Mumien, Monstren, Mutationen – Einige der Älteren unter Euch werden diese Worte in ihrer Kindheit oder Jugend vermutlich verinnerlicht haben, wenn sie am späten Montagabend Das Gruselkabinett im NDR eröffnet haben. Dort liefen von 1967 bis 1990 regelmäßig Gruselfilm-Klassiker, darunter auch die Werke von Regisseur Jack Arnold, der Kultfilme wie Der Schrecken vom Amazonas und Tarantula schuf. Einer seiner besten Filme war Die unglaubliche Geschichte des Mr. C., in dem die Hauptfigur unaufhaltsam zu schrumpfen beginnt. Basierend auf dessen Romanvorlage wagten die Franzosen mit Jean Dujardin in der Hauptrolle eine Neuinterpretation des Stoffes, die nun im Verleih von LEONINE STUDIOS im Heimkino erschienen ist.

Originaltitel: L’homme qui rétrécit

Regie: Jan Kounen

Darsteller: Jean Dujardin, Marie-Josée Croze, Daphné Richard, Salim Talbi

Artikel von Christian Jürs

Viele Fans von damals fragen sich: Kann die Neuverfilmung von Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. an den Charme der alten Verfilmung aus dem Jahr 1957 anknüpfen? Die Antwort sollte niemanden überraschen, denn sie lautet: Nein, natürlich nicht! Das war aber auch nie der Plan, Hauptdarsteller Jean Dujardin wollte viel lieber in einer zeitgemäßen Neuverfilmung des populären Romanstoffs von Richard Matheson agieren. Regie übernahm dabei Jan Kounen, der 1997 mit dem brutalen Gangsterstreifen Dobermann auf sich Aufmerksam machte. Hier aber schlug er deutlich leisere Töne an.

Der Bootsbauer Paul (Jean Dujardin) führt ein glückliches Familienleben mit seiner Frau Elise (Marie-Josée Croze) und seiner Tochter Mia (Daphné Richard) in seinem Haus in Strandnähe. Eines Tages, als er gerade mal wieder ein Stück weit aufs Meer herausschwimmt, beobachtet Paul ein ungewöhnliches Wetterphänomen am Himmel, dem er aber keinerlei weitere Bedeutung zuspricht. Zunächst erscheint auch alles beim Alten, doch dann bemerkt Paul in den Folgetagen, dass seine Kleidung ihm plötzlich zu groß geworden ist. Ein Besuch beim Arzt bringt auch keinerlei Klarheit, denn gesundheitlich ist alles in bester Ordnung, außer, dass Paul plötzlich vier Zentimeter kleiner geworden ist. Als das Schrumpfen in den Folgetagen weiterhin zunimmt und die Ärzte ebenfalls keinen Rat wissen, resigniert Paul, sehr zum Ärger seiner Frau. Er möchte nicht als Versuchskaninchen im Labor enden und gibt sich seinem Schicksal hin. Seine Frau weiß keinen Rat mehr und entscheidet, das Haus zu verkaufen, da sie die Kosten allein nicht mehr decken kann.

Als Paul, der mittlerweile auf Puppengröße zusammengeschrumpft ist, ins Visier der Hauskatze gerät, fällt er in den Keller hinab, aus dem er, aufgrund seiner geringen Größe, nicht mehr herauskommen kann. Seine Frau vermutet, dass die Katze ihren Gatten gefressen haben muss und verlässt ein für alle Mal mit ihrer Tochter das frühere Heim. Nun ist Paul auf sich allein gestellt, was gar nicht so ungefährlich ist, denn im Keller lauern für kleine Lebewesen tödliche Gefahren wie Mausefallen oder hungrige Spinnen – und je kleiner Paul wird, desto gefährlicher wird es für ihn.

Der Mann, der immer kleiner wurde – Die unglaubliche Geschichte des Mr C. kommt deutlich melancholischer als damals die Jack Arnold-Verfilmung daher. Dies wird noch verstärkt durch die philosophischen Voiceover-Kommentare von Paul, der zwar niemals aufgibt, um sein Leben und die Flucht aus dem Keller zu kämpfen, der sich aber auch stets bewusst ist, dass sein Dasein in naher Zukunft endlich sein wird und dass er weder Frau noch Tochter jemals wiedersieht. Jean Dujardin liefert in der zweiten Filmhälfte eine tolle One-Man-Show, die es wert ist, gesehen zu werden. Auch die Effektarbeit ist überzeugend gelungen und vor allem die Spinne wirkt geradezu lebensecht. Hier wird der Film zeitweise wirklich spannend.

Ein wenig enttäuschend hingegen ist das erste Drittel des Films geraten. Obwohl auch hier bereits die Melancholie innerhalb der Inszenierung deutlich zu spüren ist, wird sein Schrumpfverfahren im Eilverfahren abgehandelt und Paul gibt sich schnell seinem Schicksal geschlagen, was zu viel zu kurzen Auseinandersetzungen mit seiner Frau führt. Besonders in Bezug auf die Tochter, die er nun nicht mehr heranwachsen sehen wird und niemals mehr ins Bett tragen kann, verpasste man hier die Möglichkeit, emotional all-in zu gehen. Es wirkt ein wenig, als wolle man den Ballast der Vorgeschichte möglichst schnell loswerden, um zum Abenteuer Kellererkundung übergehen zu können.

Trotz alledem steckt in Der Mann, der immer kleiner wurde – Die unglaubliche Geschichte des Mr C. viel Herzblut drin, insbesondere im Spiel von Jean Dujardin und der guten Effektarbeit. Insgesamt sehenswert, auch wenn der Film niemals den Stellenwert der Erstverfilmung erreichen wird. Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Form vor. Bild- und Tonqualität sind super, die Synchronisation ist mehr als ordentlich geraten. Im Bonusbereich gibt es neben dem Trailer noch ein knapp 40-minütiges Making of, welches ausgiebige Einblicke in den Dreh verschafft.

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