Die strudelnden Gewässer des gelben Stroms schwappten augenscheinlich auch auf die Produktion dieses Abenteuerfilms über, der gerne das zeitlose Charisma einer African Queen von 1951 hätte, dies jedoch dank einiger Merkwürdigkeiten in Sachen Besetzung und Inszenierung nicht schafft. Dass John Wayne hier mitspielt, war ursprünglich gar nicht vorgesehen. Da aber Bogart, Mitchum und Peck keine Lust hatten, musste John Wayne selber ran, der hier nicht nur produzierte, sondern teilweise auch die Regie übernahm. Und dafür, dass der eigentliche Regisseur William A. Wellman ein Oscar-Preisträger ist, geriet das Endprodukt irgendwie kraftlos und wirkt handwerklich zusammengeschustert. Woran mag es liegen? Am Drehbuch. Kann die prominente Besetzung den Kahn am Ende doch noch in sichere Gewässer lenken? PLAION PICTURES brachte den Klassiker des Abenteuerfilms nun im Mediabook heraus.

Originaltitel: Blood Alley
Regie: William A. Wellman
Darsteller: John Wayen, Lauren Bacall, Paul Fix, Mike Mazurki, Anita Ekberg, Joy Kim
Artikel von Kai Kinnert
Kapitän Tom Wilder (John Wayne) wird für einen unmöglichen Job angeheuert: Er soll die Bevölkerung eines kleinen chinesischen Dorfes und eine amerikanische Arzttochter (Lauren Bacall) nach Hongkong bringen. 300 Seemeilen trennen die Flüchtigen von der Freiheit, während die chinesische Marine Kapitän Wilders Rettungsversuch in eine Höllenfahrt verwandelt.

Drehbuchautor Albert Sidney Fleischman schrieb hier seinen eigenen Roman zum Drehbuch um und verschaffte John Wayne damit die geschwätzigste Filmrolle seiner Karriere. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich je einen John Wayne Film gesehen habe, in dem er noch mehr redet, als in diesem. Damit ist nicht gemeint, dass John mit anderen Schauspielern viele Dialoge hat (die hat er auch), sondern dass der Kerl ständig mit sich selber redet und so dem Zuschauer in aller Breite erklärt, was gerade Phase ist. In den ersten drei Minuten des Films sitzt Wayne irgendwo in China in einer Gefängniszelle und hat ein imaginäres Schätzchen (scheinbar irgendwo oben in der „Ecke“), mit dem er ein einer Tour laut quatscht. Der Film beginnt mit einem beinahe dreiminütigen Monolog Waynes, der hier seine Situation ausführlich seinem „Schätzchen“ erklärt und wird dies fortan bei jeder Gelegenheit in jeder Szene tun. Gleichzeitig soll es zwischen Lauren Bacall und John Wayne kräftig knistern, immerhin ist sie eine legendäre Schönheit Hollywoods und Wayne ein redseliger Frauenversteher mit keck sitzender Kapitänsmütze, aber John Wayne ist nicht Humphrey Bogart und William A. Wellman nicht John Huston, also erlischt jedes Geknister unter der konturlosen Inszenierung Wellmans und in der Redseligkeit Waynes, dem man heute in der Rolle des Tom Wilder eine Persönlichkeitsspaltung diagnostizieren würde.
Neben dem prall gefülltem Textbuch John Waynes hatte Wellman irgendwie auch noch Probleme mit einigen Übergängen und Schnittfolgen, die auf einen schnellen Dreh schließen lassen. So entkommt Wayne zu Anfang dem Gefängnis nur durch eine Überblende. Eben noch im Knast, bekommt er in einer Matratze eine chinesische Uniform und eine Waffe in seine Zelle geliefert und schon ist er per Überblende wieder auf freien Fuß. Wer hat ihm die Sachen geliefert? Hat er jetzt alle im Gefängnis erschossen? Wie kommt er frei? Oder wenn Tom Wilder in einem kleinen Boot vor eine Fähre kreuzt und beinahe gerammt wird, passen Tempo und Abstände nicht im Schnitt zusammen. Der Film ist voll mit kleinen Verkürzungen, die irgendwie auf ein Ungleichgewicht in der Produktion hinweisen. War man damals froh, den Film doch noch fertig bekommen zu haben? Der Aufwand dafür war nicht groß. Irgendwo in einer kalifornischen Bucht gedreht, beschränkt sich das Abenteuer auf viele Szenen in Innenräumen und die eigentliche Schiffsfahrt ist das Ziehen eines Strichs auf der Karte, die Tom Wilder einst aus dem Kopf heraus zeichnete. Dazu begegnet ihm eine Besetzung, für die heute jeder Produzent vor das indigene Schiedsgericht gezerrt werden würde. „Bloß keine Chinesen!“ könnte John Wayne gerufen haben, als es um die Besetzung ging und schon wurde für alle chinesische Sprechrollen westliche Schauspieler besetzt. Der Knaller ist hier Mike Mazurki in der Rolle des Big Han. Der Ukrainer, ganz dem Aussehen nach ein Ukrainer mit der Statur eines Holzfällers, spielt den Chinesen Big Han, der Tom Wilder zu Lauren Bacall fahren wird. Mein Kater, ein eleganter Britisch-Kurzhaar Kater mit riesigen Augen, wirkt chinesischer als Mike Mazurki (Manche mögen´s heiß / Eine total, total verrückte Welt), der sich im Film auch noch in Gegenwart echter Chinesen in auswendig gelernter Lautsprache mitteilt. Das wird noch getoppt durch Paul Fix (El Dorado / Giganten) der hier Mr Tso spielt, brav mit Hütchen, angeklebten Bärtchen und zusammengekniffen Schlitzaugen, die hinter einer kleinen, runden Nickelbrille sein westliches Hollywoodgesicht verbergen sollen. Das muss für Paul Fix frustrierend gewesen sein, da sein Schauspiel sich wahrlich auf das Zusammenkneifen der Augen beschränkt und er meist von hinten gefilmt wird. Das Trio wird komplett mit der blonden Anita Ekberg, die ganz chinesisch die Wei Ling gibt. In diesem Film hat man sich die Folklore des dargestellten Landes definitiv aus dem China-Restaurant abgeschaut.

Und zwischen Lauren Bacall und John Wayne? Da funkt nichts. Bacall spielt ihre vertraglich zugesicherten Großaufnahmen routiniert herunter, während sich Wayne als charmante Plaudertasche versucht und an seinem Text scheitert. Das Gequatsche mit seinem „Schätzchen“ steht ihm einfach nicht gut – und für den Rest des Abenteuer-Films gibt es einfach zu wenig Abenteuer.
Der gelbe Strom ist wahrlich altbackenes Hollywood-Kino, das einzig durch seine prominente Besetzung punkten kann, nicht aber durch Drehbuch und Inszenierung. John Wayne hat nun wirklich bessere Filme als diesen hier gedreht. Schade, Der gelbe Strom ist nicht gut gealtert.
Das Bild der gesichteten Blu-ray ist sauber, klar und gut, der Ton ebenso. Als Extras gibt es Promo-Spots von 1955, eine Pathé Wochenschau, Trailer, Bildergalerie und ein Booklet von Christoph N. Kellerbach.
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