Zunächst eine kleine Entschuldigung meinerseits: Ich versuche stets, einigermaßen aktuell bei meinen Rezensionen im Bereich der Veröffentlichungs-Termine zu bleiben. Doch Hauptberuf, Familie, anderweitige Verpflichtungen und manchmal auch das Leben selbst führen dazu, dass der ein- oder andere Titel auf meinem To-Do-Stapel schlichtweg von mir übersehen wird. Heute möchte ich wieder einen dieser Filme besprechen, den ich viel zu lange schon vor mir hergeschoben habe. LIGHTHOUSE FILM spendierte der spanisch / argentinischen Gruselfilm-Produktion immerhin eine Mediabook-Veröffentlichung. The Wailing – Der Tod hat viele Gesichter (nicht zu verwechseln mit dem Südkoreanischen Streifen The Wailing: Die Besessenen aus dem Jahr 2016) erinnert dabei ein wenig an den Grusel-Kinohit It Follows, gepaart mit einer Prise Japan-Horror, aber verpackt in einem südeuropäischen Gewand. Eine ungewöhnliche Mischung.

Originaltitel: El llanto

Regie: Pedro Martín-Calero

Darsteller: Ester Expósito, Mathilde Ollivier, Malena Villa, José Luis Ferrer, Claudia Roset

Artikel von Christian Jürs

Mittlerweile ist es bei kleineren Filmproduktionen Gang und gäbe, dass mehrere Produktionsfirmen, die allesamt ihr Logo vorab präsentieren dürfen, nur, um direkt im Anschluss nochmal namentlich im Vorspann genannt zu werden, den Filmanfang einnehmen. The Wailing – Der Tod hat viele Gesichter ist so ein Fall. Stolze elf Produktionsfirmen stecken hinter der Finanzierung, weshalb wir uns zunächst knapp zwei Minuten mit ihnen beschäftigen dürfen. Macht aber nix, wenn sich der folgende Film danach lohnt.

Zu Beginn lernen wir Andrea (Ester Expósito) kennen. Wir begleiten die junge Studentin an einem Partyabend, der in einer Technodisco mündet. Der Film ist hier atmosphärisch, was gefällt. Wir erfahren, dass sie in Madrid bei ihren Stiefeltern wohnt, während ihr Freund Pau (Àlex Monner) sein Studium in Sydney, Australien absolviert. Per Videocall halten die beiden innigen Kontakt. Doch eines Tages stellt Pau seiner Andrea die Frage, wer der Fremde bei ihr im Raum sei. Verwirrt antwortet sie, dass sie allein ist, doch dann stellt sich heraus, dass sich tatsächlich eine unheimliche, männliche Person in ihrer Nähe aufhält, die scheinbar nur über Kamerabilder sichtbar wird. Was schon unheimlich begann, mündet schließlich in einem brutalen Mord.

Doch diese Geschichte ist nicht der Hauptpart von The Wailing – Der Tod hat viele Gesichter, sondern die, die sich bereits zwanzig Jahre zuvor in Argentinien abgespielt hat. Die junge Filmstudentin Camila (Malena Villa) entdeckt, auf der Suche nach einem Projekt, eine junge Dame namens Marie (Mathilde Ollivier), der sie fortan heimlich folgt und sie voyeuristisch filmt. In ihrem Kurs stößt diese Obsession auf wenig Gegenliebe. In ihren Aufnahmen entdeckt Camila schließlich ebenfalls eine Gestalt, die Marie zu folgen scheint. Es ist dieselbe unheimliche Person, die Jahre später auch Andrea stalken wird. Ein Fluch, der über Generationen zu greifen scheint.

Regisseur Pedro Martín-Calero versteht es, Stimmungen zu erzeugen. Sei es in der Technodisco unter Stroboskoplichtern oder in dunklen Räumen, belagert von der unheimlichen, männlichen Gestalt. Sein Horror ist schleichend, nicht immer omnipräsent zu spüren, dafür aber langsam unter die Haut gehend. Ich gebe zu, hier und da hätte ich mir ein paar Spannungsmomente mehr gewünscht, doch dies machen die drei weiblichen Hauptdarstellerinnen mit ihrem natürlichen Schauspiel locker wieder wett. Insbesondere gefiel mir das Spiel von Malena Villa als obsessive Filmstudentin, wobei Ester Expósitos Part ein wenig an den Rand gedrängt wird, sodass man sie im letzten Drittel schon fast vergessen hat, wenn der Film nochmal in die Gegenwart springt.

The Wailing – Der Tod hat viele Gesichter erzeugt phasenweise ein mulmiges Gefühl, verzichtet aber auf größere Gewaltausbrüche. Es gibt aber einen Moment, der so sehr aus dem Nichts zu kommen scheint, dass er mich eiskalt erwischt hat. Hier und da erreicht er kurz den Grusel, den japanische Geisterfilme einst auslösten oder eben der gruselige It Follows, in dem ebenfalls etwas Unbekanntes einer jungen Dame auf Schritt und Tritt folgt. Dessen Intensität wird hier zwar nie erreicht, dafür stimmt die ambitionierte Aussage des Films. Allerdings hätte ich mir ein etwas spektakuläreres Ende gewünscht.

Mir lag zur Rezension die Mediabook-Variante vor. Bild- und Tonqualität sind top, die Synchronisation ist ebenfalls hochwertig. In den Extras gibt es leider nix, dafür gibt es ein wunderbar verfasstes 24-seitiges Booklet von Wolfgang Brunner im Innenteil.

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