsmal schlüpfte der britische Schauspieler Sir Peter Alexander Freiherr von Ustinov, so sein kompletter Name, in die Rolle des genialen Privatdetektivs. Seinen ersten Auftritt hatte er 1978 im genialen, bereits an anderer Stelle besprochenen Tod auf dem Nil, gefolgt von der hier an der Tagesordnung stehenden Vorstellung in Das Böse unter der Sonne. Mitte der Achtziger spielte er die Rolle erneut in den drei TV-Produktionen Mord à la Carte, Mord mit verteilten Rollen und Hercule Poirot: Tödliche Parties. 1988 versuchte das strauchelnde Studio Cannon Group nochmal ihr Glück und produzierte mit Rendezvous mit einer Leiche nochmal eine Kinoadaption. Doch der mittelprächtige Film spielte weltweit nicht mal eine Millionen Dollar ein. Es war der letzte Auftritt Peter Ustinovs als Hercule Poirot. Doch kommen wir zurück zu Das Böse unter der Sonne.

Cast und Crew dieses Krimis liest sich wie ein Best of der Vorgänger. So holten sich die Produzenten John Brabourne und Richard Goodwin Regisseur Guy Hamilton zurück, der zuvor bereits Mord im Spiegel inszenierte. In der Riege der Verdächtigen tummeln sich nach Tod auf dem Nil erneut Jane Birkin und Maggie Smith, während Denis Quilley und Colin Blakely bereits bei Mord im Orient Express mit an Bord waren. Ursprünglich war zudem geplant, dass David Niven seinen Part als Colonel Johnny Race, dem Sidekick von Hercule Poirot in Tod auf dem Nil, wieder aufnehmen sollte. Doch dessen schwindende Gesundheit zwangen ihn leider zur Absage. Er starb ein Jahr später. Dafür kamen große Namen wie James Mason, Roddy McDowall und Diana Rigg hinzu. Alles klang nach einem sicheren Hit. Doch 1982 wollten die Kinogänger lieber Spektakel wie E.T. – Der Außerirdische, Nur 48 Stunden, Poltergeist oder Star Trek II – Der Zorn des Khan sehen.

Die Handlung findet diesmal auf einer sonnigen Mittelmeer-Insel statt, auf der sich ein Luxus-Hotel befindet. Dort gastiert, neben allerlei illustren Gästen, auch Hercule Poirot (Peter Ustinov), der im Fall eines vermissten Edelsteins ermittelt. Alle Anwesenden haben ihren Spaß, bis die divenhafte, ein wenig in die Jahre gekommene, Schauspielerin Arlena Marshall (Diana Rigg) aufschlägt, die mit so ziemlich jedem Anwesenden im Clinch liegt. Als diese schließlich auf brutale Art und Weise das Zeitliche segnet, muss Poirot herausfinden, wer von den vielen Verdächtigen einen so großen Hass auf das Starlett hat, dass es für einen Mord ausreicht.

Im Grunde also ein ähnliches Szenario wie zuvor in den anderen Filmen rund um Poirot. Doch während Mord im Orient Express noch ein düsterer, gruseliger Krimi war und Tod auf dem Nil ebenfalls ernsthaft daherkam, hat Regisseur Guy Hamilton hier ein wenig den Schalk im Nacken. So sehen wir den schrulligen Poirot im albern aussehenden Badeanzug, während Roddy McDowall als Drehbuchautor Rex Brewster zum Overacting neigt. Auch das Mordopfer ist diesmal überzogen snobistisch und bietet wenig Grund, damit man ihr nachtrauert. Kein Wunder, dass man für die Synchron-Regie hierzulande Schnodder-Schnauze Rainer Brandt engagierte. Dass Peter Ustinov sich diesmal selbst synchronisierte und einen belgischen Akzent hinzufügte, passt dabei wie die Faust aufs Auge.

Vermutlich klingen meine Zeilen ein wenig kritischer, als ich den Film wirklich sehe. Dies liegt vermutlich einfach daran, dass ich ihn kurz nach Tod auf dem Nil ge-rewatched habe und diesen schlichtweg liebe. Auch Das Böse unter der Sonne schätze ich sehr und habe immer wieder viel Spaß mit dem Streifen. Wenn Poirot im letzten Drittel alle Verdächtigen zusammentrommelt, um das Ergebnis seiner Ermittlungen zu präsentieren, geht mir jedes Mal das Herz auf. Trotzdem schafft der jüngste Film innerhalb der Agatha Christie Collection es in meiner Gunst nur ins Mittelfeld, hinter Tod auf dem Nil und dem düsteren Mord im Orient Express.

Bild- und Tonqualität der aufwändig 4K-restaurierten Fassung können sich wieder sehen- und hören lassen. Das Bild ist kräftig in Schärfe und Farben, lässt aber auch Filmkorn nicht vermissen. Im Bonusmaterial gibt es wieder so einiges zu entdecken. Neben einem Audiokommentar gibt es ein Interview mit der damaligen Kinderdarstellerin Emily Hone, die sich an die Dreharbeiten zurückerinnert. Dann gibt es noch ein Video-Essay zum Film, diverse Interviews, Fotogalerien, ein Making of, Trailer und Radiospots und ein Special zur Filmvorführung in Anwesenheit der Queen, dass den unfassbaren Titel „In gnädiger Anwesenheit von S.M. der Königin & S.R.H. des Herzogs von Edinburgh im Odeon Leicester Square“ – lernt den Titel mal auswendig. Viel Spaß wünsche ich (auch bei den Filmen innerhalb dieser Box).

Weitere Filme in der Collection:

Mord nach Mass

Mord im Orient Express

Tod auf dem Nil

Mord im Spiegel

sowie Poster und ein Booklet mit vielen Abbildungen alter Kinoplakate

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