Einst gehörte er zu den größten Stars in Hollywood. Doch diverse öffentliche Verfehlungen drängten Mel Gibson immer weiter ins Abseits. Mittlerweile schlägt sich der ehemalige Superstar durch diverse B-Film-Produktionen, die mal mehr, mal weniger brauchbar gerieten. Dass er an alte Blockbuster-Tage nicht mehr heranreichen kann, dürfte klar sein. Ob nun Hopp oder Top – zu welcher Kategorie der Action-Thriller aus dem Hause LEONINE STUDIOS, der mit rotem FSK 18-Logo Fans härterer Gangart lockt, gehört, verrate ich in meiner Rezension.

Originaltitel: Hunting Season

Regie: RJ Collins

Darsteller: Mel Gibson, Sofia Hublitz, Shelley Hennig, Jordi Mollà, Scarlet Rose Stallone

Artikel von Christian Jürs

Er war knallhart in Mad Max, war Frauenschwarm in der Lethal Weapon-Reihe und feierte als Regisseur mit Braveheart seinen größten Erfolg. Die Liste seiner Filmhits ist lang, doch dann kam es im Jahr 2006 zum Skandal, als er wegen Trunkenheit am Steuer verhaftet wurde und dabei antisemitische Äußerungen gegenüber den Polizisten rauslallte. Es sollte nicht sein einziger Ausfall bleiben, weswegen er in Hollywood allgemein als Kassengift gilt. Versuche, ihn wieder an die Spitze der Charts zu bugsieren, scheiterten. Zwar konnte er als Regisseur hier und da mal wieder punkten, als Darsteller bekam er lediglich Nebenrollen in größeren Produktionen (Expendables 3/Machete 2) und allerlei recht unbekannte Heimkino-Schinken angeboten. Auch in Hunting Season – Blutige Fährte, werden erneut kleinere Brötchen gebacken.

Hier spielt er Bowdrie, einen in die Jahre gekommenen Jäger und Witwer, der zurückgezogen im ländlichen Oklahoma mit seiner Tochter Tag (Sofia Hublitz) lebt. Nur selten verschlägt es die beiden zwecks Erledigungen in die nahegelegene Stadt. Eines Tages entdeckt Tag am Flussufer eine durch einen Bauchschuss schwer verwundete junge Frau, die sie mit ihrem Vater fortan gesund pflegt. In ein Krankenhaus möchte die Frau, die sich als January (Shelley Hennig) vorstellt, keinesfalls, aus Angst um ihr Leben. Denn, nachdem eine Gruppe von Killern bereits ihre Freundin Lizzie (Scarlet Rose Stallone) umgebracht hat und sie schwer verwundete, befindet sich ihr Leben in höchster Gefahr.

Und so hält Bowdrie die schwer verwundete Frau bei sich versteckt, während er, stets auf der Hut, die Umgebung nach verdächtigen Personen absucht. Denn Bowdrie ist klar, sollten die Verbrecher herausfinden, dass January noch lebt, werden sie zurückkommen und ihren Job beenden. Als schließlich Lizzies verwesende Leiche angespült und entdeckt wird, dauert es nicht lange und der brutale Gangsterboss Alejandro (Jordi Mollà) steht mit seiner Brigade auf der Matte, um aufzuräumen. Doch er hat nicht mit der Jagdfähigkeit von Bowdrie und seiner Tochter gerechnet.

Hunting Season – Blutige Fährte ist mit Sicherheit kein Film, für den man Mel Gibson später in Erinnerung behalten wird. Im Vergleich zur Action-Gurke Exit Protocol – Killer vs. Killer, die uns gerade mit Dolph Lundgren aufgetischt wurde, ist dies dann aber doch eine gelungenere Alternative für den heimischen TV-Abend. Dabei gibt es auch hier einiges zu beanstanden. Dies beginnt beim Haupt-Charakter Bowdrie, über den wir eigentlich kaum etwas erfahren. Warum ist er so ein guter Samariter? Warum ist er im Kampf gegen die Killer so versiert? Warum leben er und seine Tochter so zurückgezogen? Abgesehen von der verstorbenen Frau, die hier aber eines natürlichen Todes verstorben ist, erfahren wir leider viel zu wenig über die Hauptfiguren. Dabei spielt Gibson richtig gut und auch seine Filmtochter, verkörpert von Ozark-Star Sofia Hublitz und auch Shelley Hennig überzeugen.

Ganz im Gegensatz zu Jordi Mollà als Gangsterboss Alejandro, der wirklich jedes Klischee des ekligen Bösewichts erfüllen muss, sich selbst als König bezeichnet und Frauen gerne dazu zwingt, seine entsicherte Automatikwaffe oral zu verwöhnen. Dies wirkt schrecklich überzeichnet und beißt sich mit dem ansonsten ziemlich ruhig inszenierten Drama mit Actionanteil. Richtig gelesen, dies hier ist eher ein langsam erzählter Genrevertreter, der zwar ein paar kleine Gewaltspitzen zu bieten hat, ansonsten aber eher ruhigere Töne anschlägt. Ein wenig drängt sich der Verdacht auf, dass Mel Gibson hier Regisseur RJ Collins (American Sicario) in seinen Szenen stets beratend zur Seite stand, da diese zu den Highlights des Films gehören und auch gut fotografiert sind.

Kein Highlight, aber auch kein Stinker – Hunting Season – Blutige Fährte kann man durchaus ansehen, man sollte aber nicht allzu viel erwarten. Dies gilt auch für das Bonusmaterial, welches auf dem mir vorliegenden Blu-ray-Rohling aufgespielt war. Lediglich ein Trailer und eine kleine Featurette sind darauf zu finden.

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