There´s murder on the dancefloor, denn ab jetzt könnt Ihr endlich mit den Dämonen tanzen! Aus dem Hause LUCKY 7 erschien der Kult-Schlocker Demon Wind nicht nur in toller Bildqualität und wie üblich inklusive Bierdeckel und Filmposter, Ihr bekommt noch den fetzigen Soundtrack auf CD obendrauf. Dass der Film nun offiziell auch in Deutschland vertrieben werden darf, hat der einst beschlagnahmte Dämonen-Schocker ausgerechnet einem Computerspiel zu verdanken. Denn im Game High on Life, welches von der USK eine Freigabe erhielt, kann man sich in einem Kinosaal den kompletten Horrorschinken anschauen. Da mussten auch die hiesigen Zensoren einknicken und strichen den §131er mit der Begründung „Der Film ist nach heutigen Maßstäben nicht mehr als jugendgefährdend anzusehen.“ aus ihrer Giftliste. Beste Voraussetzungen für diese Non-Plus-Ultra-Edition. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zu den bisherigen Veröffentlichungen des Horrorfilms.

Originaltitel: Demon Wind
Drehbuch & Regie: Charles Philip Moore
Darsteller: Eric Larson, Francine Lapensée, Jack Forcinito, Stephen Quadros, Lynn Clark, Richard Gabai
Artikel von Christian Jürs
Da hatte ich damals aber Schwein. Im Jahr 1991, ich war zu der Zeit 16 Jahre alt, war ich Stammkunde in der kleinen Videothek Videobox bei uns in der Nähe. Nicht mit einem eigenen Clubausweis, sondern mit der Mitgliedskarte meiner Eltern. Diese bekam ich ausgehändigt, da meine Mutter es leid war, wöchentlich mit meiner Endlospapier-Liste, gedruckt mit meinem brandneuen 9-Nadel-Drucker, die Regale zu durchforsten. Ja, meine Wunschliste war stets ca. 100 Filme lang, damit meine Mutter, der ich auftrug, jede Woche drei Filme für mich zu leihen, nie mit leeren Händen heimkam. Natürlich sollte sie nach Priorität die Regale absuchen (die Filme auf der Liste waren nummeriert von 1 bis 100), was ihr nur so mäßig gelang.

Entnervt von ihrem mauligen Teenager-Sohn, bat sie die Chefin des Ladens, eine heiße, hochtoupierte und ständig Kaugummi kauende Spätachtziger-Blondine, die aussah, wie Kylie Minogue in ihrer I Sould be so lucky-Phase, ob ich nicht persönlich im Laden vorbeischauen durfte. Für sie war es okay und so betrat ich den Laden, nahm irgendeinen Anhänger bei den Neuheiten mit zum Tresen und forderte mein Glück heraus. Meine Frage „Haben Sie eventuell auch Kosmokiller?“ im Sortiment, eröffnete mir das Paradies für Horrorfans, denn sie deutete einfach auf die Horrorecke und meinte „Der muss da drüben stehen!“ – Ratet, wo ich mich die nächsten Monate rumgetrieben habe. Sehr zum Leidwesen ihres blonden, Schnauzbart tragenden Freundes, dem der Minderjährige Kunde ein Dorn im Auge war. Mehrfach hörte ich, während ich zwischen Die Rückkehr der reitenden Leichen und Die Nacht der Vampire entscheiden musste, wie er mit ihr diskutierte über meine Anwesenheit. Doch meine regelmäßige Einzahlung meiner Ausbildungsvergütung in die Kasse der gegen die Konkurrenz schwächelnden Videobox überzeugte ihn schließlich, mich gewähren zu lassen.
Eines Tages, ich war gerade in Kauflaune, erspähte ich das Cover der Madison Video-Veröffentlichung von Tanz der Dämonen im Verkaufsregal der 10,- DM-Filme und legte ihm das Tape neugierig auf den Tresen. Bislang hatte ich dieses Tanz der Teufel-Rip Off stets links liegen gelassen. Verdutzt sah mich die blonde Rotzbremse an und meinte lapidar „Da hast Du aber Glück gehabt, den wollte ich eigentlich gar nicht in die Verkaufsbox legen, sondern aussortieren, da der Film gerade verboten wurde.“ – Ich konnte mein Glück kaum fassen. Die Ernüchterung kam dann aber daheim, denn Tanz der Dämonen entpuppte sich nicht als Dämonen-Massaker, sondern als FSK-Schnitt-Massaker, welches man, vor allem im Finale, mächtig kastriert hatte. Die später erschienene FSK-16-Farce mit dem Titel Tanz der Monster entnahm man dann grobschlächtig gleich volle 20 Minuten. Ein schlechter Witz. Über die Jahre erschien der Film dann immer mal wieder, mal mehr, mal weniger brauchbar. Zunächst als VHS-Bootleg, später dann von Retro Film, Astro Records oder Inked Pictures. Nun hat sich Lucky 7 drangemacht, die ultimative Sammler-Edition mit Soundtrack-CD auf den Markt zu werfen. Doch kommen wir erstmal zum Film.

Tanz der Dämonen beginnt schon seltsam. Eine gläubige Frau (Stella Kastner) verbarrikadiert sich, gemeinsam mit ihrem Mann (Axel Toowey) in ihrem Farmhaus, während von draußen das Böse anklopft. Dank ihres Glaubens und ihrer Zaubersprüche (ja, wirklich!) wägt sie sich in Sicherheit, doch ihr Ehemann bekommt plötzlich schreckliche Akne, spuckt Milchreis mit Kirschen aus und sagt mit dämonischer Stimme folgenden, poetischen Satz:
Und jetzt mein Schweinchen, wirst Du sterben!
Geistig voll auf der Höhe, greift sie sich eine von diesen Schneekugeln, die man schüttelt, um eine romantische Winterlandschaft zu erzeugen. Doch diese Kugel scheint mit Nitro-Glyzerin gefüllt zu sein. Denn als ihr holder Gatte sie offscreen zerschrammelt, fällt die Glaskugel zu Boden und eine gewaltige Explosion beendet den Dämonentanz. What the fucking fuck?
Zeitsprung – wir lernen Cory (Eric Larson) und seine Freundin / Verlobte oder auch Bumse Elaine (Francine Lapensée) kennen, die mit dem Auto irgendwo im Nirgendwo unterwegs sind. Cory ist auf der Suche nach der Farm seiner Großeltern. Dass diese in der Eröffnungssequenz, die offenkundig in der Vergangenheit stattfand, in die Luft geflogen sind, hat man ihm über die Jahre scheinbar nie erzählt.

Zunächst macht man Rast an einer Tankstelle, irgendwo im Nirgendwo, die ganz offenkundig als günstige Kulisse auf die nächstgelegene Wiese gezimmert wurde. Dort gibt es, neben dem Crazy-Ralph-ähnlichen Tankwart („You´re all doomed!“), auch eine Vision für Cory, der in dieser nackt zwischen den Zapfsäulen steht und seine tote, zermantschte Großmutter sieht, die ihm ein „Willkommen zuhause.“ dämonisch entgegen lacht. Doch damit fängt der Irrsinn erst an.
Ich will nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber Cory hat auch seine Freunde mobilisiert, die nun nacheinander auftauchen, um dem Film einen ordentlichen Bodycount zu bescheren. Was folgt, ist die wohl schrägste Variation eines Tanz der Teufel-Rip Offs. Eine Freundin stirbt, indem sie in eine Babypuppe verwandelt wird (was keinen der Freunde nachhaltig juckt), andere verwandeln sich in Sprüche klopfende Dämonen und ein seltsamer Nebel verhindert, dass die Freunde aus der Umgebung fliehen können. Tanz der Dämonen ist eines dieser Trash-Highlights, welches Genre-Fans der Generation X gerne abfeiern. Gute, handgemachte Effekte, Schauspieler, die nicht spielen können, ein Drehbuch, welches im Drogenrausch entstanden zu sein scheint und ein Finale, dass selbst Harry Potter vor Neid erblassen lassen dürfte. Ich liebe diesen Irrsinn – aus all´ den falschen Gründen.

Lucky 7 liebt diesen Film wohl ebenfalls, weswegen er einen Platz innerhalb ihrer Art Collection erhalten hat. Neben den obligatorischen Gimmicks wie Poster und Bierdeckel, gibt es den Soundtrack auf CD. Außerdem gibt es allerlei Bonusmaterial zu entdecken wie Trailer und Interviews. Der Film selbst hat eine wunderbare Bildqualität und liegt auf Deutsch und Englisch vor. Doch hier gibt es eine Änderung zu den bisherigen Veröffentlichungen. So liegt der deutsche Ton nun im 5.1-Upmix vor, anstelle der bekannten Mono-Variante. Dieser klingt über eine aufgedrehte Anlage auch recht gut, allerdings musste ich den Film, aufgrund später Sichtungszeit, leiser stellen, was zu so manchem Verständigungsproblem führte. Denn dann bemerkt man, dass Stimmen und Musik nicht immer im Einklang stehen und ich daher öfters am Lautstärkeregler nachjustieren musste. Doch es gibt noch eine weitere Besonderheit, die mir sauer aufstieß.
Denn da man im Hause Lucky 7 mit der alten Synchronfassung aus dem Hause Madison Video Rechteprobleme hatte und diese auch nicht sonderlich gut empfand, gab man eine neue Vertonung in Auftrag. Diese ist durchaus hochwertig und auch gelungen, doch es ist wie bei Der weiße Hai, Flammendes Inferno und Jäger des verlorenen Schatzes: Wenn man sich jahrelang an eine Sprachfassung gewöhnt hat, dann ist es schwer, sich auf andere Sprecher einzulassen. Wer den Film bislang noch nie gesehen hat, der dürfte sich hieran aber nicht stören.
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