Die 1970er Jahre waren eine wilde Zeit in Italien. Neben vielen Demonstrationen von Studenten zwischen rechten und linken Lagern, entdeckte auch noch die Mafia die Erpressung von einfachen Geschäfts- und Privatleuten als neue, mit Gewalt durchgesetzte, Einnahmequelle – und das in einer Zeit, in der der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit sich in einen satten Abschwung der Wirtschaft umwandelte. Gewalt, Armut und Arbeitslosigkeit griffen in den 1970ern um sich und legten so die realen Bedingungen für den italienischen Polizeifilm. Die Filme behandelten den neuen Umstand, dass sich die Mafia damals so ziemlich jeden Geschäftsmann und Mieter vornahm, um ein Pizzo zu verlangen (der sizilianische Begriff für Schutzgeld), welches zur Not mit Gewalt durchgesetzt wurde. Dabei fühlte sich die Bevölkerung von der überforderten und teilweise involvierten Polizei im Stich gelassen. Der Wunsch nach eisernen Polizisten und Richtern wurde laut – und die italienische Filmindustrie lieferte. Und da, wo das Eisen krimineller Energie neu geschmiedet wurde, durfte Enzo G. Castellari nicht fehlen, der Meister des knackig gebürsteten Genre-Films, egal zu welchem Thema. In den Extras zu diesem Film erzählt Enzo G. Castellari von der Aktualität seines Streifens, der, wie er meint, bis heute frisch und knackig wirkt. Und da hat Herr Castellari nicht unrecht, denn mit Racket – Bei Anruf Mord ist ihm definitiv ein zeitlos guter Klassiker des italienischen Polizeifilms gelungen. EXPLOSIVE MEDIA im Vertrieb von PLAION PICTURES brachten diesen deftigen Genre-Beitrag, der im Finale die Skript-Assistenz völlig durch den Wind brachte (in den Extras erzählt Castellari davon), nun restauriert auf Blu-ray und DVD heraus.

Originaltitel: Il grande racket
Regie: Enzo G. Castellari
Darsteller: Fabio Testi, Vincent Gardenia, Renzo Palmer, Romano Puppo, Orso Maria Guerrini, Sal Borgese
Artikel von Kai Kinnert
In dem italienischen Polizei-Thriller Racket gerät der aufrechte Mailänder Polizist Inspector Nico Palmieri (Fabio Testi) in einen brutalen Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Eine mächtige Verbrecherorganisation versucht mit Gewalt, Korruption und Einschüchterung die Kontrolle über die Stadt zu übernehmen. Palmieri weigert sich jedoch, sich einschüchtern zu lassen, und geht kompromisslos gegen die Gangster vor – auch wenn er dabei zunehmend auf sich allein gestellt ist.

„Für das Finale habe ich alles an Actionszenen gedreht, was mir einfiel!“ schmunzelt Castellari in den (untertitelten) Extras in die Kamera. In der Tat dreht Enzo dann auch in den letzten 20 Minuten so richtig auf, hier wird geballert und gestorben, mal unblutig zu Boden gerissen, mal blutig zerschossen, dass es eine Freude ist. Überhaupt macht Castellari keine Gefangenen in diesem Film, der sogar seine eigene Tochter in einer kleinen Rolle vor der Kamera vergewaltigen lässt. „Das war schon ein wenig seltsam.“ meint Fabio Testi in den Extras. Stimmt, kann man tatsächlich so sehen.
Doch neben allen dramaturgischen Grobheiten, auf die das Genre einfach nicht verzichten kann, überzeugt der Film bis heute noch mit seiner straffen und gekonnten Inszenierung durch Enzo G. Castellari. Der Film hat einen hervorragenden Filmschnitt und eine solide Kameraführung, flankiert von einer stimmigen Filmmusik (Guido und Maurizio De Angelis) und einer gut aufspielenden Besetzung, die sich so halb aus Castellaris Bekanntenkreis zusammensetzte. Legendär ist nicht nur das ausufernde Geballer im Finale des Films, sondern auch der berühmte Stunt mit Fabio Testi, in dem Testi im Auto sitzend einen Hügel herunter abstürzt. Die Glassplitter in dieser Szene sind echt, überhaupt wurde bei den Autos mit echtem Glas gearbeitet. Wer sich die Szene genau ansieht, wird herausfinden, wie der Stunt gedreht wurde, spätestens in den Extras bekommt man die Szene von Castellari erklärt.

Racket – Bei Anruf Mord ist einer der großen Polizeifilmklassiker des italienischen Kinos, der in keiner Sammlung fehlen sollte. Fans wissen um die actionreiche Qualität des Streifens, allen anderen Freunden rauer Filmkunst sei dieser, bis heute sehr runde und unterhaltsame Kracher, ans Herz gelegt. Ein echter Enzo G. Castellari mit Gütesiegel A!
Als Extras gibt es die 2022 produzierten Freak-O-Rama-Videointerviews mit Regisseur Enzo G. Castellari, Fabio Testi, Massimo Vanni und Editor Gianfranco Amicucci, sowie Kinotrailer und eine Bildergalerie. Eine Wendecover ohne FSK-Logo ist ebenfalls vorhanden.
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