Nachdem sich die Verfilmung von Andy Weirs Erstlingsroman Der Marsianer mit Matt Damon in der Titelrolle und Ridley Scott auf dem Regiestuhl als intelligenter und erfolgreicher Blockbuster entpuppte, war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Hollywood auch an die weiteren Werke des Autoren haften würde. Die Verfilmung von Weirs zweitem Roman Artemis befindet sich derweil in Entwicklung, während sein drittes Buch, Der Astronaut – Project Hail Mary, jetzt mit Ryan Gosling in der Hauptrolle im Verleih von SONY PICTURES in den Kinos startet. Größtenteils eine One-Man-Show des Hollywood-Schönlings, bei der auch die deutsche Schauspielerin Sandra Hüller für ein paar entscheidende Szenen vorbeischauen durfte. Warum Ihr euch den Film unbedingt im Kino anschauen solltet, erfahrt Ihr in meiner Kritik.

Originaltitel: Project Hail Mary
Regie: Phil Lord, Christopher Miller
Darsteller: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Milana Vayntrub, Ken Leung, Liz Kingsman
Artikel von Christian Jürs
Ich war skeptisch, als ich die Trailer zum Film Der Astronaut – Project Hail Mary erstmals zu Gesicht bekam. Ich stellte mir die Fragen, ob Ryan Gosling den Film über weite Strecken seiner durchaus ausufernden Laufzeit allein stemmen könne und vor allem, ob das Ding nicht vielleicht eine echte Schlafpille werden würde. Nun, nach dem Besuch eines frühen Screenings, kann ich erleichtert vermelden: Ja, Gosling gelingt, was auch Tom Hanks einst in Cast Away – Verschollen meisterte und nein, Der Astronaut – Project Hail Mary ist zu keiner Sekunde langweilig. Im Gegenteil, lange war ich nicht mehr von einem potenziellen Blockbuster so sehr gefesselt, habe gelacht, hatte Tränen in den Augen und habe ganz fest die Daumen gedrückt, dass ihm seine Mission gelingen würde.

Bevor ich aber zur Handlung und eigentlichen Kritik komme, hier noch zwei Hinweise: Nein, ich habe den Roman nicht gelesen und kann daher keine Auskunft geben, ob dieser akkurat umgesetzt wurde und ob irgendwelche entscheidenden Teile herausgelassen wurden. Meine Kritik basiert darauf, ob der Film, losgelöst vom Geschriebenen, für sich allein funktioniert. Mein zweites Anliegen betrifft die Leute, die, ebenso wie ich, den Roman nicht kennen. Meidet, sofern Ihr dies noch könnt, jegliche Trailer (auch den unten verlinkten Trailer für Unverbesserliche), denn sie spoilern ein entscheidendes Element. Von daher werde ich Euch nur die Grundprämisse des Films schildern, den Rest sehr Ihr dann im Kino oder im Bücherregal eurer Wahl.
Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht plötzlich, ohne Erinnerung, aus einem Kälteschlaf in einem Raumschiff. Die übrige Besatzung, bestehend aus zwei weiteren Crewmitgliedern (Milana Vayntrub / Ken Leung) ist tot. Verwirrt und zunächst panisch, versucht er, der Situation Herr zu werden und findet schnell heraus, dass er sich Lichtjahre vom Planeten Erde entfernt im All befindet. Nach und nach kommen Erinnerungsfetzen zurück, die ihn daran erinnern, dass er einst ein erfolgreicher Molekularbiologe war, dessen Theorien über mögliche Lebensformen ohne Wasser wenig Gegenliebe fanden. Bei seinem anschließenden Job als Lehrer hingegen war er bei seinen Schülern durchaus beliebt.

Während Ryland nun allein im All umherschwebt, kommen weitere Erinnerungen zurück. So sehen wir, dass eines Tages, nach Schulschluss, plötzlich eine gewisse Eva Stratt (Sandra Hüller), Mitarbeiterin der Europäischen Weltraumorganisation, vor ihm steht und ihn um Hilfe ersucht, da eine große Katastrophe auf die Erde zusteuert. Eine eigenartige, schwarze Substanz nähert sich der Sonne und beginnt deren Energie absorbieren und damit erkalten zu lassen. Dies hätte verheerende, tödliche Folgen für die Erde, weswegen man die fachliche Hilfe von Ryland benötigt.
Wie es nun dazu kam, dass Ryland allein im All gelandet ist und vor allem, was er dort vorfindet, dass wird nach und nach aufgedröselt und sorgt für spannende und viele emotionale Momente. Ich möchte hierauf nicht näher eingehen, denn verdammt, Der Astronaut – Project Hail Mary ist das Beste, was ich seit langer Zeit im Big Budget-Kino gesehen habe. Vergesst die Gurken der letzten Jahre, die vielen, enttäuschenden Superhelden-Stinker aus der Greenscreen-Hölle oder den x-ten Dinosaurier-Aufguss. Was dem Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller, die für Filme wie 21 Jump Street und The Lego Movie bekannt sind, hier gelang, erinnert an die Werke von Steven Spielberg und Robert Zemeckis zu ihren Glanzzeiten. 156 Minuten klingen lang? Glaubt mir, die vergehen wie im (Weltall-)Flug. Nicht auszudenken, was aus Solo: A Star Wars Story für ein guter Film hätte werden können, wenn man den Jungs freie Hand gelassen hätte, statt sie zu feuern und zu ersetzen.

Sony Pictures vertraute ihnen und ich drücke die Daumen, dass sich dies nun auszahlt. Ryan Gosling schafft es locker, den Film auf seinen Schultern zu stemmen. Sandra Hüller, die hier ihr US-Debüt gibt, überzeugt natürlich ebenfalls. Da sie sich aber selbst synchronisiert, was löblich ist, klingt sie ein klein wenig hölzern in der deutschen Synchronfassung, die uns gezeigt wurde. Die Story bietet, dank der aufkeimenden Gedankenfetzen auch ausreichend Abwechslung. Vor allem aber sehen die Effekte fantastisch aus. Das Besondere: es wurde ohne Greenscreens gedreht, hier wurden echte Sets gebaut – und das sieht man auch. Sehr, sehr cool.
Der Astronaut – Project Hail Mary ist bestes Popcorn-Kino der packenden Art. Schaut den Film am besten auf großer Leinwand mit einem ordentlichen Soundsystem. Es lohnt sich.