Dolph Lundgren gehört seit frühester Jugend zu meinen allerliebsten Action-Haudegen, obwohl er es nie so richtig an die Spitze des Krawall-Olymps geschafft hat. Doch während er in seinen frühen Jahren stets verlässliche Videothekenware ablieferte, begann sein Stern in den letzten Jahren drastisch zu sinken. Zwar gab es immer wieder sehenswerte Filme, in denen er als Nebendarsteller überzeugen konnte (Expendables / Creed 2), doch die Qualitäts-Trefferquote sank merklich. Ob er mit Exit Protocol – Killer vs. Killer, in dem auch sein Kollege Michael Jai White seine Rentenkasse aufbessern konnte, mal wieder ein kurzweiliges Action-Vergnügen abgeliefert hat, dass könnt Ihr dank PLAION PICTURES jetzt vor der heimischen Glotze herausfinden – oder Ihr lest einfach diese Kritik.

Originaltitel: Exit Protocol
Regie: Shane Dax Taylor
Darsteller: Scott Martin, Dolph Lundgren, Michael Jai White, Charlotte Kirk, Lina Maya, J.B. Yowell
Artikel von Christian Jürs
Die gute Nachricht zuerst: Dolph Lundgren wurde in der deutschen Synchronfassung von seinem Stammsprecher Manfred Lehmann eingesprochen. Keine Selbstverständlichkeit, immerhin ist der bekannte Schauspieler und Synchronsprecher mittlerweile stolze 81 Jahre alt. Danke dafür, Plaion Pictures. Sympathisch wie eh und je stakst der Schwede mit seiner gewohnten, deutschen Stimme durch den Action-Reißer.

So viel zu den guten Nachrichten. Leider gibt es, wie so oft in Lundgrens jüngster Vergangenheit, auch viel Negatives zu berichten über Exit Protocol – Killer vs. Killer. Zunächst einmal sind Dolph Lundgren und Michael Jai White, entgegen dem Versprechen auf dem Coverbild, nicht die Hauptdarsteller in diesem Film, sondern Scott Martin. Ihr werdet fragen: Hä? Wer? – Genau, den Mann kennt man nicht. Er war u.a. Nebendarsteller in der Dolph Lundgren-Gurke The Best Man und fungierte hier außerdem als Produzent. Klar, dass er sich die Rolle des obercoolen Killers selbst einsackte.
Scott Martin verkörpert Sam Hayden, der sich selbst als Killer von Killern betitelt. Er wird von seinem Auftraggeber, dem schwerreichen Augustus Shadrin (J.B. Yowell), immer dann engagiert, wenn mal wieder ein Profikiller in den Ruhestand treten will, um diesen zu eliminieren. Ein Job mit ganz miesen Rentenaussichten also – und Sam ist der Beste seines Fachs. Gleich zu Beginn trifft er auf seinen neuesten Auftrag: den Ex-Killer Charles Managold (Dolph Lundgren), der sich zur Ruhe gesetzt hat, um sein Leben mit seiner schwangeren Frau/Freundin (?) Danique zu genießen. Diese wird verkörpert von Charlotte Kirk, die Baujahr 1992 ist – das Jahr, in dem Lundgren mit Universal Soldier an der Kinokasse punkten konnte. Wer jetzt meint, die sei ja viel zu jung, dem sei gesagt, dass seine aktuelle Ehefrau, Emma Korkdal, erst 1996 das Licht der Welt erblickte, dem Jahr, in dem Silent Trigger erschien.

Zurück zum Thema. Nach kurzem Schusswechsel springt der Film zunächst einmal in der Zeit zurück, um Sam Hayden, der uns seine Geschichte aus dem Off erzählt, gebührend vorzustellen. Deshalb bekommen wir erstmal einen früheren Auftrag präsentiert, bei dem Sam nicht lange fackelt und per Fernschaltung ein genau positioniertes Scharfschützengewehr aus weiter Ferne bedient, um sein Gegenüber auszuschalten. Das ist nicht nur albern und unrealistisch, das Projektil ist auch noch mies getrickst und durchbricht in Zeitlupe die in der Luft fliegenden Credits, ehe es sein Ziel erreicht. Danach fährt Sam erstmal heim zu seiner Freundin Nona (Lina Maya), die stets ihr beeindruckendes, tief ausgeschnittenes Dekolleté präsentieren darf. Nach etwas Smalltalk geht´s dann auf, um Charles Managold zu töten.
Damit sind wir zurück beim Anfang des Films, wir dürfen dem Schusswechsel erneut beiwohnen, aber diesmal in der kompletten Ausführung. Das Ende vom Lied ist, dass Sam es nicht schafft, Managold und seine Freundin aus dem Weg zu räumen, da plötzlich Isaac Florentine (Michael Jai White) auf der Bildfläche erscheint. Ein weiterer Auftragskiller, der scheinbar sowohl Charles als auch Sam ausschalten soll. Bei ihm seine Kollegin Wicked (Stephanie Beran), die noch ein Hühnchen mit Sam zu rupfen hat. Klar, dass Charles und Sam daher einen Pakt schließen, vorerst gemeinsam zu arbeiten, um den eigenen Hintern zu retten.

Dolph Lundgren und Michael Jai White geben sich sichtlich Mühe, Exit Protocol – Killer vs. Killer besser zu machen, als er es verdient hat. Regisseur Shane Dax Taylor bekommt aber leider keine guten Action-Choreografien eingefangen, was auch am extrem geringen Budget liegen könnte. Die Digitaleffekte sehen lächerlich aus und das Drehbuch ist ganz großer Blödsinn. Ständig bettelt Lundgrens Charakter unseren Hauptdarsteller Scott Martin an, er möge es sich doch nochmal überlegen. Der erwidert, dass er Lundgren und seine schwangere Freundin auf jeden Fall umnieten wird – während Lundgren mit der Waffe vor ihm steht. Niemand, wirklich niemand verhält sich hier wie ein Profi. Immerhin ist der Bodycount einigermaßen hoch und Lundgren darf ballern. Kämpfen kann der gute Mann leider nicht mehr. Seine kaputten Knie und die Krebserkrankung haben ihn gezeichnet. Er darf einmal das Bein heben und wird dabei gedoubelt. Meist sitzt oder steht er irgendwo. Einmal eilt er zum Auto und man möchte ihm als Zuschauer eine helfende Hand reichen, damit er es bis ins Innere des Wagens schafft. Ich wünsche ihm eine altersgerechte Rolle, gerne im Actionbereich, und er darf auch gerne selbst Regie führen. Die Filme, die er selbst inszenierte sehen trotz ebenfalls mickrigem Budget nämlich allesamt deutlich besser aus.
Zunächst nochmal ein großes Lob an Plaion Pictures zur gelungenen Synchro. Im Bonusbereich gibt es den Trailer, sonst nix. Für Dolph Lundgren-Komplettisten sicherlich ein Muss. Alle anderen sollten lieber nochmal Dark Angel, The Mechanik oder Skin Trade aus dem Regal kramen.
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