Zu Zeiten der VHS-Kassette gab es für mich zwei Thriller, bei denen ich mich richtig fürchtete. Beide Filme bauten für mich eine so packende Grundspannung auf, dass ich völlig angespannt aufrecht auf dem Stuhl saß und teilweise kurzsichtig über den Rand meiner Brille blicken musste, um nicht ganz so kalt vom Schock der Spannung erwischt zu werden. Beide Filme hatte ich damals nachts alleine gesehen und konnte es kaum aushalten. Der dänische Thriller Nightwatch von Ole Bornedal war der eine Film und Todesstille von Phillip Noyce der andere. Und wer aus meinem Freundeskreis diese Filme nicht kannte, musste sie sich in einer meiner Videonächte ansehen. Todesstille habe ich also einige Male geschaut, ein Film, der mich, dank seines minimalistischen Settings, seit jeher begeisterte. Doch wie wirkt der Film heute auf mich, knapp 36 Jahre später? Geht er heute noch als packender Thriller durch, oder hat sich die Filmsprache so verändert, dass der Streifen heute Schiffbruch erleidet? Nein, der Film strandet auch heute nicht, denn es gibt ein paar Aspekte, die noch immer gut funktionieren. PLAION PICTURES brachte das Kammerspiel nun als Mediabook (Blu-ray und DVD) erstmals uncut für den deutschen Markt heraus.

Originaltitel: Dead Calm
Regie: Phillip Noyce
Darsteller: Nicole Kidman, Sam Neill, Billy Zane
Artikel von Kai Kinnert
Ein Segeltrip soll das Ehepaar John (Sam Neill) und Rae Ingram (Nicole Kidman) nach einer furchtbaren Tragödie auf andere Gedanken bringen. Doch plötzlich wird ihre Idylle auf hoher See gestört: Ein Fremder rudert von einem sinkenden Schoner herüber zu ihrer Yacht und erzählt, dass die gesamte Crew seines Schiffes an einer Lebensmittelvergiftung gestorben sei. John und Rae nehmen dem hilfsbedürftigen Mann (BillyZane) auf ihrem Boot auf, doch schon bald wachsen die Zweifel an seiner Geschichte.

Angenehm an diesem Thriller ist der beengte Raum, in dem die Handlung spielt. Die Konzentration auf drei Personen. Man ist auf hoher See, wahrscheinlich irgendwo zwischen Tasmanischer See und dem Korallenmeer vor der australischen Küste und dümpelt bei lauer Luft träge vor sich hin. In der Ferne entdecken John und Rae einen schwarzen Schoner und etwas Kleines zwischen dem Schoner und ihrem eigenen Boot: Es ist ein Ruderboot mit einer Person an Bord, welches durch das Sonnenlicht reflektierende Wasser zu ihnen übersetzt. Der Zuschauer weiß natürlich, dass das nicht gut werden wird, nur John und Rae ahnen noch nicht, dass ihre Hilfsbereitschaft (John ist bei der Marine und für ihn ist es selbstverständlich, jeden in Seenot zu retten) in einem brutalen Alptraum enden wird. Phillip Noyce verliert mit seinem Thriller keine Zeit für dramaturgische Mätzchen und vermeintlicher Charaktertiefe, hier werden die Eckpunkte des Spannungsbogens schnell gesetzt und der Film nimmt nach schon wenigen Minuten seine bedrohliche Fahrt auf.
Billy Zane erreicht das Segelboot des Ehepaares und ist völlig aufgelöst und erschöpft. An Bord des Schoners ist eine Katastrophe passiert, angeblich gab es wohl eine heftige Lebensmittelvergiftung, alle auf dem Schoner sind tot und das Schiff ist auch noch Leck geschlagen und sinkt. Da ein Katz- und Maus-Spiel mit drei Personen an Bord eines Schiffes schnell zu Billy Zanes Nachtteil gereicht werden könnte, muss das Paar getrennt werden. Man versorgt also den geretteten Billy Zane, der sich erst einmal erschöpft auf eine Koje zurückzieht und von John eingeschlossen wird. Wobei man von „einschließen“ nicht wirklich reden kann: Hinter dünnen Holztüren mit kleinen Schiebe-Riegelchen ist man nicht wirklich gefangen. John, ganz der erfahrene Seemann, will also zu dem sinkenden Schoner übersetzen und dort sehen, was passiert ist. John setzt also über, als Billy Zane wieder erwacht. Er ahnt, hier läuft es nicht in seinem Sinne, und er schafft es, dass Rae ihn aus der Kabine lässt.

John erreicht derweil den Schoner und findet dort ein verwüstetes Schiff vor, welches John nun wieder seetüchtig machen möchte, als er plötzlich die Leichen entdeckt. Er ahnt, dass es keine Lebensmittelvergiftung war, die hier für Tod und Verderben sorgte, sondern Billy Zane, der nun ganz alleine mit Rae an Bord seines Segelschiffs ist. Zane gelingt es nun, den Abstand zwischen den beiden Schiffen zu vergrößern. Im Grunde haut er nun mit Nicole Kidman ab, die Billy Zane erst einmal nichts entgegenzusetzen hat. Zwischen den beiden beginnt ein Spiel um Vertrauen und Bedrohung. Rae muss jetzt sehen, dass sie am Leben bleibt und versucht Billy Zane immer wieder so zu manipulieren, dass John eine Chance auf Rückkehr vom sinkenden Schiff hat. Dabei ist ihr jedes Mittel recht. Und Billy Zane spielt mit.
Das Spannungsspiel zwischen Nicole Kidman und Billy Zane ist bis heute eine gute Leistung. Zane spielt markant, man möchte ihm irgendwie trauen, aber irgendwie auch nicht, denn der Typ ist wie ein schmieriger Aal, irgendwo zwischen Freundlichkeit und pathologischem Wahnsinn angesiedelt, der es immer wieder schafft, die Oberhand zu gewinnen. Selbst als man denkt, dass Ding ist nun erledigt, kommt der Kerl einfach zurück, eine Situation im Film, die ich längst vergessen hatte und die bis heute noch immer gut funktioniert. Hier gab es damals dann auch die eine Einstellung, die man gekürzt hatte.

Todesstille ist noch immer ein spannendes Kammerspiel, das ganz von seiner beengten Situation und dem hervorragenden Spiel zwischen Nicole Kidman und Billy Zane lebt. Sam Neill ringt auf dem sinkenden Schoner um sein Leben und muss zusehen, dass er sich irgendwie auf ein paar Planken rettet, um seiner Frau, die mit Billy Zane längst am Horizont verschwunden ist, hinterher treiben zu können. Ein hoffnungsloses Unterfangen, denn ohne Nicole Kidman würde auch er nicht überleben. Rae muss sich also nicht nur gegen Billy Zane behaupten, sie muss auch noch das eigene Schiff wenden, um ihren Ehemann zu retten.
Dieser Thriller auf hoher See ist bis heute ein sehenswerter Film. Das Kammerspiel wurde straff inszeniert und ist in seiner Dramaturgie durchaus zeitlos. Phillip Noyce nimmt sein Publikum ernst, das Drehbuch verzichtet recht fokussiert auf Firlefanz und Unnötiges, wobei der Film größtenteils recht realistisch im Spannungsbogen bleibt. Hier kann eben niemand bei Gefahr zurück in den Wald laufen oder sich auf dem Dachboden verstecken. Überleben bedeutet hier die direkte Konfrontation, Nicole Kidman hat keine Zeit für sentimentale Befindlichkeiten. Und das macht den Film bis heute sehenswert gut.

Das Bild der gesichteten Blu-ray war durchschnittlich. Unter Deck, im schummerigen Licht, nahm die Körnung extrem zu und die Farben wurden flach, das Schwarz ist dort nicht satt, das Bild zog nach. Die beste Qualität erreichte Todesstille an Deck bei Tageslicht. Der Ton ist gut. Als Extras gibt es ein Booklet, Trailer und eine Bildergalerie.
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