Nach dem Weihnachtsfest ist vor dem Weihnachtsfest! Okay, das Timing für die Heimkino-Veröffentlichung des brandneuen Remakes von Stille Nacht – Horror Nacht aus dem Hause STUDIOCANAL ist nicht das Beste (der Film erschien kurz vor den Ostertagen), doch was soll man machen, wenn der Streifen zur Weihnachtszeit im Kino gestartet ist? Ein Jahr warten ist heutzutage keine Option mehr. Also dunkelt Euer Wohnzimmer ab, zündet eine Kerze an und stellt dem Weihnachtsmann zur Sicherheit einen Teller mit Keksen vor die Tür, denn die Unartigen werden von Hauptfigur Billy bestraft in Silent Night, Deadly Night!

Regie: Mike P. Nelson
Darsteller: Rohan Campbell (als Rowan Campbell), Ruby Modine, David Tomlinson, Logan Sawyer
Artikel von Christian Jürs
Wie sich doch die Zeiten ändern. Als anno 1984 der Film Silent Night, Deadly Night in den US-Kinos anlief, gab es landesweite Proteste vor den Kinos gegen das Machwerk. Hintergrund war ein Kinoplakat, auf dem der Weihnachtsmann mit blutiger Axt in der Hand aus einem Kamin herauskletterte (oder hinein, das kann man anhand des Bildes nur erahnen). Die Verunglimpfung des ach so geliebten Weihnachtsmannes war den gläubigen Christen in Amerika jedenfalls ein Dorn im Auge.

Bei uns hatte Stille Nacht – Horror Nacht, wie der deutsche Verleihtitel lautete, ganz andere Probleme. Versteckt als Videopremiere musste der Slasher damals mehrere Schnitte hinnehmen und wurde trotzdem indiziert. Mittlerweile ist er aber wieder auf freiem Fuß und sogar als unzensierte Unrated Fassung erhältlich, in der die teils spektakulären Spezialeffekte, die auch dem US-Kinopublikum verborgen blieben, in voller Pracht zu bestaunen sind. Ein paar davon wurden sowohl im inoffiziellen 2012er Remake Silent Night – Leise rieselt das Blut, als auch in der brandneuen Interpretation als Hommage zitiert. Linnea Quigley, nackt aufgespießt auf einem Elchgeweih, bleibt aber unerreicht.
Die Grundprämisse aus dem Jahr 1984 wurde größtenteils, mit ein paar entscheidenden Änderungen, beibehalten. Damals besuchte der kleine Billy mit seinen Eltern den Großvater an Weihnachten im Pflegeheim. Eine gruselige Begegnung für den Jungen, da Opa ihm vor dem Weihnachtsmann Angst machte. Dass auf der Heimfahrt Mama und Papa von einem Irren im Weihnachtsmann-Kostüm umgebracht wurden, machte Billys Verhältnis zu Santa Claus nicht besser. Auch das Remake verwendet diese Prämisse, zeigt sie aber als Rückblick und nimmt zwei Änderungen vor: Grandpa (Darren Felbel) ist nicht gemein zum kleinen Billy (Logan Sawyer), er stirbt schlichtweg urplötzlich vor den Augen seines Enkels. Naja, so urplötzlich gar nicht, denn Billys Dad (Erik Athavale) ist ein Erbschleicher und vergiftete seinen Vater daher kurzerhand. Doch die Strafe folgt auf dem Fuße, als Dad und Mum (Krystle Snow) vom Killer-Weihnachtsmann überrascht werden und blutig das Zeitliche segnen. Im Remake etwas politisch korrekter und damit abzüglich der in dieser Szene stattfindenden sexuellen Gewalt. Diese hätte, so wie die weitere Handlung verläuft, hier auch keinesfalls gepasst. Schmaddern tut´s trotzdem ordentlich.

Im Anschluss ging es im Originalfilm für Billy ab ins Waisenhaus, wo er unter der strengen Mutter Oberin litt. Als Erwachsener dann bekam er einen Job in einem Spielzeugladen, verliebte sich, wurde betrogen und musste dann auch noch als Weihnachtsmann für Kinder parat stehen. Da sprangen dann seine Synapsen durch und auf ging´s zum fröhlichen Meucheln. Die zweite Filmhälfte bestand dann weitestgehend aus episodenhaften Slasher-Szenen, in denen Billy wahllos unartige (naughty!) Teenager richtete.
Die Nummer mit dem Waisenhaus spart sich das Remake hingegen komplett. Stattdessen begibt sich Billy (Rohan Campbell) von Beginn an auf weihnachtliche Säuberung. Diesem Hobby geht er bereits länger auf seiner US-Tour nach. Denn immer, wenn´s brenzlig wird, setzt sich Billy in den nächsten Bus und sucht das nächste Kaff auf, um dort das Weihnachtsfest so richtig zünftig zu gestalten. Behilflich dabei ist ihm eine Stimme in seinem Kopf, die ihn seit der Schreckensnacht damals in seiner Kindheit begleitet. Es ist die Stimme des damaligen Killers Elroy (Rick Skene), einem Pfleger aus Opas Altenheim, der bei seiner Tat damals selbst ums Leben kam. Als Billy ihn berührte, ging der Fluch des Gerechtigkeitssuchenden Serienmörders in ihn über. Seither leitet Elroys Stimme Billy und zeigt diesem mit Hilfe von Visionen, was die Menschen um ihn herum für schreckliche Sünden begangen haben, damit Billy seines Amtes walten kann und die Axt sprechen lässt.

Billys nächster Halt findet in der Kleinstadt Hackett statt, wo er sich in die dort lebende Pamela (Ruby Modine) verguckt. Um in ihrer Nähe zu sein, bewirbt er sich um einen Job in ihrem Laden und zieht ins nahegelegene Hotel. Und während sich die beiden Turteltauben nun näherkommen, begibt sich Billy abends im Weihnachtsmann-Kostüm wieder auf die Jagd, denn auch in Hackett gibt es viele unartige Menschen.
Als ich las, dass Rohan Campbell in der Rolle des Billy zu sehen seien würde, war ich zunächst einmal wenig begeistert, denn er war es, der sich in Halloween Ends als billiger Michael Myers-Ersatz durch den Film killte. Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn es lag keinesfalls an ihm, dass das Slasher-Finale in die Hose ging, es lag am Drehbuch und der Inszenierung. Hier passt er wie die Faust aufs Auge und harmoniert zudem bestens mit seiner Filmpartnerin Ruby Modine (Happy Deathday). Auch die Entscheidung von Regisseur und Co-Autor Mike P. Nelson (V/H/S/85), gleich in die Vollen zu steigen, ist begrüßenswert, denn so gerieten die 96 Minuten Film äußerst kurzweilig. Dass nicht alle Effekte aus dem Computer stammen und viel Handarbeit darunter ist, gefällt mir ebenfalls. Eine Gore-Granate wie zuletzt bei Terrifier 3 solltet Ihr hier aber nicht erwarten (auch wenn auf dem Cover damit geworben wird, dass das Studio von Art dem Clown hinter diesem Streifen steckt).

Allzu überraschend ist Silent Night, Deadly Night zwar nicht geraten, Slasher-Fans werden aber ihren Spaß haben, spätestens wenn Billy eine ganz besondere Weihnachtsfeier aufmischt, saß zumindest ich mit einem breiten Grinsen vor der Glotze.
Was es sonst noch zu sagen gibt: Die Synchro ist gut und im Bonusmaterial der physischen Veröffentlichung findet man eine zehnminütige Featurette. Horror-Freunde können jetzt also nochmal nachträglich Weihnachten feiern.
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