Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben selbst! – Mit dieser Kalenderblatt-Weisheit wollte ich schon immer mal eine Kritik beginnen. Aber keine Sorge, so oberflächlich wie dieser abgedroschene Spruch ist der Film, der eine Mischung aus Drama und Komödie bereithält, keineswegs geraten. Channing Tatum spielt darin einen freundlichen Einbrecher, der zwar stolze vierzig McDonalds-Filialen ausgeraubt hat, dabei aber stets um das Wohl der Angestellten besorgt war. Nachdem er erwischt wurde und aus dem Gefängnis floh, suchte er Unterschlupf im Lager einer Toys´R´Us-Filiale, in der er sich längere Zeit versteckt hielt, ehe er sich in eine Angestellte, gespielt von Kirsten Dunst, verguckte (wer würde ihm das übel nehmen?). Von LEONINE STUDIOS wurde der Film jetzt im Heimkino veröffentlicht.

Originaltitel: Roofman
Regie: Derek Cianfrance
Darsteller: Channing Tatum, Kirsten Dunst, Peter Dinklage, Tony Revolori, Juno Temple
Artikel von Christian Jürs
Bitte lasst Euch vom Coverbild, auf dem Channing Tatum mit einem Teddybär auf der Schulter abgebildet ist, nicht täuschen. Dies hier ist keine alberne Komödie im Stil von 21 Jump Street oder ähnlichem. Überhaupt wird Tatum oftmals in die Schublade des Komödiendarstellers und Schönlings gesteckt, obwohl er mittlerweile spätestens mit dem Thriller Blink Twice bewiesen hat, dass da schauspielerisch noch mehr in ihm steckt. In Der Hochstapler – Roofman konnte er sich abermals beweisen und muss sich hinter seinen Kollegen und Kolleginnen, wie etwa Kirsten Dunst und Peter Dinklage, keinesfalls verstecken.

Der ehemalige US-Veteran Jeffrey Manchester (Channing Tatum) ist frustriert. In seiner Kasse herscht Ebbe, sodass er seiner Tochter (Alissa Marie Pearson) nicht einmal ein Fahrrad zum Geburtstag kaufen kann. Doch dann hat der sportliche Familienvater die rettende Idee: Er steigt des Nachts über die Dächer in McDonalds-Filialen ein, um morgens in der Frühe das anrückende Personal zu überrumpeln und die Filiale auszurauben. Dabei geht er stets besonders freundlich vor und gibt den Angestellten niemals das Gefühl, sich in echter Lebensgefahr zu befinden. Der Plan geht auf und plötzlich hat Jeffrey deutlich mehr Geld in der Tasche. Doch ein Einbruch reicht nicht zum sorglosen Leben für die Familie und so sind es stolze vierzig Filialen, die er um ihr Geld beraubt, ehe der lange Arm des Gesetzes zuschlägt und Jeffrey Manchester für lange Zeit ins Gefängnis wandern muss.
Kurz darauf lässt sich Jeffreys Frau (Melonie Diaz) scheiden, lernt einen neuen Mann kennen und untersagt den Kontakt zur gemeinsamen Tochter. Doch Jeffrey gibt nicht auf und flüchtet auf spektakuläre Weise im Unterboden eines Transporters versteckt aus dem Gefängnis. Als er seine Tochter zu kontaktieren versucht, entdeckt er jedoch eine Polizeistreife, die über sie wacht, weswegen er das Weite sucht. Unterschlupf findet er in einer Toys “R” Us-Filiale, in der er sich in einem Hohlraum versteckt. Zur Unterhaltung hört er das Spielzeugladen-Personal per versteckter Babyfone ab und verguckt sich dabei in die alleinerziehende Mutter Leigh Wainscott (Kirsten Dunst), für die er erhebliche Risiken eingeht.

Der Hochstapler – Roofman kommt auf den ersten Blick als leichtfüßige Gaunerkomödie daher, ist im Wesentlichen aber mehr Drama als Komödie, jedoch in der eher leichtfüßigen Variante. Schnell beginnt man als Zuschauer, dem Charme von Channing Tatum zu erliegen. Man fiebert mit seiner Figur mit und entwickelt Sympathien für den Schwerenöter. Kirsten Dunst ist sowieso immer eine Bank und äußerst sympathisch. Peter Dinklage als schmieriger Filialleiter kann sich ebenfalls sehen lassen. Auch die weiteren Rollen, wie etwa die Film-Kinder von Kirsten Dunst oder LaKeith Stanfield als alter Army-Kumpel von Jeffrey Manchester, wurden allesamt erzeugend besetzt – und Juno Temple (Ted Lasso) schaut ebenfalls noch kurz vorbei.
Wir haben hier einen erfrischenden Film nach einer beinahe unglaublichen Geschichte, der das Herz am rechten Fleck hat. Einziges Manko ist mal wieder die Laufzeit von etwas über zwei Stunden, die die Geschichte im späten Mittelteil ein wenig zerfasern lässt. Glücklicherweise fängt sich Der Hochstapler – Roofman gegen Ende wieder, doch etwas weniger wäre hier mal wieder trotzdem mehr gewesen. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt ist dies ein unterhaltsamer Film, der auf der heimischen Couch für einen rundum gelungenen Filmabend sorgen dürfte.

Mir lag zur Rezension die Blu-ray in Rohling-Form vor. Bild- und Tonqualität sind bei einem neuen Film selbstverständlich top. Im Bonusbereich befinden sich drei Featurettes, sowie gelöschte und alternative Szenen.
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