Viel zu lange schon habe ich mich nicht mehr um meine Leidenschaft, dem Kino für die Ohren, gekümmert. Da kommt mir die neueste Hörspiel-Veröffentlichung aus dem Hause WOLFY OFFICE gerade gelegen, um endlich einmal wieder einen Film für die Ohren zu besprechen. Bei Grenzgänger aus der Feder von Thomas Plum handelt es sich laut Cover um einen Selfkant-Thriller. Mir sagte der Begriff tatsächlich nix und ich musste googeln um herauszufinden, dass es sich bei Selfkant um die westlichste Gemeinde Deutschlands handelt, unweit der Grenze zu den Niederlanden (don´t call it Holland). Dort geht (zumindest in diesem Hörspiel) ein Frauenmörder um, der auf beiden Seiten der Grenze seine Opfer hinterlässt. Kein Fall für TKKG, sondern für Polizistin Susanne Meuren, die sich mit den hiesigen Kollegen und ihrem Mentor, sowie ihren eigenen Dämonen, herumschlagen muss.

Autor und Regie: Thomas Plum
Sprecher: Sara Wegner, Charles Rettinghaus, Kevin Kasper, Chiara Haurand, Stephanie Preis
Artikel von Christian Jürs
Laut Pressemitteilung stammt Autor und Regisseur Thomas Plum aus dem Örtchen Gangelt, schlappe acht Autominuten von Selfkant entfernt. Übersetzt bedeutet dies, dass Plum quasi am Arsch der Welt haust und sich in der Gegend, in der die Geschichte stattfindet, bestens auskennt. Laut Google Maps sind die nächsten Großstädte u.a. Köln und Düsseldorf, was auch nicht viel besser ist. Nun ist aber genug mit dem Schabernack, denn Thomas Plum hat bereits mit dem Hörspiel Blaues Herz bewiesen, dass er Krimi und Thriller kann. Ich war also gespannt, was mich bei Grenzgänger erwarten würde.

Ein Frauenmörder geht um in der Gemeinde Selfkant. Um den niederländischen Polizisten Robert Mingers (Kevin Kasper) zu unterstützen wird die noch recht junge Polizistin Susanna Meuren (Sara Wegner) an den Ort des Verbrechens geschickt. Begleitet wird sie von ihrem Ausbilder und Mentor Martin Berg (Charles Rettinghaus), der ihr mit seiner Erfahrung eine Stütze ist. Beide haben erst kürzlich bei einem Bankraub mit Geiselnahme einen gefährlichen Einsatz absolviert, der Susanna noch immer schwer in den Gliedern steckt. Doch in Selfkant ist ihre ganze Aufmerksamkeit gefragt, denn der Killer geht besonders brutal vor bei seinen Verbrechen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er erneut zuschlagen wird.
Der Auftakt, in dem der Killer aus dem Nichts zuschlägt, ist spannend und atmosphärisch geraten und bietet ein kleines Augenzwinkern auf der Musikspur (genau hinhören!). Danach springen wir kurz zum in der Vergangenheit liegenden Banküberfall, zu dem wir im Laufe des Hörspiels immer wieder zurückversetzt werden, natürlich jedes Mal mit neuen Details. Die Ermittlungen laufen derweil zunächst langsam an. Die Dialoge geraten hier und da ein klein wenig schwafelig, was meiner Meinung nach daran liegt, dass man hier, wie so oft in letzter Zeit, auf einen Erzähler verzichtet hat. Daher müssen die Figuren natürlich mehr erklären und vor allem reden, denn ansonsten herrscht Stille auf der Tonspur. Doch das ist wirklich nur ein kleines Manko am Rande, denn die Dialoge gerieten durchaus flüssig erzählt, nur halt hier und da ein wenig ausufernd. Was den Rückblick betrifft, so wird wohl jedem Hörer schnell klar werden, was es damit auf sich hat. Ein wenig ungelenk in der Dramaturgie, da hätte man ein kleines bisschen weniger offensichtlich sein können.

Die Sprecher, allen voran Sara Wegner (Blaues Herz), Kevin Kasper (Video-Integrator) und auch Charles Rettinghaus, bei dem ich unweigerlich immer Jean-Claude Van Damme vor Augen habe (sorry), sind bestens besetzt und machen einen prima Job. Die Sound- und Musikkulisse passen ebenfalls. Die Logik der erzählten Geschichte sollte man nicht immer hinterfragen, sonst würde man anzweifeln, dass man Polizistin Meuren zu diesem Zeitpunkt auf so einen Fall angesetzt hätte, aber ich will nicht spoilern. Das hört Ihr vermutlich selbst raus. Aber, hey, wir haben hier ein Krimi.Hörspiel, keine psychologische Diplomarbeit. Ich konnte da locker drüber hinwegsehen. So richtig aufdrehen darf Grenzgänger dann im letzten Drittel, wenn der Täter enttarnt wird. Hier darf besagte Person, die sich vorher ganz normal verhielt, zum sabbernden Psycho mutieren, so wie in vielen B-Slasherfilmen. Das ist zwar klischeehaft, dafür aber wirklich spannend geraten.
Das Highlight von Grenzgänger findet aber im Epilog statt. ich muss aber gestehen, dass mich die recht vorhersehbare Geschichte dann doch trotzdem auf der Zielgeraden emotional gepackt hat. Chapeau, Thomas Plum, denn das Ende bleibt immer am meisten haften – und dieses hat mich tatsächlich bewegt. Ich hatte feuchte Augen, obwohl es gar nicht geregnet hat. Das schafft auch nicht jedes Hörspiel.
Wolfy-Shop: