Da war ich wohl etwas verwirrt und habe mich definitiv vorab nicht richtig informiert. Als ich neulich bei der Aufzeichnung zur Pantoffelkino-Neuheiten-Episode diese Veröffentlichung aus dem Hause BUSCH MEDIA GROUP angeteasert habe, war ich fest der Überzeugung, hier einen deutschen Underground-Horrorfilm vorliegen zu haben. Fragt mich nicht warum, ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, woher diese Fehlinformation in meinem Kopf kam. The Death of Snow White ist tatsächlich eine US-Produktion aus dem Low Budget-Bereich (Budget 1,2 Millionen Dollar), in der die Geschichte von Schneewittchen als blutige Fantasy-Variante nacherzählt wird. Die gute Nachricht vorab: Von Rachel Zegler und Gal Gadot ist weit und breit keine Spur in diesem Film zu finden.

Regie: Jason Brooks
Darsteller: Sanae Loutsis, Chelsea Edmundson, Tristan Nokes, Meredith Binder, Risa Mei, Jeremy Hallam
Artikel von Christian Jürs
Was war der Aufschrei groß, als die Live-Action-Variante von Walt Disneys Schneewittchen-Zeichentrick-Interpretation ausgerechnet mit Rachel Zegler in der Hauptrolle angekündigt wurde. Nicht nur, dass sie keine Haut, weiß wie Schnee besitzt, auch ihre Aussagen bezüglich des Märchens stießen auf wenig Gegenliebe. Die Entscheidung, die Zwerge nicht von Kleinwüchsigen spielen zu lassen und stattdessen in letzter Minute auf CGI-Scheußlichkeiten umzuschwenken, war ebenso fatal wie das Schauspiel und der Gesang der bösen Königin Gal Gadot. Ein vergessenwerter Film.

Was dies betrifft, so kann ich Euch bezüglich dieser Interpretation, die für ein erwachsenes Publikum gedacht ist, absolute Entwarnung geben. Schneewittchen, dargestellt von Sanae Loutsis, entspricht optisch genau dem, wie man sich die Figur vorstellt. Die Zwerge werden von Kleinwüchsigen dargestellt und die böse Königin (Chelsea Edmundson) spielt herrlich fies. Hinzu kommt, dass man die Geschichte gar nicht allzu sehr abändern musste, um einen Film für Erwachsene daraus zu machen.
Im Grunde ist alles beim Alten. Die böse Königin will Schneewittchen an den Kragen, allerdings nicht nur, weil sie schön ist, sondern auch, weil ihr der Spiegel, bzw. die drei nackigen, dämonischen Schönheiten (Mikaele Porter / Kerry Murphy / Chynna Rae Shurts), die sich darin räkeln, nahelegen, Schneewittchens Herz zu verspeisen (!), damit sie deren Jugend in sich aufnehmen kann. Klingt nach einem Festschmaus. Auch die Geburt unserer Hauptfigur, inklusive Kaiserschnitt, verläuft deutlich derber als erwartet.

Ansonsten ist alles zunächst einmal wie bekannt: Schneewittchen verliebt sich in einen holden Prinzen (Tristan Nokes), flieht zu den sieben Zwergen (die allesamt über verschiedene Kampfeigenschaften verfügen, die im Finale nochmal wichtig werden) und auch den vergifteten Apfel gibt es hier. Doch einige Dinge, die ich natürlich nicht vorwegnehmen möchte, überraschen durchaus. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. So ist der Film mit seinen 110 Minuten Laufzeit im Mittelteil einfach zu lang geraten. Hier mutiert der Film vom Erwachsenen-Märchen mehr und mehr zu einem familientauglichen Abenteuerfilm mit einigen Witzchen, bei denen ich allerdings mehrfach schmunzeln musste. So zum Beispiel, wenn einer der Mitstreiter des Prinzen bei Betreten des düsteren, verwunschenen Waldes zu bedenken gibt, dass Schneewittchen nicht die einzige Prinzessin sei und eine Umorientierung auf ein anderes Mädchen eventuell eine gute Idee sei, schon der eigenen Gesundheit wegen.
Leider sieht man The Death of Snow White sein geringes Budget immer wieder deutlich an. Alles schreit nach ausgeleuchteter Kulisse, die Kostüme sehen aus wie Cosplay und von den digitalen Effekten fange ich besser gar nicht erst an. Die handgemachten Schmadderszenen wiederum können überzeugen und auch die Darsteller agieren allesamt besser, als man es von so einem Streifen erwarten würde. Wann man also damit klarkommt, dass der Film im Mittelteil schwächelt und optisch ausschaut wie eine Episode von Xena – Die Kriegerprinzessin, dann kann man als Horrorfan durchaus einen Blick riskieren. Kein durchweg guter Film, den Disney-Schinken aus dem vergangenen Jahr steckt er aber locker in die Tasche (zumal deutlich weniger gesungen wird). Ach ja, die Schlusseinstellung von The Death of Snow White ist wunderschön, geht zu Herzen und ist wirklich gut gewählt. Schnief.

Die Blu-ray, die uns die Busch Media Group zur Verfügung gestellt hat, verfügt über eine gute Bild- und Tonqualität und eine ordentliche Synchronisation. Im Bonusbereich gibt es Trailer und ein Wendecover ohne FSK-Logo ist ebenfalls vorhanden.
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