Mit Predator habe dies halt gar nichts mehr zu tun urteilte ein von mir (und vielen anderen) sehr geschätzter YouTuber in der Tagline seiner Videokritik. Eine Feststellung, die ich durchaus kritisch sehe, obwohl der Kern der Aussage nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Denn auch, wenn hier das titelgebende Filmmonster im Zentrum steht und vermenschlicht wird, so ist die Prämisse von Predator: Badlands trotzdem schlüssig und funktioniert bestens. Zu verdanken ist dies, neben Mastermind Dan Trachtenberg, vor allem Elle Fanning als künstliche Person an der Seite des Predators. Sie kommt unglaublich sympathisch daher und haucht dadurch der ganzen Nummer erst richtig Leben ein. Nach Kino- und Streaming-Einsatz wurde der Kracher nun auch von 20TH CENTURY STUDIOS, im Vertrieb von LEONINE STUDIOS, für den physischen Sammler im Heimkino veröffentlicht. Ein guter Grund, dem Film spätestens jetzt eine Chance zu geben.

Regie: Dan Trachtenberg
Darsteller: Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi, Rohinal Nayaran, Mike Homik
Artikel von Christian Jürs
Ein Predator auf der Seite der Sympathieträger? Das ging schon unter der Fuchtel von Paul W.S. Anderson gewaltig schief. Denn sein Alien vs. Predator war die gewohnt seelenlose Style-over-Substance-Gülle, die uns der Maestro kredenzte, auf dessen Konto auch so ziemlich jeder Heuler ging, in dem Milla Jovovich als Kampfamazone in den letzten zwanzig Jahren auftreten durfte. Allerdings, auch wenn der Weyland-Yutani-Konzern aus dem Alien-Franchise sowohl in Alien vs. Predator als auch in Predator: Badlands zur Lore gehört, so zählt Andersons Streifen spätestens seit Ridley Scotts Alien-Prequels nicht mehr dazu, aufgrund gravierender, inhaltlicher Abweichungen. Wobei es fraglich ist, ob da in den nächsten Jahren noch irgendwer durchzusteigen vermag.

Unabhängig davon halte ich Dan Trachtenberg für den richtigen Mann am Drücker des Predator-Franchises. Sein Kracher Prey war eine erfrischende Variation des ersten Films, der Animationsstreifen Predator: Killer of Killers ein unterhaltsames Episoden-Filmchen, dessen Ende die Rückkehr von Arnold Schwarzenegger anteaserte, was dieser gerade erst bestätigt hat. Da lacht das Fan-Herz. Doch man kann nicht für immer schwitzende Soldaten gegen den brutalen Trophäenjäger aus dem All antreten lassen, sonst wird irgendwann auch der letzte Zuschauer abschalten. Neue Ideen müssen her. Und hier gelang Dan Trachtenberg das Kunststück, sein Filmmonster in eine actionreiche Abenteuergeschichte einzubetten und zum Helden zu machen, ohne den Fans der ersten Stunde ans Bein zu pinkeln.
Predator: Badlands beginnt auf dem Heimatplaneten der Jäger namens Yautja Prime. Dort lernen wir Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) kennen, einen jungen Predator, der von seinem skrupellosen Vater (Reuben de Jong) als schwach und eine Schande für sein Volk bezeichnet wird. Dek möchte sich ihm beweisen und bittet seinen Bruder Kwei (Mike Homik), ihm die Reise zum Planeten Genna zu ermöglichen, wo er Jagd auf das gefährliche Wesen Kalisk machen möchte, vor dem sich sogar sein sonst so starker Vater fürchtet. Kwei steht zu ihm, doch Papa fordert seinen älteren Sohn auf, Dek zu richten, um Schande von der Familie abzuwenden. Als dieser sich weigert, wird er von seinem eigenen Vater getötet. Mit letzter Kraft befördert Kwei seinen Bruder in ein Raumschiff, welches als Destination den Genna-Planeten bereits eingespeichert hat, wodurch Dek die Flucht gelingt.

Die Landung auf Genna verläuft allerdings alles andere als sanft und so verliert Dek den Großteil seiner Waffen, wodurch die gefährlichen Lebewesen auf dem Planeten ihn beinahe eliminieren. Zu seinem Glück befindet sich eine schwer beschädigte Androidin namens Thia (Elle Fanning) vor Ort, die ihm, trotz fehlender Beine, das Leben rettet. Anschließend bittet sie den Yautja um Hilfe, da sie von ihrer baugleichen Androidin Tessa (ebenfalls Elle Fanning) getrennt wurde und diese nun wiederfinden möchte. Aufgrund ihrer fehlenden Beine ist sie auf Dek angewiesen, doch der nimmt sie lediglich als nützliches Werkzeug mit, welches ihm gegen die Gefahren des Planeten behilflich sein soll. Und so begibt sich das ungleiche Paar auf die Suche. Thia nach ihrer Schwester, Dek nach dem gefährlichen Kalisk. Eine gefährliche Reise, zu der sich noch ein weiteres Wesen hinzufügen wird.
Während der ersten zehn Minuten rollte ich mit den Augen. Predatoren, die sich vor CGI-Landschaften bekriegen empfand ich als langweilig und mir schwante Böses für die verbleibende Laufzeit. Doch falsch gedacht, denn mit dem Auftauchen von Elle Fanning als demolierte Androidin bekommt der Film nicht nur einen herrlichen Witz verpasst, das Zusammenspiel der künstlichen Person mit dem eigentlich erbarmungslosen Jäger entwickelt sich auch noch zu einer spannenden Abenteuergeschichte, deren Ausgang zwar vorhersehbar ist, deren Weg aber auch so vollgepackt ist mit originellen Fallen und Gegnern, dass für ausreichend Kurzweil gesorgt ist.

Ja, lieber David Hain, auf den ersten Blick hat dies mit dem Testosteron-Horror-Klassiker von 1987 nicht mehr viel gemeinsam, aber irgendwie dann doch, wobei dies natürlich nur meine Meinung ist. Klar, bislang galt der Predator immer als gnadenlose Killermaschine, doch Dek ist halt mal die Ausnahme von der Regel. Die Kills sind weiterhin brutal, auch wenn Predator: Badlands dank des leuchtenden und farbenfrohen Blutes ein PG-13 Rating verpasst bekam. In Deutschland gab´s trotzdem eine FSK 16 Freigabe, was vielleicht ein wenig übertrieben wirkt. Trotzdem wird der Film, aufgrund der Vermenschligung des Predators die Lager spalten. Egal, unterhaltsam isser allemal.
Wer zur DVD greift, der bekommt nur den nackten Film. Auf Blu-ray und 4K UHD gibt es noch exklusives Bonusmaterial in Form diverser kleiner Featurettes, eines Audiokommentars von Dan Trachtenberg, Ben Rosenblatt, Jeff Cutter und Jacob Tomuri, sowie sechs Deleted Scenes.
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